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Stellenstreichungen treffen BürgerSpar-Axt im Kölner Rathaus sorgt für Frust

Das Stadthaus in Deutz am Willy-Brandt-Platz ist das größte Verwaltungsgebäude der Kölner Stadtverwaltung.

Copyright: Alexander Schwaiger

Das Stadthaus in Deutz am Willy-Brandt-Platz ist das größte Verwaltungsgebäude der Kölner Stadtverwaltung.

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Die Spar-Axt im Kölner Rathaus trifft die Bürger und Bürgerinnen der Stadt: Ämter schließen, die Wartezeiten werden immer länger.

In der Kölner Verwaltung werden Stellen radikal gestrichen – und das hat schon jetzt bittere Konsequenzen für alle Bürgerinnen und Bürger. Der Personalrat schlägt Alarm, während erste Ämter die Türen schließen.

Die Verwaltung in Köln schrumpft! Laut dem neuesten Personalbericht der Stadt ist die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr gesunken. Zum Stichtag am 31. Dezember 2025 waren nur noch 21.751 Personen im Kernteam der Stadtverwaltung tätig, was einem Minus von 97 gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Management um Stadtdirektorin Andrea Blome spricht von einer „moderaten Reduzierung“ und sieht die Anpassungsstrategie als wirksam an. Doch das war wohl nur der Auftakt.

Härtere Einschnitte beim Personal

Für das aktuelle Jahr sind weitaus härtere Einschnitte beim Personal geplant. Offene Posten werden grundsätzlich nicht mehr nachbesetzt. Im April wurde angekündigt, dass wegen der angespannten Finanzsituation der Stadt eine einmalige Kürzung der Personalkosten um drei Prozent für den Doppelhaushalt 2027/2028 vorgesehen ist. Dies entspricht einer Sparsumme von etwa 50 Millionen Euro.

Zum Vergleich: 2015 zählte das Stammpersonal 17.303 Köpfe, 2020 wurde mit 21.158 erstmals die 20.000er-Grenze überschritten. Den bisherigen Höhepunkt erreichte die Belegschaft 2024 mit 21.848 Mitarbeitenden.

Kölns OB Torsten Burmester, als Leiter der Stadtverwaltung, hatte sich bereits im April mit einer Videonachricht an die Belegschaft gewandt. Er stufte die finanzielle Lage der Stadt als „dramatisch“ ein. Die Aufstellung des nächsten Budgets werde „eine Herkulesaufgabe“.

Burmester sagte „Enttäuschung und Frust in der Stadtgesellschaft und im Kollegium“ voraus. Er gab aber auch ein Versprechen: „Die Konsequenz darf und wird nicht sein, dass weniger Schultern die gleiche Arbeit stemmen müssen.“ Es sei eine Aufgabenkritik notwendig, bei der die Führungskräfte und auch er selbst gefordert seien. „Prioritäten müssen gesetzt werden, Standards und Prozesse auf den Prüfstand gestellt werden.“

Wut und Chaos in der Verwaltung: „Völlig dem Zufall überlassen“

Derzeit sind aus der Belegschaft jedoch vor allem Frust und Unsicherheit zu hören. Es ist die Rede von einer „planlosen“ und „völlig dem Zufall überlassenen“ Kürzung von Stellen. Betroffen seien jene Dienststellen, bei denen jemand in den Ruhestand wechselt oder eine neue berufliche Herausforderung sucht.

Amtsleiter fühlen sich „entmündigt und übergangen“, da sie kein Mitspracherecht hätten, welche Positionen entbehrlich sind. Die vom Oberbürgermeister angekündigte Aufgabenkritik bleibe aus, eine Priorisierung fehle und die Vorgaben seien widersprüchlich. Sparen sei zwar unumgänglich und die Verwaltung teils aufgebläht, so ist ebenfalls zu hören. Der Abbau von Personal sei aber undurchdacht und könne so nicht ohne erhebliche Qualitätseinbußen in diversen Sektoren vonstattengehen, berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der städtische Gesamtpersonalrat hatte sich schon im April gegen die Vorhaben positioniert. Nun erklärte die Vorsitzende Janine Pollex: „Wir begleiten die Maßnahme außerordentlich kritisch.“ Die Stellenkürzungen würden große Unruhe in die Belegschaft tragen; die Aktionen seien „unstrukturiert, kompliziert und unbefriedigend“. Die Angestellten gerieten in eine sehr fordernde Arbeitssituation, speziell in der Jugend- und Drogenhilfe seien gravierende Folgen absehbar: „Das wird spürbar werden für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.“

Ein erstes bitteres Beispiel ist die Schließung des Drogenkonsumraums am Neumarkt an Samstagen – aufgrund fehlenden Personals. Hier mischte sich vergangene Woche die Politik ein: Im Sozialausschuss forderten die demokratischen Fraktionen gemeinsam mittels Dringlichkeitsantrag, dass die Verwaltung die offenen Stellen im Drogenkonsumraum am Neumarkt „unverzüglich wiederbesetzen“ solle.

Geschlossene Türen und monatelanges Warten für Bürger

Weitere Folgen des Personalabbaus sind für die Menschen in der Stadt bereits spürbar: Die Führerscheinstelle im Kundenzentrum Chorweiler ist seit dem 10. April vorerst geschlossen. Bürgerinnen und Bürger werden an das Kundenzentrum in der Innenstadt verwiesen. Wer dort aber aktuell einen Termin reservieren möchte, etwa für einen Ersatzführerschein, bekommt wie auch für Chorweiler und Kalk nur die Meldung: „Leider wurde kein Termin gefunden.“ In den anderen Kundenzentren lautet der früheste Terminvorschlag der 30. Juli. Auch aus der Kölner Jugendhilfe dringen besorgte Stimmen. Hier könnten ambulante Hilfen teils schon nicht mehr angeboten werden und es bestehe die Gefahr von Gruppenschließungen.

Die Stadtverwaltung erklärte auf Anfrage: „Es geht ausdrücklich nicht darum, dass künftig weniger Beschäftigte die gleiche Arbeitslast stemmen müssen. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine ehrliche Aufgabenkritik: Alle Bereiche prüfen ihre Prioritätensetzungen, Standards und Prozesse.“ Das sei ein Veränderungsprozess, der Zeit in Anspruch nehme und transparent begleitet werde. Das Ziel sei, die langfristige Handlungsfähigkeit der Verwaltung zu gewährleisten und ein Haushaltssicherungskonzept abzuwenden.

Stadtkämmerin Dörte Diemert äußerte kürzlich in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass die jüngsten hohen Tarifabschlüsse die Stadt Köln bei den Personalausgaben in Schwierigkeiten gebracht hätten. Dem widerspricht Janine Pollex energisch: „Tatsächlich beträgt der Anteil der Personalkosten am Gesamthaushalt im Jahr 2026 22,87 Prozent, im Vorjahr waren es noch 23,93. Da gibt es viel belastendere Posten.“ Der Gesamthaushalt der Stadt Köln für 2026 beläuft sich auf etwas über 6,7 Milliarden Euro, wovon die Personalkosten gut 1,5 Milliarden Euro ausmachen. Für das abgelaufene Jahr prognostizierte die Stadt einen Fehlbetrag von ungefähr 582 Millionen Euro. (red)

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