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Nach Scherz des US-PräsidentenTrumps Ex-Vertrauter stinksauer: „Man kann es Verrat nennen“

Donald Trump spricht zur Presse, nachdem er am Mittwoch auf der Joint Base Andrews aus der Air Force One ausgestiegen ist.

Copyright: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Donald Trump spricht zur Presse, nachdem er am Mittwoch (20. Mai) auf der Joint Base Andrews aus der Air Force One ausgestiegen ist. 

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Trump brüstete sich damit, in Israel beliebter zu sein als zu Hause. Für Tucker Carlson war das zu viel – der einst glühende Trump-Unterstützer rechnet offen mit dem Präsidenten ab.

Es war eine Bemerkung, die Trump wohl als Scherz meinte – und die Tucker Carlson für eine weitere persönliche Abrechnung nutzte. Auf dem Weg zur Abschlussfeier der Coast Guard Academy im US-Bundesstaat Connecticut sagte Trump vor Journalisten: „Ich liege derzeit bei 99 Prozent in Israel. Ich könnte für den Posten des Premierministers kandidieren – vielleicht mache ich das, wenn ich hier fertig bin.“ Ein Umfrageergebnis, das er nach eigenen Angaben an jenem Morgen erhalten hatte.

Für den ehemaligen „Fox News“-Moderator Carlson war das der Auslöser für einen der schärfsten Angriffe, die er je gegen Trump geführt hat. „Der Präsident der Vereinigten Staaten, der mit seiner Beliebtheit in einem fremden Land prahlt: ‚Ich liege bei 99 Prozent in Israel‘“, sagte Carlson in seiner Sendung „The Tucker Carlson Show“. „Unerwähnt bleibt dabei, dass er in den Vereinigten Staaten bei 35 Prozent liegt. 35 Prozent Zustimmung von den Amerikanern – also genau den Menschen, denen er versprochen hat, sie zu vertreten, für sie zu kämpfen, in jedem Konflikt auf ihrer Seite zu stehen.“

Heftige Kritik von Tucker Carlson

Carlson legte nach: „Und trotzdem steht er dort und rühmt sich seiner Beliebtheit in einem fremden Land – demselben Land, das uns in den Krieg hineingezogen hat, der zu einem Teil seiner Unbeliebtheit in diesem Land geführt hat. Man könnte es einen kaltblütigen globalistischen Verrat nennen.“

Carlsons Kritik kommt nicht aus dem Nichts. Seit dem Beginn des gemeinsamen US-israelischen Krieges gegen den Iran im Februar 2026 hat der frühere Fox-News-Moderator Trump immer offener angegriffen – und damit einen tiefen Bruch innerhalb der MAGA-Bewegung sichtbar gemacht.

Carlson gehörte einst zu Trumps lautstärksten Unterstützern und half maßgeblich dabei, dessen politische Botschaft bei einem Millionenpublikum zu verankern. Dass er sich nun an die Spitze einer Opposition innerhalb der MAGA-Bewegung stellt, wiegt umso schwerer.

„Das letzte Jahr hat Amerika nicht wieder groß gemacht“

Denn Carlson verkörpert jenen Teil der Trump-Wählerschaft, der dem Präsidenten wegen seiner „America First“-Versprechen folgte: keine Auslandskriege, Fokus auf die Wirtschaft, niedrigere Preise, mehr Arbeitsplätze. Stattdessen, so Carlson, habe Trump eine zutiefst globalistische Präsidentschaft abgeliefert.

„Das letzte Jahr hat Amerika nicht wieder groß gemacht“, sagte er. „Das letzte Jahr hat die amerikanische Macht in einem Tempo geschwächt, das einige von uns für unvorstellbar hielten. Wir hätten uns nicht vorstellen können, noch vor anderthalb Jahren, welchen Schaden diese Regierung – angeführt von diesem Präsidenten, für den wir Wahlkampf gemacht haben und den wir persönlich mochten – diesem Land zufügen kann.“

Trump reagierte scharf auf die Kritik

Der Krieg gegen den Iran hat konkrete wirtschaftliche Folgen: Der Iran hat die Straße von Hormus gesperrt, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt. Die Benzinpreise in den USA nähern sich der Marke von fünf Dollar pro Gallone. Für viele Trump-Wähler ist das eine schmerzhafte Realität – und Carlson nutzt sie als Beweis für das, was er als Verrat an der eigenen Basis bezeichnet.

Mit seiner Kritik steht Carlson nicht allein. Auch andere prominente Stimmen aus dem rechten Spektrum haben sich von der außenpolitischen Linie des Präsidenten distanziert – darunter Marjorie Taylor Greene, Alex Jones, Ex-Fox-Moderatorin Megyn Kelly sowie Podcast-Größen wie Joe Rogan und Theo Von.

Trump selbst reagierte scharf: In einem Truth-Social-Post bezeichnete er seinen einstigen Verbündeten als „wilden Dummkopf“ und spottete, Carlson habe nicht einmal das College abgeschlossen, sei „ein gebrochener Mann“ gewesen, als er bei Fox entlassen wurde, und solle „vielleicht einen guten Psychiater aufsuchen“. (mg)

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