Schüsse auf Lokale in Innenstadt und Rodenkirchen: Ermittler sehen Zusammenhang, Spielschulden könnten das Motiv sein.
Kugeln auf Kölner LokaleGing es um Spielschulden? Ermittler haben einen Verdacht
Elf Kugeln schlugen ein. In der Nacht zum 13. Oktober durchlöcherten die Schüsse Fassade und Schaufenster des Modegeschäfts Apropos auf der Mittelstraße.
Ein Einzelfall ist das nicht, im Gegenteil (wir berichteten): Seit Pfingsten ermittelt die Polizei in insgesamt 34 Fällen. Immer wieder trifft es Kölner Geschäfte, Lokale und Wohnhäuser, mal mit Schüssen, mal mit Brandsätzen, mal mit Sprengstoff.
Rodenkirchen: Zwei Täter flüchten auf E-Scootern
Jetzt gibt es eine neue Spur. Das Modegeschäft war nach Informationen aus Ermittlerkreisen offenbar gar nicht das eigentliche Ziel des oder der Täter. Gemeint war demnach vermutlich ein Gastronomiebetrieb, der ebenfalls an dieser Adresse sitzt. Von außen ist das Lokal kaum zu sehen, nur ein weißes Leuchtschild an der Fassade verrät es. Man erreicht es über eine Passage hinter einem eisernen Rolltor. Außerhalb der Öffnungszeiten bleibt dieses Tor geschlossen.
Die Ermittler verknüpfen den Fall Mittelstraße inzwischen mit einer weiteren Schussabgabe. Auch ein konkretes Motiv soll es geben.
Nur vier Tage später, in der Nacht zum 17. Oktober, fielen die nächsten Schüsse. Diesmal traf es ein Restaurant am Maternusplatz in Rodenkirchen. In dessen Glasfront entdeckte die Polizei gleich mehrere Einschusslöcher. Augenzeugen sahen zwei dunkel gekleidete Gestalten, die auf grün-weißen E-Scootern Richtung Rhein flüchteten. Hinter dem Lokal in Rodenkirchen steckt derselbe Betreiber wie hinter dem Restaurant in der Mittelstraße.
Und dieser Betreiber soll aus einer bekannten Kölner Gastronomen-Familie stammen. Weitere Angehörige sollen in der Stadt zusätzliche Bars und Restaurants betreiben, darunter eines am Rudolfplatz. Aus Ermittlerkreisen ist nun zu hören, was hinter den Schüssen stecken könnte: Vermutet werden Spielschulden eines Sohnes der Familie.
Spur zu den Rockern? Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt
Die Theorie: Mit den Schüssen auf die beiden Lokale sollten die Schulden eingetrieben werden. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über eine mögliche Verbindung ins Rocker-Milieu geschrieben. Bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft Köln das auf Anfrage nicht. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer erklärte, die Ermittlungen liefen weiter. Geprüft werde zudem, ob es Verbindungen zu weiteren Fällen gibt und ob Erpressungsversuche dahinterstecken.
Die Ermittler blicken in ganz verschiedene Richtungen, wie bereits berichtet. Die Spuren führen unter anderem in die türkische organisierte Kriminalität, etwa zu den sogenannten Daltons, aber auch in Rocker-Kreise. Zwingend miteinander verbunden sind nach Einschätzung der Ermittler aber nicht alle Taten. Mitunter könnten auch private Streitigkeiten fernab der organisierten Kriminalität dahinterstecken.
Was viele Fälle eint, ist die Masche. Verbrechen werden bestellt wie eine Dienstleistung, genannt wird das „Crime as a Service“. Genau so soll es auch beim Uhrengeschäft an der Breite Straße gelaufen sein. Dort feuerte jemand am frühen Morgen des 21. Oktobers mehrfach mit einer Maschinenpistole auf das Fachgeschäft. Schon im August war der Laden zweimal innerhalb weniger Tage beschossen worden.
Schüsse auf Uhrengeschäft: Zwei Verdächtige sitzen hinter Gittern
Diesmal klickten die Handschellen. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest, einen 42-Jährigen und einen 18-Jährigen. Ihnen wird Sachbeschädigung, Bedrohung und ein Verstoß gegen das Kriegswaffengesetz zur Last gelegt.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte inzwischen den Haftbefehl gegen beide. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bringt es auf den Punkt: „Sie befinden sich in U-Haft.“ Zur Tat sagen die zwei Männer kein Wort. (red)
