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Serie von Schüssen in KölnExperte mit Antworten auf drängende Fragen

Zwei Einsatzkräfte in Schutzanzügen arbeiten am Einsatzort.

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Spurensicherung in der Kölner Innenstadt am Mittwoch (21. Oktober 2026): Auf ein Uhrengeschäft wurde jetzt bereits zum dritten Mal geschossen.

Eine Serie von Schüssen hält Köln und das Umland in Atem. Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter gibt Antworten auf drängende Fragen.

Zum dritten Mal wird auf ein Uhrengeschäft in der Kölner Innenstadt geschossen. Kurz davor werden ein Wohnhaus sowie ein Restaurant  zum Ziel unbekannter Schützen, wenig später trifft es ein Haus in Brühl.

Seit Monaten geht das so, werden Schüsse auf Wohnhäuser, Geschäfte und Gastro in Köln und Umland abgegeben. Seit Monaten herrscht Daueralarm, seit Monaten sind Menschen in Angst. Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter erklärt, warum die Schussserie so schwer aufzuklären ist.

Herr Huth, seit Pfingsten gab es in Köln und Umgebung rund 30 Vorfälle mit Schüssen, Brandsätzen und Explosionen vor Geschäften und Wohnhäusern. Wie ordnen Sie diese Taten ein?

Wer oder was genau hinter einzelnen Fällen steckt, kann ich nicht beurteilen, dazu kann letztlich nur die Staatsanwaltschaft etwas sagen. Was wir aber grundsätzlich beobachten, ist, dass viele Akteure aus dem kriminellen Milieu derzeit mit Erpressungen und vor allem mit dem Einsatz von Schusswaffen zur Durchsetzung jeglicher Ziele von sich reden machen. Das ist ein Phänomen, das man nicht nur in Köln sehen kann, sondern in ganz Europa. Dabei geht es nicht immer um dieselben Täter oder dieselben Motive. Wir sehen unterschiedliche Strukturen, die sich teilweise überschneiden.

In diesem Zusammenhang ist immer wieder von den „Daltons“ oder der „Gen-Z-Mafia“ wieder die Rede. Was steckt dahinter?

Das sind verschiedene Gruppierungen, bestehend meist aus jungen, gewaltbereiten Türken, die mit Waffen, Drogen und Erpressungen ihr Geld verdienen und die ihre Geschäfte immer mehr ins Ausland verlagern. Zum einen hat das damit zu tun, dass viele Mitglieder nach Straftaten aus der Türkei ins Ausland geflohen sind und in Europa fortsetzen, was sie in der Türkei schon getan haben. Zum anderen halte ich die Migrationsbewegung aus der Türkei nach Deutschland in den vergangenen Jahren dafür mitverantwortlich. Viele junge Türken sahen aufgrund der wirtschaftlichen Lage mit der hohen Inflation keine Zukunft mehr in der Türkei. Gleichzeitig ist die Anerkennungsquote für junge türkische Männer im Asylverfahren extrem gering. Viele von ihnen halten sich deshalb ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in Europa auf, bewegen sich im Untergrund – und einige landen dann eben auch in der Kriminalität.

Welche Bedeutung hat das für die Ermittlungen?

Es ist offensichtlich sehr leicht, sich aus der Türkei nach Deutschland schleusen zu lassen. Aus meiner Sicht muss man sich genauer ansehen, wie man mit solchen Fällen umgeht und ob Maßnahmen wie sofortige Inhaftierung und Abschiebung möglich und geboten sind. Aktuell ist es für Menschen, die sich illegal hier aufhalten, viel zu leicht, sich den Behörden zu entziehen.

Was macht es außerdem so schwierig, diese Taten aufzuklären?

Die Täter sind bei der Tatausführung häufig maskiert. Außerdem kommt die Trennung zwischen dem Schützen vor Ort und dem Auftraggeber, der oft im Ausland sitzt, hinzu. Zwischen ihm und dem Ausführenden gibt es nicht unbedingt eine direkte, leicht nachvollziehbare Verbindung – genauso wenig wie zwischen dem Täter und dem Opfer.

Dazu kommt, dass sich digitale Spuren verschleiern lassen, etwa durch VPN-Telefonie oder wechselnde Rufnummern. Selbst wenn ich eine Rufnummer aus Dubai habe, bedeutet das gar nichts – ruft man diese Nummer zurück, muss das nicht derjenige sein, der die Erpressung veranlasst hat. Die Täter sind also ziemlich dreist und sitzen im Ausland, halten sich illegal in verschiedenen Ländern auf, sind heute in Köln, morgen in Barcelona oder Marseille – das macht die Aufklärung schwer.

Wenn im Ausland ermittelt wird, braucht man außerdem Rechtshilfe aus den entsprechenden Ländern. Und gerade die Beziehung zur Türkei ist aufgrund der politischen Lage kompliziert.