Abo

Druck aus den USADeutscher Bosnien-Beauftragter Christian Schmidt kündigt Rücktritt an

Außenminister Wadephul in Bosnien-Herzegowina

Copyright: Michael Kappeler/dpa

Der Bosnien-Beauftragte der internationalen Gemeinschaft, der Deutsche Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. (Archivbild)

Deutscher Top-Diplomat schmeißt wegen Trump hin?

Christian Schmidt, der internationale Bosnien-Beauftragte, hat seinen Abschied verkündet. Offiziell ist es ein persönlicher Schritt, doch Gerüchte über massiven Druck aus den USA machen die Runde.

Der deutsche CSU-Politiker Christian Schmidt gibt sein Amt als Bosnien-Beauftragter der Weltgemeinschaft auf. Sein Büro in Sarajevo verkündete: «Nach fünf Jahren in der Funktion des Hohen Repräsentanten (...) hat Christian Schmidt die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden». Die „FAZ am Sonntag“ hatte bereits vorab über die Pläne des Politikers berichtet.

In der Erklärung hieß es zudem, er werde die Position des Hohen Repräsentanten weiter bekleiden, bis die Nachfolge geklärt ist. Die Mitteilung lieferte keine weiteren Details zu den Gründen für die «persönlichen Entscheidung», die zu der Ankündigung seines Abschieds führte.

Ein Posten mit gewaltiger Macht

Seit dem Ende des blutigen Konflikts (1992 bis 1995) mit über 100.000 Todesopfern ist Bosnien-Herzegowina ein geteiltes Land. Es setzt sich aus zwei Entitäten zusammen: der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH), in der vorwiegend Bosniaken und Kroaten leben, sowie der Republika Srpska (RS), die mehrheitlich von Serben bewohnt wird. Den beiden Landesteilen wird eine umfassende Autonomie gewährt. Mit dem Friedensvertrag von Dayton wurde 1995 auch die Position des Hohen Repräsentanten (OHR) geschaffen. Diese Person soll die Einhaltung des Friedens sicherstellen und ist mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Schmidt, ein ehemaliger deutscher Agrarminister, hatte die Position seit dem 1. August 2021 inne.

Kam der Druck zum Rücktritt aus den USA?

Das Nachrichtenportal «avaz.ba» aus Bosnien meldet unter Verweis auf diplomatische Kreise, dass Schmidt seinen Entschluss zum Amtsverzicht unter dem Druck Washingtons gefasst habe. Die Administration von US-Präsident Donald Trump fördert immer stärker den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik. Dieser treibt die Loslösung des serbischen Landesteils RS vom Gesamtstaat voran. Schmidt hatte als Bosnien-Beauftragter mit seinen Befugnissen viele Gesetze der RS für nichtig erklärt, die genau diese Sezession vorbereiten sollten.

Ein Gericht in Sarajevo hatte Dodik im Sommer 2025 aufgrund seiner separatistischen Bestrebungen als Präsident der RS des Amtes enthoben. Er gilt jedoch als Chef der Regierungspartei SNSD nach wie vor als die dominante Figur im serbischen Teil des Landes. Die Regierung unter Trump hat zudem die Strafmaßnahmen aufgehoben, die von der vorherigen US-Administration gegen Dodik und seine Angehörigen erlassen worden waren.

Gas-Deals und Drohungen als wahre Motive?

Hinter Washingtons Hinwendung zu dem bosnisch-serbischen Separatistenführer könnten handfeste wirtschaftliche Interessen stecken. Es geht um die Förderung von Pipeline- und Gaskraftwerk-Vorhaben, die von Unternehmern aus dem Umfeld von Trump forciert werden. Darüber berichtete auch die «FAZ am Sonntag». Das bosnische Portal «istraga.ba» meldet nach ungesicherten Informationen sogar, die US-Seite habe Schmidt gedroht, ihn auf die amerikanische Sanktionsliste zu setzen, sollte er sein Amt nicht niederlegen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Angela Merkel und Friedrich Merz bei einem gemeinsamen Auftritt im September 2024 in Berlin.

„Männermordende Merkel“

Ex-Kanzlerin weist Vorwürfe als „absurd“ zurück