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Bei „Markus Lanz“ Ex-VW-Chef Diess irritiert mit Aussage: „Die Aufgabe Klimawandel ist überschaubar“

Dr. Herbert Diess

Herbert Diess vertrat bei „Markus Lanz“ (ZDF) am Donnerstagabend (10. November 2022) die Meinung, technische Innovation und Wachstum seien die Waffe gegen den Klimawandel. Der Ex-VW-Chef glaubt, man könne die CO2-Produktion pro Kopf ohne große Einschränkungen halbieren.

Innovative Technik und Wachstum gegen die Klimakrise? Der ehemalige VW-Chef Herbert Diess sah am Donnerstagabend bei „Markus Lanz“ in der Klima-Problematik keine unüberwindbare Hürde.

Das Gutachten der Expertinnen und Experten fiel vor wenigen Tagen eindeutig aus: Wenn in Deutschland weiterhin so viele Treibhausgase ausgestoßen werden wie bislang, sind die Klimaziele für 2030 nicht erreichbar. Demnach müsste sich die Menge an eingesparten Emissionen dafür mehr als verdoppeln.

Aufgrund solcher Expertisen gehen Optimismus und Klimakrise nur in den seltensten Fällen Hand in Hand. Ein Beispiel hierfür lieferte der ehemalige VW-Chef Herbert Diess am Donnerstagabend (10. November 2022) bei „Markus Lanz“. Der Manager und studierte Ingenieur ist der Meinung, dass „wir häufiger über die positiven Dinge reden sollten“ und pries technische Innovationen als Lösung für die Klimakrise an.

VW-Chef Herbert Diess: „Wir schaffen die Energiewende“

Er spreche nicht für Volkswagen, schickte der Ex-Vorstandsvorsitzende voraus, bevor er zu einer optimistischen – manch einer würde sagen kühnen – Prognose ausholte. „Ich bin der Meinung: Wir schaffen die Energiewende und wir schaffen, den Klimawandel zu stoppen.“ Dabei handele es sich nicht um eine unmenschliche Herausforderung. „Die Aufgabe ist überschaubar“, proklamierte Diess gar.

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Der ehemalige VW-Boss erklärte, in Deutschland würden jährlich zehn Tonnen CO2 pro Kopf produziert. Andere europäische Staaten seien schon viel weiter, unter anderem Frankreich – laut Diess aufgrund von Atomenergie – und Österreich, das aktuell auf sechs Tonnen kommt. Auch Deutschland könne das CO2 auf die Hälfte reduzieren – „ohne Einschränkung des Lebensstandards“. Dafür genügten die Umstellung der Primärenergie und „ein bisschen vielleicht eine CO2-Steuer“.

Diess argumentierte: „Wenn wir elektrifiziert sind mit Wärmepumpen, brauchen wir viel weniger Energie.“ Alle Autos zu elektrifizieren, würde aufgrund der Energieeffizienz nur sechs Prozent mehr Strom insgesamt verbrauchen. „Solarstrom kriegen wir ins Auto mit 90 Prozent Wirkungskraft, in die Heizung mit 95 Prozent“, rechnete der Manager vor. „Es gibt für alles die Lösungen eigentlich schon.“ Für einige Dinge werde es schwierig, Diess nannte Zement und Baustoffe, einige seien hingegen sehr einfach. Heizungen seien mit Wärmepumpe „ein Business-Case“, das Auto werde im Betrieb billiger.

Herbert Diess: „Fehlt uns an vielen Stellen am Willen zur Umsetzung“

Doch auch Herbert Diess gestand ein, dass man irgendwann CO2 aus der Luft holen und in der Erde verpressen müsse. In seinem Rechenbeispiel würde das 100 Euro pro Tonne und rund einen Euro pro Kopf und Tag kosten – Transformationsforscherin Maja Göpel schüttelte bei seinen Ausführungen den Kopf.

„Die Technik ist im Prinzip schon da, es fehlt uns an vielen Stellen am Willen zur Umsetzung“, sagte Diess. „Die Industrie ist auch vorbereitet.“ Und da, wo sie es nicht sei, gebe es Start-ups, die an das lukrative Geschäft mit dem CO2 heranwollten.

Die Ausführungen des Managers blieben nicht unwidersprochen, als Gegenpol argumentierte Maja Göpel. Sie mahnte mit Nachdruck „Ressourcen-Effizienz“ an. Nach Ansicht der Forscherin müssten wir uns zurücknehmen „mit dem, was wir der Erde entreißen“.

Boris Palmer spricht vom „größten Skandal der Regierung Merkel“

Bereits zuvor, beim großen Themenblock China, ging Göpel zu Diess’ Technik-Glauben in die Opposition. Ihrer Meinung nach sei es wichtig, Abhängigkeiten vom Reich der Mitte zu reduzieren, statt ein „Wettrennen um die verbleibenden Ressourcen“ zu veranstalten. „Wir haben momentan 1.7 Erden in Benutzung, um das aktuelle Wirtschaftsmodell zu füttern“, berichtete die Politökonomin. Ihr simples wie unwiderlegbares Fazit: „Es sind aber nicht 1.7 Erden da.“

Göpel forderte, man müsse aufhören, „dieses Budget, das wir geschenkt bekommen haben, konsequent so weit zu erodieren, bis es einfach nicht mehr funktioniert“. Neben der Einhaltung des 1.5-Grad-Ziels forderte sie eine ehrliche Bepreisung des Umweltverbrauchs von Produktionsprozessen.

Um ein versöhnliches Ende der Diskussion bemühte sich Boris Palmer: „Ich glaube, wir brauchen eine Kombination aus Diess und Göpel“, erklärte der Tübinger Oberbürgermeister, der sich zuvor als pragmatischer Macher inszenierte. Doch der rebellische Grüne – aktuell ruht seine Mitgliedschaft in der Partei – berichtete nicht nur von den Pilotprojekten in seiner schwäbischen Universitätsstadt. Er hatte auch noch einen Seitenhieb gegen die alte Regierung parat: Den Ausverkauf der „Zukunftsindustrien“ Fotovoltaik und Windenergie an China bezeichnete der Politiker als „größten Skandal der Regierung Merkel“. Seine rhetorische Frage hierzu: „Wie dumm kann man sein als Volkswirtschaft?“ (tsch)

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