Eine Bonner Ausstellung bricht Tabus. Sie zeigt die schockierende und faszinierende Geschichte der Prostitution.
Von Antike bis KZ-BordellBrisante Ausstellung zur Geschichte der Sexarbeit in Bonn

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Rori ist nach eigener Aussage glücklich darüber, dass die Ausstellung «Sex Work» in der Bundeskunsthalle ein so differenziertes Bild von Sexarbeit zeichnet.
„Ich bin wirklich sehr glücklich, all diese Geschichten von Sexarbeitenden auf einer so großen nationalen Bühne versammelt zu sehen“ – mit diesen Worten fasst die Sexarbeiterin Rori ihre Emotionen zusammen. Sie spricht über eine Schau in der Bonner Bundeskunsthalle, an der sie beteiligt war. Unter dem Titel „Sex Work“ wird die Historie der Prostitution seit dem Altertum aufgerollt. Ein unglaubliches Detail von damals: Im antiken Athen sollen Frauen im Gewerbe spezielles Schuhwerk genutzt haben, das im Sand eine Nachricht hinterließ: „Folge mir“.

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Eine umfangreiche Ausstellung in der Bundeskunsthalle erzählt die Geschichte der Sexarbeit.
Die Präsentation beleuchtet dabei nicht nur die Historie von Kunst und Kultur, sondern auch brisante gesellschaftliche Fragen. Erotik und Kunst waren oft eng miteinander verwoben. So rechneten im 19. Jahrhundert reiche Gönner der Oper in Paris für ihre finanzielle Unterstützung mit gewissen „Gefälligkeiten“. Laut den Macherinnen der Ausstellung war Prostitution in vielen von Männern geprägten Kulturen für Frauen die einzige Option, um ein eigenes Einkommen zu sichern.
Lagerbordelle im Nazi-KZ
Die Historie der Prostitution ist ein ständiges Auf und Ab zwischen mehr Freiheiten und harten Verboten. Ein extremes Beispiel dafür: das freizügige Berlin der Goldenen Zwanziger, direkt gefolgt von der brutalen NS-Diktatur. Ein besonders finsteres Kapitel wurde 1942 aufgeschlagen, als SS-Anführer Heinrich Himmler, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, in etlichen KZs die Einrichtung von Bordellen befahl. Frauen meldeten sich für diesen Dienst, angelockt durch das Versprechen auf bessere Lebensumstände und eine schnellere Freilassung.
Wie die Kuratorinnen herausfanden, wurde über dieses Verbrechen nach Kriegsende für Jahrzehnte der Mantel des Schweigens gebreitet, auch um die ehemaligen Häftlinge nicht zu diskreditieren. Der Entschluss der Frauen, ihren Körper für das eigene Überleben zu nutzen, führte zu ihrer gesellschaftlichen Ächtung.

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In den 80er Jahren riet der Staat Kalifornien den Bürgern in einer Aufklärungskampagne zu ehelicher Treue.
Ein wesentlicher Abschnitt der Schau befasst sich mit der Zeit nach 1945. Während der 1980er-Jahre bezeichneten konservative Stimmen die Krankheit Aids oft als eine „Strafe Gottes“, die Homosexuelle und Prostituierte gleichermaßen treffe. Gezeigt wird ein Poster aus Kalifornien, das zum Schutz vor der damals tödlichen Seuche zur Treue in der Ehe riet. Doch die Achtziger waren zugleich die Ära, in der sich in Frankfurt/Main und Berlin die ersten unabhängigen Initiativen von Sexarbeiterinnen formierten, um für ihre Belange einzutreten.
Wie Sexarbeiterinnen die Modewelt prägten
Eva Kraus, die Leiterin der Bundeskunsthalle, erklärte, dass die Mitwirkung von Sexarbeiterinnen deren eigene Sichtweise einfließen lassen sollte. Dass Sexarbeiterinnen auch in der Vergangenheit kreativ und gestalterisch gewirkt haben, belege laut Johanna Adam, einer Kuratorin des Hauses, ihr Einfluss auf die Mode.

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Sexarbeitende waren immer wieder auch schöpferisch tätig, etwa indem sie Modetrends beeinflussten.
„Es ist unglaublich, wie viele Sexarbeitende hier Input gegeben haben“, sagte Rori der „Deutschen Presse-Agentur“. „Ich hoffe, dass wir etwas dafür tun können, den derzeitigen Diskurs zu verändern.“ In der öffentlichen Auseinandersetzung, etwa um das deutsche Prostitutionsgesetz, würden die Stimmen der Sexarbeitenden selbst oft überhört. In dem Gewerbe existiere ein riesiges Spektrum, von Opfern bis hin zu Frauen, die vollkommen selbstbestimmt arbeiten. Die Wahrheit liege meist dazwischen. Die Schau zeichne davon ein äußerst differenziertes und fesselndes Bild. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

