Erst Moskau, danach St. Petersburg – die Menschen in russischen Großstädten kämpfen aktuell mit massiven Störungen. Im Netz zeigen sie unverhohlen ihre Wut.
„Wir leben bald wieder im Mittelalter“Putin mit drastischem Schritt – Russen stinksauer

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Eine Frau läuft mit ihrem Handy durch Moskau: In vielen russischen Großstädten gab es Probleme mit dem Mobilfunk.
Aktualisiert
Wer in Russland aktuell sein Handy nutzen will, könnte eine böse Überraschung erleben. Seit Tagen gibt es Störungen in einigen Großstädten. Erst ist in Moskau das mobile Internet ausgefallen, später in St. Petersburg und anderen Städten. Tausende Nutzer beschwerten sich laut Überwachungsdienst Downdetector. Messenger-Apps, Webseiten, Bankdienstleistungen – nichts ging mehr. Viele konnten auch keine Anrufe mehr tätigen.
Den Grund für die Ausfälle lieferte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag: „Sämtliche Abschaltungen und Kommunikationsbeschränkungen erfolgen in strikter Übereinstimmung mit der geltenden Gesetzgebung“, erklärte er. Die Probleme stünden, so Peskow, im Zusammenhang mit einer „dringenden Notwendigkeit – der Gewährleistung der Sicherheit“.
Alle großen Mobilfunkanbieter melden Störungen
Die Ausfälle hielten die gesamte Woche über an und betrafen laut russischen Medien alle vier großen Mobilfunkanbieter Russlands: MTS, Megafon, Beeline und T2. Propaganda-Websites, die auf der „Whitelist“ der Regierung stehen – wie das öffentliche Dienstleistungsportal Gosuslugi, die sozialen Netzwerke VKontakte und Odnoklassniki oder Yandex-Dienste – sind jedoch weiterhin zugänglich.
Die russischen Großstädter reagierten pragmatisch: Sie kauften sich etwa Stadtpläne aus Papier und besorgten sich Pager, um irgendwie kommunizieren zu können.
Internetausfälle sind in Russland seit Mai 2025 an der Tagesordnung. Laut den Behörden dienen sie der Bekämpfung ukrainischer Drohnen. Putins Krieg ist längst auch bei den Russinnen und Russen angekommen: Arbeitskräfte fehlen, Preise steigen, Waren sind knapp.
„Ich denke, es ist das Vorzeichen für etwas noch Schimmeres“
Gegenüber „Sota.Vision“, einem unabhängigen russischen Nachrichtenportal, zeigten sich vor allem junge Russinnen und Russen verärgert über die Probleme im Mobilfunknetz. Der ehemalige Berater des Innenministers der Ukraine, Anton Gerashchenko, hat einen Clip der Straßenumfrage auf X geteilt.
„Es ist scheiße, richtig scheiße“, sagt ein junger Russe dort, der in Moskau auf das Thema angesprochen wird. „Es ist unklar, warum das gemacht wird, gegen welche Bedrohung das gehen soll. Und es ist auch nicht klar, wie uns das retten soll. Ich denke, es ist das Vorzeichen für etwas noch Schlimmeres, das da kommen wird. Darauf sollten wir uns mental vorbereiten. Ich denke, wir leben bald wieder im Mittelalter.“
Ein anderer Russe, der von einem Reporter auf der Straße auf die Ausfälle angesprochen wird, reagiert ebenfalls genervt. „Werft eure Handys weg, ihr braucht sie nicht mehr“, sagte er und ging weiter. Ein weiterer erklärt, er verstehe das Vorgehen der Regierung: „Das Land befindet sich im Kriegszustand“, sagt er. (mg)

