Fleisch-Check Ergebnisse zu Frische-Theken machen sprachlos, ein Supermarkt bildet die Ausnahme

In einer Auslage einer Frischtheke sind viele Stücke Fleisch und Wurst zu sehen. Eine Hand mit einem Messer kommt von oben ins Bild, um ein Stück aufzuspießen.

Verschiedene Sorten Schweinefleisch (vorne) und Rindfleisch liegen in unserem Symbolbild in einer Fleischtheke in einem Supermarkt. Viele Kunden gehen davon aus, dass das Fleisch, welches sie dort kaufen, eine besonders hohe Haltungsstufe haben und damit tierwohlgerechter sind. Doch RBB fand heraus: Das ist ein Trugschluss.

Wer an der Frischetheke eines Supermarktes Fleisch oder Wurst kauft, geht davon aus, dass er hier das Beste vom Besten bekommen. Doch das Verbrauchermagazin „Super.Markt“ vom Berliner Sender RBB liefert ganz andere Ergebnisse. 

Berlin. „Darf's noch eine Scheibe mehr sein?“ Kunden, die ihre Salami, Mortadella, Leberwurst oder das Grillfleisch für das Wochenende an der Fleischtheke eines Supermarkts kaufen, wollen in der Regel nicht nur frische Ware, sondern auch gute Qualität – und sparen nebenbei auch noch Plastik. Man will sich ja mal was gönnen. Doch ist das Fleisch und die Wurst der Frischetheke wirklich besser als etwa Abgepacktes? 

Das Verbrauchermagazin „Super.Markt“ (RBB) hat die Ware genauer unter die Lupe genommen, zusammen mit Greenpeace. Das Ergebnis macht sprachlos: Über zwei Drittel der untersuchten Fleischware stammt laut Umfrage aus der schlechtesten, also der Haltungsstufe 1. Der überwiegende Rest aus der Haltungsstufe 2. 

Das Berliner Magazin nimmt eine Stichprobe aus verschiedenen Supermärkten, die Ware stammt von allen Käufen direkt von der Frischetheke. Zusammen mit einem Berliner Fleischermeister vergleicht man zunächst die Frische der Ware – im Vergleich zur abgepackten Version. 

„Super.Markt“ mit Test in Berlin: Rewe-Fleisch aus der Haltungsform 1

Zunächst kommen Schweinefilets von Rewe dran: Der Experte erkennt sofort, dass die Bedientheke klar im Vorteil ist. „Das ist ein sehr frisches Fleischstück und auch der Zuschnitt ist besser als bei der Verpackung. Dort sind noch Fettreste zu sehen.“ Optisch ist das Frischtheken-Fleisch im Vorteil, wie aber sieht es um die Qualität aus? Beide Filets sind gleich teuer, kosten 7,70 Euro pro Kilo. Auf Nachfrage habe man dann erfahren: Es handle sich in beiden Fällen um das gleiche Teilstück und um die Haltungsstufe 1, also Stallhaltung ohne Außenluft. Die schlechte Haltungsform überhaupt. 

Bei der Lyoner Wurst von Rewe sieht das ähnlich aus: Beide Varianten kosten 12,90 Euro und stammen aus der Haltungsform 2 (StallhaltungPlus). 

Supermarkt-Fleisch aus Frischtheke sehr häufig Haltungsform 1 oder 2

Greenpeace hat in den letzten Jahren mehrfach überprüft, wie es bei allen großen Supermärkten um das Thema Tierwohl steht. Das Ergebnis erklärt Stephanie Töwe-Rimkeit von Greenpeace: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sehr häufig Fleisch der Haltungsform 1 oder der Haltungsform 2 an der Theke angeboten wird.“

Greenpeace hat zudem für eine Untersuchung das Fleisch aus Theke und Selbstbedienung zusammengefasst und kommt zu dem Ergebnis, dass im gesamten Frischfleisch-Sortiment der Supermarkt-Eigenmarken nach Haltungsform 1 bis 4 die Haltungsform 1 den größten Anteil ausmacht: 69,1 Prozent. Knapp ein Viertel (23,4 Prozent) ist Haltungsform 2. Die besseren Haltungsformen 3 und 4 machen zusammen gerade einmal sieben Prozent aus. Im Schweinefleisch-Sortiment ist der Anteil der schlechtesten Haltungsform 1 besonders auffällig: Über 90 Prozent stammt aus der Stallhaltung.

Edeka: Besseres abgepacktes Hackfleisch als an der Frischtheke

Immerhin: In Zukunft könnte dieses Fleisch an vielen Orten verschwinden. 2021 haben Aldi und Rewe angekündigt, dass sie kein Fleisch mehr aus den tierschutzwidrigen Haltungsformen 1 und 2 verkaufen wollen. „Das ist ein Riesenschritt“, erklärt Töwe-Rimkeit. „Das hat eine Dynamik erzeugt, die man durchaus am Markt schon jetzt sieht.“ Fleisch aus besseren Haltungsstufen kämen vermehrt in die Regale. 

Bei vielen Händlern findet man daher das bessere Fleisch in abgepackter Form. Das zeigt etwa das Beispiel Edeka: Das TV-Team untersucht gemischtes Hackfleisch, einmal von der Theke, einmal abgepackt. Ergebnis: In der Konsistenz punktet zwar das frische Hackfleisch. Doch nur das abgepackte Hackfleisch stammt aus der Haltungsform 3. Zugleich ist es teurer, kostet 11,96 Euro pro Kilo statt 8,49 Euro. Edeka erklärt auf Nachfrage, dass die Haltungsform 3 aus Produktionsgründen noch nicht an der Theke erhältlich sei. 

Kaufland als Ausnahme: Seit 2019 Theken-Fleisch aus Haltungsform 3

Eine Ausnahme bilde Kaufland, dort gebe es in den Stichproben Fleisch aus den besseren Haltungsformen auch an der Theke. „Bereits seit 2019 gibt es Schweine-, Puten- und Hähnchenfleisch an unseren Bedientheken ausschließlich aus der tierwohlgerechten Haltungsform Stufe 3 Außenklima“, erklärt das Unternehmen in einem Statement. 

Große Supermarktketten hatten 2019 die einheitliche Kennzeichnung für Fleisch eingeführt. Stufe 1 „Stallhaltung“ entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen, in Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ gibt es etwas mehr Platz. Mehr Raum sowie Frischluft-Kontakt haben die Tiere bei Stufe 3 „Außenklima“. Bei Stufe 4 „Premium“ haben sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch wird in diese Stufe eingeordnet.

Kennzeichnung nur bei SB-Ware zu sehen

Nicht nur Aldi und Rewe, auch andere Händler kündigten zuletzt eine schrittweise Umstellung des Sortiments hin zu höheren Stufen an, die etwa mehr Platz oder Auslauf vorsehen. Allerdings ist das Logo nur in der Kühltheke zu sehen, an der Frischetheke in Supermärkten in der Regel nicht. Dort muss sich der Kunde auf die Beratung der Fleischfachverkäuferin verlassen. (mg)

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