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Rassismus-Skandal um Ex-PrinzStaatsschutz ermittelt – nächster Verein reagiert

Närrinnen und Narren stehen am Rathaus vor dem symbolischen Rathaussturm.

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Ein früherer Karnevalsprinz aus Siegburg (hier ein Symbolbild) hat durch einen Internet-Beitrag für großes Entsetzen gesorgt.

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Ein früherer Prinz aus dem Siegburger Karneval hat einen rassistischen Post veröffentlicht. Daraufhin wurde er von seiner Gesellschaft ausgeschlossen und vom Karnevalskomitee verbannt.

Der Siegburger Karneval wird von einem heftigen Rassismus-Fall erschüttert. Seit Montag (10. August 2026) stehen die Telefone bei den Verantwortlichen nicht mehr still. Es gab rasch einberufene Sitzungen und es wurden schnell Entscheidungen getroffen.

Ein früherer Karnevalsprinz hatte in den sozialen Netzwerken zu einem Bericht über das Schicksal einer Frau aus Afghanistan, die nach einer Flut schwer verletzt ist, geschrieben: „Was haben wir damit zu tun? Es interessiert doch nicht, was mit diesen Kreaturen passiert. Es ist menschlicher DNA-Müll. Wir haben in unserem Land genug für unsere deutsche Bevölkerung zu tun.“

Ex-Prinz war 1998 Gründungsmitglied der Siegburger Ehrengarde

Gegen 12.30 Uhr wurde Farid Wagner, Präsident und Geschäftsführer der Siegburger Ehrengarde, über den Beitrag seines Mitglieds informiert. „Mir ist speiübel geworden“, sagt er im EXPRESS.de-Gespräch. „Wir sind geschockt, entsetzt und distanzieren uns von dieser menschenverachtenden Aussage natürlich aufs Schärfste.“

Noch am Montagabend wurde eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen. „Das Votum war einstimmig. Wir haben ihn mit sofortiger Wirkung aus der KG ausgeschlossen“, sagt Wagner.

Der Karnevalist war am 20. Juni 1998 einer von 20 stimmberechtigten Personen bei der Gründungsversammlung der Ehrengarde, hatte aktuell aber kein Amt mehr inne. Sein Foto wurde sofort von der Homepage der Gesellschaft entfernt.

„Wir stehen seit fast 30 Jahren für Vielfalt und das Verbindende zwischen den Menschen. Wir haben die Inklusion als Satzungszweck und kümmern uns intensiv um die Förderung von Menschen mit Behinderung. Jetzt werden knapp 200 Mitglieder durch das rechtsextreme Gedankengut eines einzelnen Mitglieds mit in den Strudel gezogen. Daher müssen wir handeln, um Schaden von der Ehrengarde abzuwenden“, sagt Wagner.

Auch das Siegburger Karnevalskomitee, das 16 Vereine repräsentiert, wurde am Montag tätig. „Wir distanzieren uns von den Äußerungen. Das Karnevalskomitee wird ihn von allen Einladungen, die das Komitee betreffen, ausschließen. Ein Besuch selbst als Privatperson ist ebenfalls nicht gewünscht und wird von uns nicht akzeptiert“, sagt Präsident Jörg Sola zu EXPRESS.de.

Der Ex-Prinz habe ab sofort auf allen Karnevalsveranstaltungen der Stadt Hausverbot, sagte er. „Wir werden es auch nicht akzeptieren, sollte er sich für seine Äußerung entschuldigen. Ein Blick auf weitere Beiträge auf seiner Seite zeigt, welche Gesinnung in ihm steckt. Die Aggressivität und Heftigkeit seiner Worte, ist nicht hinnehmbar.“

Präsident Jörg Sola vom Siegburger Karnevalskomitee.

Copyright: Siegburger Karnevalskomitee.

Jörg Sola ist der Präsident des Siegburger Karnevalskomitees.

Dass der Karnevalist auch bereits in der Vergangenheit Kommentare mit eindeutiger Botschaft unter seinem Pseudonym auf Facebook hinterlassen hatte, war auch der Ehrengarde nicht entgangen. „Er ist uns tatsächlich schon länger für rechtsextreme Aussagen bekannt“, sagt der Präsident. „Wir konnten als juristische Laien jedoch nicht bewerten, ob dies noch innerhalb der Zulässigkeit geschehen ist. Der aktuelle Fall hat diese Grenze eindeutig überschritten.“

Aufgrund von Hinweisen und mehreren Anzeigen aus der Bevölkerung hat die Bonner Polizei den Fall an den Staatsschutz übergeben. Die Unterlagen werden der Staatsanwaltschaft Bonn zur strafrechtlichen Prüfung vorgelegt. 

Hornpötter Hunnenhorde distanziert sich von Ex-Geschäftsführer

Auch die I. Hornpötter Hunnenhorde Siegburg-Zange sah sich genötigt, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, da der Karnevalist dort vor vielen Jahren als Geschäftsführer aktiv war. „Wir distanzieren uns absolut und ohne jede Einschränkung von dieser Person und seiner geäußerten Gesinnung“, heißt es. „Unser Verein steht seit jeher für Gemeinschaft, Respekt und Vielfalt.“

Der Siegburger Fall schwappt inzwischen auch in den Kölner Karneval. Sitzungspräsident Volker Weininger stellte entsetzt fest, dass 45 Personen aus seiner Facebook-Freundesliste mit dem Ex-Prinz befreundet sind. „Das ist so widerlich und menschenverachtend“, schrieb Weininger. „Ich hoffe, dass das für ihn schleunigst und harte Konsequenzen hat.“

Star-Redner Volker Weininger und Jörg Runge schalten sich in Fall ein

Der Star-Redner forderte alle auf, die Verbindung zu ihm aufzulösen, weil diese wahrscheinlich aus Unkenntnis bestehe. „Sollte jemand aus diesem Kreis dennoch bewusst an dieser Verbindung festhalten wollen, was ich mir nicht vorstellen kann, dann entfernt mich umgehend als Kontakt, denn dann haben wir nichts gemeinsam.“

Gleiches tat Redner-Kollege Jörg Runge, der den Ex-Prinzen ebenfalls aus seinen Listen entfernte. „Ich bin erschüttert, wütend und traurig zugleich. Wie kommt man zu so einem Gedankengut?“, schrieb „Dä Tuppes vum Land“. „Ich distanziere mich ausdrücklich und uneingeschränkt von jeglicher Form solcher extremistischer Ideologien.“

Der Beschuldigte, der eine Karnevalsseite im Netz betreibt, war auf EXPRESS.de-Nachfrage nicht zu erreichen. Auch Ehrengarde-Präsident Wagner gelingt keine Kontaktaufnahme. „Ich habe ihn seit einem Jahr nicht mehr gesehen. An der uns gemeldeten Adresse wohnt er nicht mehr.“

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