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Nach Crack-Schock am HansaringSuchtkranker entschuldigt sich – das sagen Polizei, Stadt und KVB

Mit seinem dreijährigen Sohn im Kinderwagen habe Marcel Kluth (38) durch eine Drogenwolke an KVB-Aufzügen laufen müssen. Nun äußern sich Polizei, Stadt und KVB.

Der Fall von EXPRESS.de-Leser Marcel Kluth sorgt für Diskussionen. Vor einem Aufzug der Haltestelle Hansaring der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) – dem einzigen barrierefreien Weg zwischen Straße und Station – konsumierte eine Gruppe aus rund zwölf Personen offen Drogen.

Mit seinem dreijährigen Sohn im Kinderwagen habe Marcel Kluth (38) durch eine Crack-Wolke laufen müssen. EXPRESS.de hatte über diese unglaubliche Geschichte berichtet. Doch warum ist die Szene überhaupt dort? Und was sagen Polizei, Stadt und KVB dazu? Dafür hat EXPRESS.de auch mit einem Mann gesprochen, der selbst Teil der Szene ist.

Ron ist seit 20 Jahren suchtkrank und entschuldigt sich

Ron Schulte steht im Eingang eines der Aufzugshäuschen. Der 60-Jährige ist laut eigenen Angaben seit zwei Jahrzehnten heroinabhängig, seit mehreren Jahren obdachlos. Crack raucht er seit etwa einem Jahr – rund zehnmal täglich. 

Als er hört, was Kluth passiert ist, zeigt sich der Kölner betroffen: „Das tut mir wirklich leid, ich entschuldige mich tausendmal“, sagt er. „Es ist besonders rücksichtslos, wenn Kinder da mit reingezogen werden. Da kann ich auch alle verstehen, die sich darüber aufregen.“

Er selbst, sagt Schulte, mache die Pfeife aus, wenn Leute aus dem Aufzug kommen, oder verlasse den Vorraum. „Ich gehe immer aus dem Weg und sage auch allen anderen, dass sie Platz machen sollen.“

Die Aufzugshäuschen seien aus einem einfachen Grund attraktiv für die Szene, erklärt Schulte: „Man ist windgeschützt. Wenn beim Rauchen die Flamme ausgeht, ist der Kick direkt vorbei. Und falls die Polizei käme, könnte man direkt mit dem Aufzug runterfahren.“

Ron Schulte steht in einem Gang der KVB-Haltestelle Hansaring.

Copyright: Lia Gasch

Ron Schulte konsumiert laut eigenen Angaben seit rund einem Jahr Crack. Die wachsende Szene, die ungehemmten Konsum mit sich bringe, mache ihm Sorgen.

Rund 30 Menschen würden regelmäßig den Platz aufsuchen, um dort zu konsumieren. „Seit einem Jahr ist am Hansaring einer, der Crack verkauft, und dann ist die Szene hier explosionsartig gewachsen“, sagt Schulte. „Ganz am Anfang waren hier fünf Leute, die nach der Methadonvergabe (Anm. d. Red.: Ersatzstoff für Heroin) zusammen Bier getrunken haben.“ Der Ton sei mittlerweile rauer und der Konsum ungehemmter.

Polizei bestätigt: Verdrängung vom Neumarkt ist der Grund

Was Schulte aus eigener Erfahrung beschreibt, bestätigt auch die Kölner Polizei auf Anfrage. „In Teilen der Kölner Innenstadt wie zum Beispiel am Neumarkt hat die Polizei ihre Maßnahmen in den vergangenen Monaten intensiviert. Infolgedessen kommt es wiederkehrend zu Verdrängungseffekten“, heißt es von einem Sprecher.

Am Hansaring sei am 3. Juni ein Bürgerhinweis eingegangen. Auch infolgedessen „wird dieses Areal verstärkt – auch in Zivil – bestreift“, heißt es weiter. Gegen Dealer gehe man „konsequent“ vor. Immer wieder verzeichne man Einsatzerfolge.

Schulte fasst die Lage aus seiner Perspektive knapper zusammen: „Überall werden wir vertrieben. Von A nach B.“ Der Kölner bemängelt: „Uns wird kein anderer Platz ermöglicht, an dem wir uns aufhalten könnten.“

Stadt und KVB: Kontrollen laufen – aber Reinigungspersonal stößt an Grenzen

Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dem Gesundheitsamt sei bekannt, dass sich Drogenkonsumierende am Hansaring aufhalten. Der gesamte Bereich werde laut der Stadt im Rahmen der Kooperativen Streife – einem Zusammenschluss von Polizei, KVB und Ordnungsamt der Stadt Köln – täglich kontrolliert. Dazu gehöre auch die Haltestelle Hansaring. Zudem gehe das Ordnungsamt einzelnen Beschwerden selbst nach oder informiere zuständige Stellen.

Seit März 2025 ist eine Kooperationsstreife in der Innenstadt im Einsatz, hier zu sehen bei einer Maßnahme an der Haltestelle Appellhofplatz.

Copyright: Arton Krasniqi

Seit März 2025 ist eine Kooperationsstreife in der Innenstadt im Einsatz, hier zu sehen bei einer Maßnahme an der Haltestelle Appellhofplatz.

Auch die KVB bestätigt die Lage. „Die Probleme sind nicht neu, aber sie sind drängender geworden“, sagt ein Sprecher. „Wir versuchen mit unseren ‚Fahrgastmanager‘-Teams konsequent unser Hausrecht durchzusetzen und den offenen Drogenkonsum an unseren Haltestellen zu unterbinden.“ Diese Teams gebe es pro Bezirk, dort seien sie den ganzen Tag unterwegs und bitten Personen, die an den Haltestellen lagern und konsumieren, die Anlage zu verlassen.

Immer mehr „Problemhaltestellen“

Die Haltestellen würden zwar täglich gereinigt und es gebe einen Dienst, der bei schweren Verschmutzungen auf Abruf stehe, jedoch stehe das Reinigungspersonal teils vor Herausforderungen. „Dazu gehören der Kontakt mit drogenabhängigen Menschen, die sich in den Haltestellen aufhalten und auf Ansprache zum Teil aggressiv reagieren“, so der Sprecher. Das Reinigungspersonal habe an Haltestellen „bereits Drogenverstecke entdeckt, was zu gewalttätigen Reaktionen der Konsumenten geführt hat“.

Marcel Kluth steht im Eingang eines Aufzugshäuschens der KVB-Haltestelle Hansaring.

Copyright: Lia Gasch

Leser Marcel Kluth beschwerte sich nach seinem Erlebnis in einem der Aufzugshäuschen bei der Stadt Köln und der KVB.

Marcel Kluth hat nach seinem Erlebnis eine Beschwerde bei KVB und Stadt eingereicht. Er wünscht sich engmaschigere Kontrollen. Von der Stadt kam bislang keine Antwort. Die KVB schrieb ihm, man bedauere den Vorfall, könne aber aufgrund der „gestiegenen Anzahl an Problemhaltestellen“ nicht permanent an jeder Station präsent sein.

Suchthilfezentrum macht Hoffnung

Ron Schulte mache die wachsende Szene selbst Sorgen. Und er hat eine klare Meinung dazu, was helfen würde: das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben, das voraussichtlich im August 2027 eröffnen soll. Es soll Aufenthalts- und Betreuungsangebote unter einem Dach bündeln und Suchtkranken ermöglichen, unter hygienischen Bedingungen zu konsumieren.

Kluth sieht das ähnlich: „Es muss sich um die Menschen gekümmert werden, die einen Rückzugsraum brauchen. Aber das darf nicht in einem Zugang passieren, auf den Familien angewiesen sind.“

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