Hammer-Fund in Sibirien! Was ein Wolf im Bauch hatte, lässt Forscher staunen.
Sensation im EisUralte Wolfs-Mahlzeit löst Nashorn-Rätsel

Copyright: IMAGO / StockTrek Images
Wollnashorn frisst, Klimawandel besiegelt sein schnelles Ende (Symbolbild).
Ein tiefgefrorener Wolfswelpe aus Sibirien sorgt für eine wissenschaftliche Sensation! In seinem Bauch befand sich ein haariger Fleischbrocken, der Forschenden jetzt völlig neue Erkenntnisse über die letzten Tage des Wollnashorns liefert. Nach Jahrtausenden im Eis lüftet die fantastisch konservierte Tiermumie nun ihre Rätsel.
Schon 2011 wurde der spektakuläre Kadaver eines weiblichen, nur zwei Monate alten Wolfsjungen bei dem sibirischen Dorf Tumat im Nordosten des Landes aufgespürt. Sein Tod wird auf die Zeit vor 14.400 Jahren datiert, als vermutlich eine Schlammlawine seine Behausung verschüttete und das Junge samt Artgenossen begrub. Die extreme Kälte sorgte dafür, dass der Wolf und sogar seine letzte Mahlzeit über die Jahrtausende konserviert wurden. Der Mageninhalt? Ein Brocken Wollnashorn! Dieser gewaltige Pflanzenfresser verschwand vor rund 14.000 Jahren von der Erde. Das berichtet „the Guardian“.
Dr. Camilo Chacón-Duque, damals Forscher am Centre for Palaeogenetics, sah in dem Fund eine riesige Gelegenheit. Sollte es möglich sein, aus dem anverdauten Fleisch die DNA des Rhinozeros zu extrahieren, könnte man den Zustand der Spezies kurz vor ihrem Verschwinden analysieren. Im Fachmagazin Genome Biology and Evolution legt das Team dar, wie es ihnen gelang, das Erbgut des Wollnashorns aus dem zähen Gewebestück zu rekonstruieren. Ein absolutes Novum: Noch nie zuvor konnte das Genom eines Eiszeit-Giganten aus dem Magen eines anderen Tieres entschlüsselt werden. Chacón-Duque betont: „Nach unserem Wissen ist dies das jüngste Wollnashorn, von dem wir das Genom haben“.
Eigentlich rechneten die Experten damit, Spuren eines „genomischen Zerfalls“ zu entdecken. Das bedeutet einen Schwund der genetischen Vielfalt, oft durch Inzucht und Umweltbelastungen, was eine Spezies verwundbarer macht. Aber das Resultat sorgte für pures Erstaunen. „Was wir fanden, war nichts dergleichen“, so die Erklärung von Chacón-Duque.
Das Team verglich die Nashorn-DNA mit dem Erbgut zweier älterer Funde (datiert auf 18.000 und 49.000 Jahre). Die verblüffende Erkenntnis: Die Nashorn-Population war anscheinend noch ziemlich umfangreich und gesund, bevor sie dann plötzlich verschwand. „Was auch immer die Spezies ausrottete, war relativ schnell“, ergänzte Chacón-Duque. Er grenzt die Zeitspanne auf die 300 bis 400 Jahre direkt vor dem finalen Aussterben der Wollnashörner ein. Love Dalén, Professor im Bereich evolutionäre Genomik, hat einen Hauptverdächtigen: Nicht der Mensch und seine Jagd, sondern der Klimawandel sei schuld gewesen. Eine plötzliche Warmzeit, das Bølling-Allerød-Interstadial (zwischen 14.700 und 12.900 Jahren), veränderte die Umwelt radikal und besiegelte wohl das Schicksal der Tiere.
Wie genau der junge Wolf zu seiner Nashorn-Mahlzeit kam, bleibt ein Rätsel. Vielleicht knabberte er an einem Aas, das sein Rudel zuvor zur Strecke gebracht hatte. Eine andere Möglichkeit: Ein älteres Tier würgte ihm den zähen Happen als Futter hervor. An der gleichen Stelle fand man 2015 übrigens noch ein zweites Wolfsjunges, wahrscheinlich die Schwester des ersten. Analysen ergaben, dass beide schon feste Kost fraßen, aber zusätzlich noch bei ihrer Mutter säugten. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
