Ein Darmstädter Traditionsbetrieb steht vor dem Nichts. Weil ein Nachfolger fehlt, ist nach über 400 Jahren Schluss. Das Ende einer Legende.
Schock in GroßstadtNach 435 Jahren – Deutschlands zweitälteste Bäckerei macht dicht

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Eine große Auswahl an verschiedenen Broten und Brötchen wird im Verkaufsraum der Bäckerei angeboten. (Symbolbild)
Eine Ära in Darmstadt neigt sich dem Ende zu. Mitte 2026 macht die Bäckerei Breithaupt für immer zu. Der Betrieb ist als das zweitälteste deutsche Backhaus in Familienbesitz bekannt. Damit geht eine 435 Jahre lange Tradition zu Ende. Chefin Bettina Breithaupt (59) leitet das Geschäft als Vertreterin der 15. Generation. Sie gibt zu, dass sie hinter ihrem Lächeln eigentlich weinen könnte.
Nach 15 Generationen ist einfach Schluss
Der harte Entschluss zum Aufgeben kam, weil es „keine Nachfolgeregelung und keine tragfähige Zukunftsperspektive gibt“. Die Kinder von Frau Breithaupt fühlen sich nicht in der Position, den Laden unter den heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten zu übernehmen. Laut der Chefin begannen die Probleme bereits mit der Corona-Pandemie.
Extrem gestiegene Kosten für Energie und auch für Rohstoffe wie Butter, Mehl und Nüsse haben die Lage dramatisch verschärft. Oben drauf kamen der höhere Mindestlohn, bürokratische Vorschriften und das veränderte Einkaufsverhalten der Leute, die jetzt lieber zu Ketten gehen. Das meldet „bild.de“.
Aus für die „Nachtbäckerei“: „Ein Stück Leben“
In Darmstadt ist der Laden als „Nachtbäckerei“ eine echte Institution und wird geliebt. An Wochentagen bekommen Kunden dort schon ab 2.30 Uhr frische Backwaren, und in der Nacht zu Samstag wird sogar durchgebacken. Doch die Einnahmen, so Breithaupt, reichen nicht mehr aus, um dringend nötige Modernisierungen zu bezahlen. Von den einst 41 Angestellten und sechs Standorten sind nur noch die Zentrale in der Karlstraße, eine weitere Verkaufsstelle und 20 Beschäftigte übrig.
Für die Belegschaft, die teils ewig dabei ist, ist das Ende ein Schock. Martin Wild (58), der Chef der Backstube, fängt seine Schicht meist um 1.45 Uhr an. Er ist am Boden zerstört: „Ich wollte hier bis zur Rente arbeiten. Die Bäckerei ist ein Stück Leben“. Der Geselle Thorsten Pfaff (55) arbeitet schon seit 38 Jahren dort. Für ihn kommt ein Job in einem anderen Backbetrieb nicht in Frage, er denkt über einen kompletten Branchenwechsel nach.
Die Geschichte der Bäcker-Dynastie ist tief verwurzelt. Ein erster schriftlicher Nachweis datiert auf das Jahr 1591 aus dem Schwarzwald. In einem „Zins- und Lagerbuch“ wird dort ein „Beckh von Elsin-Gut“ erwähnt. In den Kirchenregistern taucht die Familie dann ab 1637 auf.
Deutschlandweit gibt es nur ein einziges familiengeführtes Backunternehmen, das noch älter ist: die Bäckerei Adl aus Kemnath in Bayern, gegründet 1573. Bettina Breithaupt will das Geschäft bis zum allerletzten Tag offenhalten, um für einen würdevollen Abschluss zu sorgen. (red)
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