Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

Nach Gewalt-Eklat bei KölnProzess gegen zwei Polizisten – heftige Vorwürfe

Der Fall schlug hohe Wellen: Zwei Polizisten sollen einen Mann brutal attackiert haben. Die Szenen wurden gefilmt. Jetzt startet der Prozess.

Ein Tag vor Heiligabend – während die meisten Menschen in weihnachtlicher Stimmung sind, eskaliert in Bergheim die Gewalt. Zwei Polizeibeamte sollen auf einen Mann eingeschlagen und eingetreten haben, auch, als er bereits wehrlos auf dem Boden lag. Ein Nachbar filmte die Szenen und stellte sie ins Internet.

Ab Montag (26. Oktober) müssen sich die beiden Polizisten (28, 40) vor dem Kölner Landgericht verantworten. Ihnen wird (teilweise gefährliche) Körperverletzung im Amt, die Verfolgung Unschuldiger und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Der Prozess sollte erst vor dem Amtsgericht Bergheim stattfinden, wurde jedoch ans Landgericht Köln verwiesen – wegen der besonderen Bedeutung des Falles.

Prozess in Köln wegen Gewalt-Eklat

Die Vorwürfe sind heftig. Am 23. Dezember 2024 wurden die Angeklagten, die Dienst auf einer Polizeiwache in Bergheim schoben, zu einem Einsatz im Wohnpark Zieverich in der Otto-Hahn-Straße gerufen. Der Einsatzort liegt nicht weit von der Wache entfernt.

Dort sollen sie auf einen stark alkoholisierten Mann (40) getroffen sein, der zuvor eine Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau hatte. Die Beamten erteilten dem 40-Jährigen einen Platzverweis. „Dem bin ich aber nicht gefolgt“, gab er später gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“ zu und behauptete, dass die Beamten sofort gewalttätig geworden seien.

Laut Anklage soll der jüngere Angeklagte mit Reizstoffspray in Richung des Gesichts des Mannes gesprüht haben, weil der sich über das Rufen der Polizei aufgeregt habe. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Zu dem Zeitpunkt sei von dem Geschädigten kein Angriff ausgegangen oder zu erwarten gewesen.

Derselbe Polizist soll dann seinen sogenannten Einsatzmehrzweckstock gezückt und den 40-Jährigen damit geschlagen haben. Anschließend soll er ihm noch mehrere Fußtritte verpasst haben, so dass der Mann nach hinten taumelte und auf den Boden stürzte.

Anklage: Reizgasdose explodierte wegen Schlägen

Beide Angeklagte sollen den Geschädigten dann wieder auf die Beine gezogen haben. Hierbei soll erneut der jüngere Angeklagte mehrfach mit dem Stock auf den 40-Jährigen eingeschlagen haben, woraufhin der wieder zu Boden ging. Der ältere Angeklagte soll dann den Kopf des Mannes nach unten gedrückt und ihm mit der Reizgasdose auf den Kopf geschlagen haben.

Laut Anklage explodierte die Dose, wodurch die Angeklagten selbst als auch der Geschädigte in erheblichem Maße Reizgas ausgesetzt wurden.

Heftig: Um die Gewaltanwendungen zu verdecken, soll der 28-jährige Angeklagte im Einvernehmen mit seinem 40-jährigen Kollegen eine Strafanzeige gegen den Geschädigten wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gefertigt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, dass sie darin wahrheitswidrig ausgeführt hätten, der Mann habe sie attackiert.

Die beiden Beamten gaben in der Anzeige zudem an, dass sie das Reizgas zur Verhinderung einer körperlichen Auseinandersetzung eingesetzt hätten und dass die Dose ohne Fremdeinwirkung explodiert sei. Aufgrund der vermeintlichen Lügen sollen die Polizisten bei der damals zuständigen Ermittlungsrichterin die Anordnung einer Blutprobe und beim Haftrichter die Ingewahrsamnahme des 40-Jährigen erwirkt haben.

Nach Auftauchen des Videos, das den vermeintlichen Prügel-Eklat zeigt, liefen interne Ermittlungen an. In der Folge wurden Disziplinarverfahren gegen die beiden Polizisten eingeleitet und beide vom Dienst freigestellt.

Für den Prozess vor der 18. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll am 28. Oktober fallen. (iri)