Die beliebte Veedels-Kneipe, das „Schill-Eck“ hat weiterhin geöffnet.
Traditionskneipe in Kölner VeedelNach Schließung – FC-Rudelgucken geht weiter

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Rudelgucken im „Schill-Eck“ – am Samstag war dort einiges los. Neue Betreiber haben die Gastro übernommen.

Das war ein echter Paukenschlag im Veedel: Nachdem das beliebte „Schill-Eck“ auf der Neusser Straße, Ecke Schillstraße, nach fast 50 Jahren im Frühjahr seine Türen für immer geschlossen hatte, ist die Traditionskneipe wieder auferstanden – mit neuen Betreibern, aber dem alten Herz.
Ende März war Schluss für Siggi Brendel (73) und seine Frau Monika (68). Der Mietvertrag wurde nicht verlängert, und das Wirte-Paar, das das „Schill-Eck“ seit Jahrzehnten geprägt hatte, zog sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück (EXPRESS.de berichtete).
„Schill-Eck“ in Köln-Nippes weiterhin geöffnet
Die Verabschiedung war groß – sogar der WDR war dabei. Monika hatte die Kneipe am 7. November 1979 gegründet – mit gerade mal 21 Jahren, damals die jüngste Wirtin Kölns. Später stieß Siggi hinter den Tresen dazu.
Die Stammgäste kannten und liebten die beiden: „Siggi und Monika sind zwei Herzen von Menschen – ehrlich, herzlich, mit so viel Liebe für ihre Gäste, dass man sich schon beim Reinkommen umarmt fühlt“, schwärmte ein Gast bei Google. Und ein anderer: „Ein echtes Stück Köln – bodenständig, herzlich und immer mit guter Stimmung.“
Doch statt Leerstand gibt es jetzt eine Fortsetzung der Geschichte: Ein Vierergespann aus Luisa, Thomas, Lola und Marc hat das Ruder übernommen und schmeißt fortan den Laden auf der Neusser Straße. Das berichtet „koeln0221“.
Die neuen Betreiber sind alles andere als Anfänger – sie sind unter anderem an etablierten kölschen Lokalen wie der Uberschänke und dem Alcazar beteiligt und bringen damit echte Gastronomie-Erfahrung mit.

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Die bisherige „Schill-Eck“-Wirtin Monika – das Foto stammt aus den 1980er-Jahren.
Ihr Versprechen an die Nippeser: „Nicht nur das Logo und der Charme der Eckkneipe sollen bleiben, wir wollen die Tradition des Lokals in Ehren halten und bewahren, dass das zu Hause einiger bleibt“, sagen die vier hoffnungsfroh und voller Tatendrang.
Für die FC-Fans im Veedel gibt es eine besonders gute Nachricht: Die Übertragungen der Spiele laufen weiter! EXPRESS.de-Lesereporter Michael war am Samstag selbst vor Ort. „Ich habe da das Spiel gegen Union Berlin geguckt, die Stimmung war wie immer super.“
Erste Kölner Club der Kneipenraucher
Das „Schill-Eck“ trägt nicht nur gastronomische Geschichte, sondern auch echte Kölner Originalität in sich. Eine besondere Anekdote: Als 2008 das Nichtrauchergesetz in NRW-Gaststätten in Kraft trat, nutzte Wirt Siggi Brendel eine Gesetzeslücke aus.
In geschlossenen Clubs durfte weiter geraucht werden – also gründete er kurzerhand den Verein „Sportsfreunde rauchen". Gäste trugen sich in ein Club-Buch ein, bekamen einen Mitgliedsausweis und zahlten einen Jahresbeitrag von einem Euro. Das „Schill-Eck“ wurde damit der erste Kölner Club der Kneipenraucher.
