4

Riesen-Insekt in KölnPlötzlich taucht es überall auf: „Habe mich sehr erschreckt!“

Ein EXPRESS.de-Leser hat eine Gottesanbeterin am Dienstag (25. August) im Büro am Parkgürtel zu Gast gehabt. „Ich habe mich sehr erschreckt!

Copyright: EXPRESS-Leser

Ein EXPRESS.de-Leser hat eine Gottesanbeterin am Dienstag (25. August) im Büro am Parkgürtel zu Gast gehabt. „Ich habe mich sehr erschreckt!“

Aktualisiert:

Einst war sie hier eine Fremde, nun taucht sie immer öfter auch in Köln auf. Die Gottesanbeterin ist wieder da– und ist in ganz NRW in Scharen zu sehen.

Eben noch ein seltener Anblick aus südlichen Gefilden, taucht sie nun auch auf Balkonen in Rodenkirchen, Ossendorf oder Porz auf. Dieses beeindruckende und zugleich etwas gruselige Krabbeltier, die Gottesanbeterin (Mantis religiosa), vermehrt sich in der Domstadt explosionsartig. Seit Anfang Juli sind allein im Kölner Raum mehr als 120 Beobachtungen dieses Tieres registriert worden, meldet die Plattform „Naturgucker“ vom NABU.

Auch zahlreiche EXPRESS.de-Leserinnen und -Leser schicken Fotos von ihren Beobachtungen. Ein Leser etwa hat das Tier in seinem Büro am Parkgürtel entdeckt. „Ich habe mich sehr erschreckt!“ Leser Nico Bischoff hat ein Exemplar an der Uniklinik gesichtet.

Nicht nur in Köln, in ganz Nordrhein-Westfalen gibt es vermehrt verifizierte Sichtungen. Im Vorjahr zählte man lediglich acht Exemplare, 2026 sind es bereits 242 – rund dreißigmal so viel. Deutschlandweit wurden zuletzt in der Spitze mehr als tausend Beobachtungen pro Tag gemeldet.

Allein seit Anfang Juli waren es über 20.000 Meldungen – doppelt so viel wie im gesamten letzten Jahr. Fachleute prüfen jede einzelne Sichtung sorgfältig, da sich nicht hinter jeder Nachricht tatsächlich das exotische Insekt verbirgt. 

Warum die Exotin jetzt unsere Gärten erobert

Als wesentliche Ursache für diese Ausbreitung machen Fachleute die Klimaerwärmung aus. Die Gottesanbeterin war hierzulande vor einigen Jahrzehnten noch ein seltener Gast, der sich vor allem in der milden Region des Kaiserstuhls im Südwesten aufhielt. Mittlerweile hat das Insekt ein gewaltiges neues Territorium für sich beansprucht, das dem Rhein und seinen Zuflüssen folgt. Köln befindet sich somit im Zentrum dieses neuen Verbreitungsgebiets. Es sei gut möglich, dass bald ganz Deutschland besiedelt ist.

Ein EXPRESS-Leser hat eine Gottesanbeterin an der Uniklinik in Köln gesichtet.

Copyright: EXPRESS.de-Leser Nico Bischoff

EXPRESS-Leser Nico Bischoff hat eine Gottesanbeterin an der Uniklinik in Köln gesichtet.

Die hohen Temperaturen in diesem Jahr haben das Wachstum der Tiere zusätzlich befeuert. Nach Angaben des NABU ist der Nachwuchs seiner normalen Entwicklung um zwei bis drei Wochen voraus. Temperaturen von durchschnittlich 17 Grad oder mehr im Frühling haben das Wachstum von Eiern und Larven beschleunigt. „Es gibt eine hohe geografische Übereinstimmung zwischen Frühjahrswärme und Meldeboom“, so Alexander Wirth, Datenanalyst bei NABU-naturgucker.de.

Zahlreiche erwachsene Exemplare sind aktuell unterwegs, um Nahrung und einen Partner zu finden – so gelangen sie auch in Gärten, an Fassaden oder durch geöffnete Fenster ins Haus. 

Kein Grund zur Panik

Ihre gewaltigen Fangarme und der dreieckige Kopf verleihen der Gottesanbeterin ein sehr fremdartiges Aussehen. Aber es gibt keinen Grund zur Beunruhigung: Für den Menschen stellt sie keinerlei Gefahr dar. Das Tier besitzt kein Gift und kann auch nicht stechen. Ihre Nahrung besteht aus anderen Insekten sowie Spinnen, auf die sie oft stundenlang bewegungslos wartet, bevor sie im Bruchteil einer Sekunde zuschnappt.

EXPRESS.de-Leser Thomas Knieps hat ein Exemplar im Vorzelt an der Mosel entdeckt.

Copyright: EXPRESS.de-Leser Thomas Knieps

EXPRESS.de-Leser Thomas Knieps hat ein Exemplar im Vorzelt an der Mosel entdeckt.

Wer selbst ein Exemplar sichten möchte, hat an sonnigen Orten die besten Chancen, zum Beispiel in Büschen oder am Rand von Sträuchern. Der NABU erklärt, wer eine Gottesanbeterin sieht, sollte sie unbedingt melden. Sie sei ideal für eine Erfassung, weil sie so ruhig und geduldig ist.

Man kann diese spannenden Jäger noch bis zur Mitte des Septembers beobachten, bevor die Tiere verenden. Lediglich die Eier überleben den Winter in besonderen Hüllen, den Ootheken. (mg)

Ihr habt auch eine Gottesanbeterin zu Besuch? Schickt uns Fotos!

Hau raus!

Werde Leserreporter/in

Du hast Fragen zu unserem Leserreporter-Programm?

Hier geht's zu den F.A.Q.
Detlef Langemann, Martina Esser,  Marc Horlitz,  Andreas Weigand,  Andrea Meilchen und Ludwig Sebus sprechen im Gürzenich.
Kölsche Ecke
Karnevals-Ikone spricht zu ernstem Thema