Ein Gespräch, zwei Fassungen. Moskau biegt sich die Realität zurecht und dichtet einer Reporterin erfundene Zitate an.
Interview-SkandalKreml fälscht einfach Lawrows Aussagen

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Ägyptischer Außenminister Badr Abdelatty im Anzug.
Was für ein Hammer! Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow sprach mit dem französischen Fernsehen, doch nun sind zwei komplett verschiedene Varianten des Gesprächs im Umlauf. Die Fassung, die der Kreml in die Welt setzt, ist eine unverschämte Verfälschung des Originals.
In dem Interview vom 26. März stellte Lawrow unter anderem die Behauptung auf, die russische Armee hätte in der Ukraine nie „ausschließlich zivile“ Ziele attackiert. Eine Äußerung, die in der Sendung zunächst ohne Gegenrede blieb, was für massive Kritik am Sender sorgte. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot machte deutlich: „Lügen zur besten Sendezeit zu wiederholen, macht sie nicht zur Wahrheit.“ Er bedauere, dass es Lawrow „gelungen ist, ruhig seine Propaganda zu verbreiten“. Das berichtet „t-online“.
Moskau stellt Fragen einfach auf den Kopf
Dass es dem Kreml einzig um Propaganda ging, wurde schnell offensichtlich. Lawrow hatte selbst gefordert, das komplette, eine Stunde lange Interview zu publizieren. Der Sender aus Frankreich kam dem nach, und auch das Außenministerium in Russland lud eine Version hoch – allerdings eine verfälschte.
Der absolute Höhepunkt der Dreistigkeit: Die Reporterin Léa Salamé stellte die Frage: „Wir haben Sie kaum dabei gehört, Ihren iranischen Verbündeten zu verteidigen – jedenfalls nicht mit großer Entschlossenheit. Woran liegt das?“ Die russische Übersetzung machte daraus die exakte Umkehrung: „Sie haben Ihren Verbündeten – den Iran – vielfach verteidigt. Warum machen Sie das?“
Aber die Manipulationen hörten da nicht auf. Wo Salamé von „Zehntausenden ukrainischen Zivilisten“ redet, die im Krieg ihr Leben verloren, reduziert die russische Fassung die Zahl schlicht auf „Hunderte“. An einem anderen Punkt wird der Journalistin sogar die Aussage „Ich verstehe Sie“ untergeschoben, um so Einverständnis mit Lawrows Perspektive zu suggerieren. Eine Äußerung, die sie laut dem TV-Sender aus Frankreich niemals gemacht hat.
Das gefälschte Video auf dem YouTube-Kanal von Russlands Außenministerium zählte bis zum 5. April schon mehr als 400.000 Aufrufe. Lawrow persönlich hat sich zu den Verfälschungen bislang nicht zu Wort gemeldet. (red)
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