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Fäkalien-Apokalypse in RusslandGanze Stadt versinkt in stinkender Kloake

Zwei Wegweiser mit „ertrinken“ und „verdursten“

Copyright: IMAGO / Steinach

Zwei Wegweiser mit „ertrinken“ und „verdursten“

Fäkalien-Flut in Russland: Eine Stadt versinkt im Dreck.

Was für ein Albtraum in der russischen Metropole Engels! Dort gilt seit dem 29. April der Notstand. Eine übel riechende Brühe aus Exkrementen flutet die Gassen, weil eine Hauptleitung der Kanalisation geplatzt ist. Das Leben von 200.000 Einwohnern hat sich in einen Albtraum verwandelt.

Der faulige Schlamm erreicht mancherorts Kniehöhe, die ersten Behausungen stehen schon unter Wasser. In den örtlichen Nachrichten ist von einer „Fäkalien-Apokalypse“ die Rede. Zwar hat die städtische Administration den Ausnahmezustand verhängt, aber seit 14 Tagen tut sich kaum etwas. Starke Niederschläge sollen laut offiziellen Angaben die Instandsetzungsarbeiten behindert haben. Das berichtet „t-online“.

Anwohner kämpfen sich durch den Dreck

Die Einwohner von Engels müssen sich einen Weg durch den Schmutz bahnen. Wer seine Wohnung verlassen möchte, muss über provisorisch hingelegte Paletten klettern. Ein Bürger hat die schreckliche Situation in einem Clip auf der Social-Media-Plattform X festgehalten: „Das ist einfach der Wahnsinn“, meint er. Er zeigt, wie sein Schuhwerk in der zähen Flüssigkeit verschwindet: „Mein Stiefel sinkt etwa bis zur Hälfte ein.“

Aber das Unglück nimmt kein Ende. Zusätzlich wurde am 8. Mai die Wasserzufuhr für die komplette Stadt gekappt. Anfänglich versprach man, dass das Wasser nach drei Tagen wieder fließen würde. Währenddessen inszenierte Wladimir Putin in Moskau seine große Militärschau, und die Bürger von Engels mussten an Zisternen anstehen, um an frisches Trinkwasser zu gelangen.

Gesundheitsrisiko und Wassermangel

Das Versprechen, dass am 11. Mai das Wasser zurückkehrt, wurde nicht gehalten. Ein Bürger erzählte dem regierungskritischen Fernsehsender Dozhd, dass es jetzt heißt, Wasser gäbe es frühestens wieder am 15. Mai. Die Supermarktregale sind leergefegt, Wasserflaschen gibt es keine mehr. „Man könnte sagen: Diese Großmacht ist nicht einmal in der Lage, ihre Kanalisation in Ordnung zu bringen“, kommentiert ein Einwohner zynisch.

Der Zorn der Bevölkerung ist gewaltig, insbesondere da die Unterstützung seitens der Ämter ausbleibt. „Wasserlieferungen erfolgen nur im Zentrum“, beschwert sich eine Anwohnerin. „Wasser muss man auf eigene Rechnung kaufen. Aber es gibt kein Wasser.“ Die russische Konsumentenschutz-Agentur Rospotrebnadsor gibt eine dringende Warnung vor der Verbreitung von Magen-Darm-Infekten und Hepatitis A heraus.

Die Agentur forderte die Bürger auf, Wasser ausschließlich abgekocht zu verwenden – sogar für die Körperpflege. Früchte und Gemüse müssen mit siedendem Wasser übergossen werden. Um Krankheitserreger im Wassernetz zu eliminieren, wird es jetzt mit einer sehr hohen Konzentration an Chlor durchgespült. Dies kann einen intensiven Geruch und Geschmack zur Folge haben, wenn die Versorgung wiederhergestellt ist.

Ist Korruption der Grund für das Desaster?

Dieses Desaster hätte man wahrscheinlich vermeiden können. Schon im Jahr 2018 gab es Pläne zur Sanierung des veralteten Wassersystems, wofür 336 Millionen Rubel (etwa 3,9 Millionen Euro) budgetiert waren. Aber die Maßnahmen, die auch den nun defekten Hauptsammler betroffen hätten, wurden niemals umgesetzt.

Stattdessen schloss man immer mehr Bauten an das bereits überforderte Netz an. Wladimir Popeko, der seinerzeitige Leiter des Wasserwerks, muss sich deshalb gerade vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Amtsmissbrauch. Ihm wird vorgeworfen, die Modernisierung verhindert zu haben und stattdessen Bauunternehmen den Anschluss von neuen Wohnkomplexen oder einer Klinik zu Billigpreisen gewährt zu haben. Auf diese Weise kollabierte das Netz schrittweise, bis die Stadt in Exkrementen unterging. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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