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Falsche Klima-HoffnungForscher korrigieren Prognose – das beste Szenario wird düsterer

Trockenheit in Niedersachsen

Copyright: Julian Stratenschulte/dpa

Grund zur Entwarnung ist die Veränderung der Methodik aus Sicht von Wissenschaftlern nicht. Die Erderwärmung bleibe eine Gefahr.

Forscher entschärfen Klima-Horror – doch es wird schlimmer.

Klima-Wende? Forscher entschärfen Horror-Szenario – doch die Wahrheit ist noch bitterer

Ist der Klimawandel plötzlich abgesagt? Experten haben ihre düsterste Prognose zur Erderwärmung korrigiert. Doch die Entwarnung ist ein Trugschluss: Die Gefahr bleibt riesig – und eine andere Vorhersage fällt jetzt sogar noch schlimmer aus.

Was steckt hinter der neuen Klima-Prognose?

In einer neuen Publikation haben Forscher des World Climate Research Programme ihre Zukunftsszenarien aktualisiert. Ihr Fazit: Das Level an Treibhausgasemissionen im bisher schlimmsten Szenario sei „unplausibel geworden“. US-Präsident Donald Trump jubelte sofort und sprach von einem Ende des „Klima-Alarmismus“.

Fortschritt bei Erneuerbaren Energien als Grund

Der Hauptautor der Studie, Detlef van Vuuren aus den Niederlanden, begründet die Neubewertung so: Die Preise für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren unerwartet stark gefallen. Deshalb wird der Konsum von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas wohl nicht so extrem ansteigen. Auch das Bundesumweltministerium wertet dies als einen Erfolg der Klimapolitik. Für Geldgeber sei es heute rentabler, in grüne Energien zu investieren, anstatt neue Kohlekraftwerke zu bauen.

Doch das ist kein Grund zum Aufatmen. Van Vuuren warnt, dass eine katastrophale Erderwärmung damit keineswegs vom Tisch ist. Das korrigierte Worst-Case-Szenario rechnet immer noch mit einer globalen Erwärmung von rund 3,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Ära, „ein Wert, bei dem sehr schwerwiegende Klimafolgen zu erwarten sind“.

„Sehr schwerwiegende Klimafolgen“ drohen weiter

Zur Einordnung: Die alte Prognose ging laut Deutschem Wetterdienst von einer Erhitzung von weit über vier Grad bis zum Jahrhundertende aus. Zudem mahnt van Vuuren zur Vorsicht, denn es gibt Unwägbarkeiten: Es sei nicht ausgeschlossen, dass der weltweite Temperaturanstieg die 4-Grad-Marke bis 2100 doch noch knackt. Der Wert, der früher für 2100 vorhergesagt wurde, könnte dann einfach später, um 2150, eintreten.

Auch Niklas Höhne, Klimaforscher vom New Climate Institute, betont, dass die neuen Analysen kein Freibrief sind. „Die Wissenschaft geht heute von sehr viel gravierenderen Auswirkungen für ein bestimmtes Temperaturniveau aus als noch vor zehn Jahren.“ Besonders die Gefahr von Kipppunkten, also Schwellenwerten, ab denen negative Prozesse unumkehrbar werden, werde heute als deutlich größer eingeschätzt.

Überflutungen wegen Starkregen in Baden-Württemberg

Copyright: Silas Stein/dpa

Der Klimawandel macht extreme Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen wahrscheinlicher. Das bleibt auch bei den veränderten Szenarien so.

Laut dem UN-Umweltprogramm ist die Welt immer noch auf Kurs zu einer globalen Erwärmung von circa 2,8 Grad bis 2100 – mit katastrophalen Konsequenzen. Das Umweltministerium verdeutlicht, was das heißt: „Was eine Welt allein mit 1,5-Grad Erwärmung bedeutet, ahnen wir bereits heute: mehr Dürren, Hitzewellen, Waldsterben, Überschwemmungen oder anderen Wetterextreme.“

Haben die Forscher also gelogen?

Nein, widerspricht Höhne entschieden. Die Wissenschaft habe nicht Panik geschürt oder falschgelegen. „Früher war das tatsächlich wahrscheinlich, weil es keine Alternativen zu den fossilen Energien gab.“ Die Forschung habe ihre Prognosen lediglich an die veränderte Wirklichkeit angepasst.

Johannes Emmerling vom European Institute on Economics and the Environment in Mailand teilt diese Ansicht. „Vielmehr hat sich im vergangenen Jahrzehnt dank politischem Momentum, technologischem Fortschritt und ökonomischen Anreizen schon einiges bewegt, um zumindest dieses Worst-Case-Szenario zunehmend unrealistisch erscheinen zu lassen.“

Der Schock: Das beste Szenario wird jetzt düsterer

Doch jetzt kommt der eigentliche Hammer: Während das schlimmste Szenario unwahrscheinlicher wird, sieht die beste mögliche Zukunft nun schlechter aus als zuvor gedacht. Der ernüchternde Grund: Die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen sind in den letzten Jahren einfach weiter gewachsen.

„Selbst die optimistischsten Szenarien erreichen erst gegen Ende dieses Jahrhunderts wieder etwa 1,5 Grad, nach einem deutlichen Überschreiten dieses Ziels um mindestens 0,2 bis 0,3 Grad“, so van Vuuren. Die Konsequenz ist klar: Neben massiven Anstrengungen zur Senkung von Treibhausgasen muss man auch daran arbeiten, CO2 gezielt aus der Atmosphäre zu holen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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