Der deutsche Wald, wie wir ihn kennen, stirbt.
Düstere Prognose für den deutschen WaldSo sieht die Zukunft unserer Wälder aus

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Wo Kiefern auf Birken treffen: Diese Allee verläuft im Wald bei Jacobsdorf in Brandenburg. (Archivfoto)
Ein Forst ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Gehölzen. Er dient als Kohlenstoffsenke, Wasserreservoir und Refugium für Tiere. Aber seine Existenz ist bedroht: Die Erderwärmung, Dürreperioden und Parasitenbefall belasten das Ökosystem schwer. Anlässlich des Internationalen Tags des Waldes am 21. März zeichnen Experten ein düsteres Zukunftsbild, wie die dpa meldet.
Zunächst die positive Meldung: In einem halben Jahrhundert werden wir voraussichtlich noch Wälder haben. Diese werden sich jedoch stark verändert präsentieren: artenreicher, weniger dicht und in der Instandhaltung wesentlich aufwendiger.
Wie die Rettung gelingen kann: Der große Wald-Umbau
Damit der Forst eine Zukunft hat, ist ein gemeinsames Handeln von Forstbetrieben, Politik und der Bevölkerung nötig. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) kann die Zukunftsfähigkeit des Waldes nur durch gezielte Maßnahmen sichergestellt werden.
Silvio Schüler, der das Institut für Waldwachstum, Waldbau und Genetik am österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) leitet, erkennt schon erste Erfolge. Als Beweis führt er die enorme Nachfrage nach Eichen an. Die Setzlinge seien in den Baumschulen heiß begehrt. Man setzt auf die Eiche, weil sie im Vergleich zur Fichte deutlich besser mit Dürre und Hitze zurechtkommt.

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Durch den Klimawandel kommen selbst Buchen an ihre Grenzen. (Archivfoto)
Forstbetriebe favorisieren vielfältige Mischkulturen. Die Fachleute der LWF empfehlen, pro Areal mindestens vier unterschiedliche Baumsorten zu pflanzen. Dazu zählen neben der Eiche auch weniger verbreitete lokale Gewächse wie Elsbeere, Speierling, Feldahorn und Vogelkirsche.
Diese Bäume sollen unsere Wälder zukunftsfest machen
In den heißeren Gebieten Deutschlands, so die LWF, werden sogar Bäume aus dem Mittelmeerraum wie Zerreiche oder Edelkastanie in Betracht gezogen. Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist die Douglasie, da sie laut Schüler „besser mit Trockenheit umgehen kann“ als die Fichte. Der Institutsdirektor erwähnt zudem weitere Möglichkeiten, darunter südlichere Gewächse wie die ungarische Eiche oder Tannenarten aus Kalabrien.
Diese Transformation erfordert jedoch Ausdauer. Es handelt sich um ein Generationenprojekt, das Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Jahrhundert dauern könnte. Sichtbare erste Resultate werden womöglich erst nach 20 bis 30 Jahren eintreten. Zudem prognostiziert Schüler, dass die Kosten steigen werden.
Eine zusätzliche gewaltige Hürde, die Schüler als eines der „dicksten Bretter“ bezeichnet, ist die Kooperation zwischen Forstwirtschaft und Jägern. Der Grund: Wildtiere wie Rehe und Hirsche haben eine Vorliebe für junge Setzlinge, etwa von Eichen, die für einen klimaresistenten Forst entscheidend sind. Die LWF betont, dass ein regulierter Wildbestand eine Grundbedingung für einen gelungenen Umbau ist.

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Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt es einen Mischwald aus Fichten und alten Buchen. (Archivfoto)
Die bittere Wahrheit: Unser Wald wird zur CO₂-Quelle
Was aber geschieht, sollte die Transformation misslingen? Untersuchungen belegen, dass etwa ein Drittel sämtlicher Baumarten in Europa bedroht ist. Bei der LWF geht man davon aus, dass die Erderwärmung die evolutionäre Anpassungsgeschwindigkeit der Bäume übersteigen könnte.
Anhaltende Hitze und Trockenheit treiben lokale Baumarten wie Fichte, Kiefer oder Buche an ihre Belastungsgrenze. Sogar die Buche, die lange als Zukunftsbaum galt, könnte laut Schüler an besonders ungünstigen Orten zukünftig nur eine Höhe von 20 Metern erreichen – anstelle der bisherigen doppelten Höhe – und dabei „regelmäßig Teile ihrer Krone verlieren“.
Dazu wächst die Bedrohung durch Parasiten. Der Buchdrucker, ein Borkenkäfer, der vor allem Fichten angreift, reproduziert sich bei hohen Temperaturen explosionsartig und kann ganze Landstriche kahl fressen.
Die größte Herausforderung dabei: Ein weniger dichter, aber robusterer Forst mit einer geringeren Baumdichte bindet auch weniger CO₂. Und hier kommt die schockierende Erkenntnis: Neueste Daten der Bundeswaldinventur zeigen, dass die deutschen Wälder aufgrund der massiven Schäden inzwischen mehr Kohlenstoff freisetzen, als sie binden. Statt dem Klima zu helfen, wird der Wald zur Belastung.

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In einem Mischwald kommen mehrere Baumarten gemeinsam vor. (Archivfoto)
Ein neues Waldbild: Daran müssen wir uns gewöhnen
Die Wälder von morgen werden ein völlig anderes Gesicht haben. Sie werden weniger dicht und von größerer Artenvielfalt geprägt sein. Die LWF prognostiziert, dass die Priorität zukünftig auf der Widerstandsfähigkeit und dem Erhalt der ökologischen Funktionen liegen wird, nicht mehr auf der reinen Holzproduktion.
Die Menschen in Deutschland müssen sich von der vertrauten Ansicht dunkler Nadelwälder trennen. Für viele, die Schüler als „Gewohnheitstiere“ bezeichnet, wird das eine große Umstellung sein. Der Institutsleiter macht unmissverständlich klar: „Der Wald wird auch in Zukunft existieren, aber er wird anders aussehen, anders riechen und seine heutigen Funktionen möglicherweise nicht mehr im selben Ausmaß wahrnehmen können.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

