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Lage für Russen immer extremer„Es gibt gar nichts mehr, einfach gar nichts“

Auch in den Supermärkten ist Putins Krieg mittlerweile angekommen (Archivbild).

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Auch in den Supermärkten ist Putins Krieg mittlerweile angekommen (Archivbild).

Sprit wird knapp, Strom fällt aus, Lebensmittel werden teurer: Auf der Krim spürt die Bevölkerung die Krise im Alltag. Es gibt lange Schlangen, leere Regale, steigende Preise – und kaum noch Touristen.

Die Krim war schon immer der traditionelle Rückzugsort für reiche Russen, ein Sommertraum am Meer. Doch die jüngsten ukrainischen Angriffe auf die Infrastruktur sorgen für steigende Preise, Engpässe – und viel Frust auf der russisch besetzten Halbinsel am Schwarzen Meer. Die Bewohner spüren zunehmend die Angriffe, ihr Alltag wird zu einer echten Geduldsprobe.

Zuletzt hat die Ukraine vier Schiffe in der Bucht von Taganrog im Asowschen Meer angegriffen, wie russische Behörden mitteilten. Das Land schafft es, die Krim vom Festland abzuschneiden. Die Folge: Der Sprit wird knapp, der Strom fällt aus, die Kommunikation bricht weg – und vor allem wird ihr Leben spürbar teurer. Und teurer.

„Es gibt gar nichts mehr, nicht einmal zu Wucherpreisen“

Besonders schlimm ist die Lage beim Benzin. Der ehemalige ukrainische Tourismusminister der Krim-Regierung vor der russischen Annexion 2014, Oleksandr Liev, erklärt: „Treibstoff ist zunehmend knapp geworden. Es gibt praktisch keinen mehr.“ Selbst wenn an Tankstellen kurzfristig etwas auftauche, sei es teuer – und inzwischen teils gar nicht mehr zu bekommen: „In den vergangenen Tagen ist nirgendwo mehr Treibstoff aufgetaucht. Es gibt gar nichts mehr, einfach gar nichts – nicht einmal zu Wucherpreisen.“

Die Folge für die Bevölkerung: Wer kein Benzin hat, kommt nicht zur Arbeit, nicht zur Familie, nicht mal zum Supermarkt. Auch Touristen, die mit dem Auto anreisten, hätten laut „RFE/RL“ teils nicht mehr genug Sprit, um die Krim wieder zu verlassen.

Spritmangel, Stromausfälle, massive Preissteigerungen

Zum Spritmangel kommen Blackouts und Störungen bei Mobilfunk und Internet. Bewohner berichten von Tagen mit nur wenigen Stunden Strom. Eine YouTuberin aus dem Ort Chornomorske sagt: „Wir hatten in viereinhalb Tagen nur fünf Stunden Strom.“ Ihr Mann schleppe Wasser „in Eimern“ von einem nahen Hydranten. Die Behörden reagierten laut RFE/RL mit „Notfall-Hilfezentren“, wo Menschen ihre Handys laden oder auch Medikamente kühlen können.

Am deutlichsten trifft die Lage viele Familien im Portemonnaie. „RFE/RL“ berichtet, dass Supermärkte geöffnet bleiben, die Preise aber deutlich angezogen hätten. Ein Beispiel aus einem Video einer Bewohnerin: Laktosefreie Milch habe früher 179 Rubel gekostet (etwa 2,05 Euro), jetzt 307 Rubel (über 3,50 Euro). An der Kasse seien die Preise sogar noch höher als auf den Schildern – überall Hinweise, dass Ware „neu ausgezeichnet“ werde und der Kassenpreis gelte.

Experten führen das vor allem auf Logistikprobleme zurück: Nicht nur Sprit fehlt – manche Fahrer hätten auch Angst, überhaupt auf die Krim zu fahren, weil sie Opfer von Drohnenangriffen werden könnten.

Der wirtschaftliche Schaden für die Region ist immens – ausgerechnet in der Zeit, in der sonst viele ihren Lebensunterhalt mit Tourismus verdienen. Die Strände sind größtenteils leer. Wenn weniger Gäste kommen, fehlen die Einnahmen – gerade für kleine Läden, Cafés, Vermieter von Ferienwohnungen.

Währenddessen verteidigt sich die Ukraine weiter tapfer gegen den Aggressor Russland, greift auch tief im Hinterland an: Zuletzt gab es Drohnenangriffe in Samara an der Wolga, die russische Flugabwehr zeigte sich völlig überfordert. Die Angriffe galten einer Ölraffinerie in der Nähe, mehrere große Brände waren dort zu sehen. Ein Mann kam offiziellen Angaben zufolge ums Leben.  (mg)

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