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Gesetz sorgt für FrustCannabis-Demo in Köln – „das lassen wir uns nicht gefallen“

Anmelder der Kundgebung: Willie Obst (Vorsitzender Cannabis Solutions Cologne e. V.)

Copyright: Kalle Gerigk

Anmelder der Kundgebung: Willie Obst (Vorsitzender Cannabis Solutions Cologne e. V.)

Auf dem Heumarkt gingen Aktivisten, Politiker und Betroffene gemeinsam auf die Straße – ein Jahr nach der Teillegalisierung zieht die Szene eine ernüchternde Bilanz.

Der Heumarkt war am Samstag (2. März) wieder fest in der Hand der Cannabis-Bewegung.

Zum zwölften Mal fand der Global Marijuana March in Köln statt. Hunderte Teilnehmer versammelten sich, um ein klares Signal zu senden: Die Teillegalisierung von Cannabis, die seit April 2024 gilt, reicht bei Weitem nicht aus.

„Über unsere Köpfe hinweg entschieden“

Willie Obst, Vorsitzender von Cannabis Solutions Cologne e. V. und Anmelder der Kundgebung, machte gleich zu Beginn klar, warum er und seine Mitstreiter auf die Straße gehen: „Diese Demo ist wichtig, weil hier wieder über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden wird. Wir gehen auf die Straße, um deutlich zu machen, dass wir uns das nicht gefallen lassen.“

Tatsächlich sorgt das sogenannte CanG – das Cannabisgesetz – trotz des historischen Endes der vollständigen Kriminalisierung für viel Frust.

Bürokratische Hürden für Anbauvereinigungen, weitreichende Verbote im öffentlichen Raum und das Fehlen eines echten kommerziellen Marktes stehen im Mittelpunkt der Kritik – nicht nur von Konsumenten, sondern auch von Verbänden wie dem Deutschen Hanfverband.

Auch aus der Lokalpolitik kamen klare Worte. Lisa Gerlach (Volt) forderte den nächsten konsequenten Schritt: „Wir müssen den nächsten Schritt gehen und brauchen einen regulierten, kontrollierten Markt. Ein System, das Qualität sichert, das Alterskontrolle durchsetzt und den Schwarzmarkt wirklich zurückdrängt.“

Isabel Gerken (Die Linke) schloss sich an: „Die Legalisierung von Cannabis ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen und aufgeklärten Drogenpolitik. Sie schafft mehr Transparenz und entzieht dem Schwarzmarkt langfristig die Grundlage.“

Dennoch sei die aktuelle Regelung noch nicht ausreichend: „Wir brauchen kontrollierte Abgabestellen, um Qualität zu sichern und Konsumentinnen und Konsumenten besser zu schützen. Nur so kann eine verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Cannabispolitik gelingen.“

Wenn Gesundheit zum Luxus wird

Besonders emotional wurde es beim Redebeitrag von Kalle Gerigk, Vorsitzender des Vereins Obdachlose mit Zukunft. Er stellte klar, dass er selbst kein Konsument sei – aber dennoch brennend für das Thema kämpft: „Ich bin kein Konsument und hoffe, gesund zu bleiben. Aber wer kann schon sagen, ob er nicht eines Tages aus gesundheitlichen Gründen genau auf so eine Behandlung angewiesen ist?“

Von seiner Arbeit auf der Straße kennt Gerigk die harte Realität: „Als Vorsitzender des Vereins Obdachlose mit Zukunft sehe ich, was es bedeutet, wenn Menschen keinen einfachen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.“

Besonders der drohende Wegfall von Cannabisblüten als Kassenleistung macht ihn wütend: „Wenn Cannabisblüten keine Kassenleistung mehr sind, heißt das doch: Wer es braucht, muss es sich leisten können. Und wer das nicht kann, hat Pech gehabt. Das ist nicht gerecht.“

Auch die Einschränkung digitaler Arztangebote trifft nach Gerigks Einschätzung die Schwächsten: „Nicht alle können einfach so persönlich zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Für viele waren digitale Angebote ein echter Zugang zur Versorgung.“

Sein Fazit war unmissverständlich: „Gesundheit darf kein Luxus sein. Diese Verschärfungen gehen in die falsche Richtung, und dagegen stelle ich mich.“

Andreas Rausch, Berater für medizinisches Cannabis

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Andreas Rausch, Berater für medizinisches Cannabis

Dass Cannabis längst nicht nur ein politisches, sondern auch ein zutiefst persönliches Thema ist, machte Andreas Rausch deutlich.

Der Berater für medizinisches Cannabis sprach auf der Kundgebung sowohl aus professioneller als auch aus persönlicher Perspektive: „Menschen, die Hilfe dabei benötigen, Cannabis als Medizin verschrieben zu bekommen, berate ich gerne. Ich spreche dabei nicht nur als Berater, sondern auch aus eigener Erfahrung.“

Zwölf Jahre nach dem ersten Global Marijuana March in der Domstadt ist die Bewegung nicht müde geworden – im Gegenteil. Die Stimmung auf dem Heumarkt zeigte: Der Kampf für eine vollständige, sozial gerechte und medizinisch sinnvolle Cannabispolitik geht weiter.

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