Kein Auto, dafür Bus und Bahn nutzen. Gut für die Umwelt, zumindest in Köln schlecht für die Nerven. Pendler Michael Schröder schildert seine Erfahrung.
Öffi-Wut in KölnPendler Michael (60) gefrustet: „Chance grandios vergeigt“

Copyright: Klaus Michels
Ein Zug der Linie S11 steht im Bahnhof Köln-Deutz (Archivfoto).
Wer in Köln auf die Öffis angewiesen ist, weiß: Der Leidensdruck ist hoch, man braucht Nerven aus Stahl. EXPRESS.de-Leser Michael Schröder (60), der täglich aus Bergisch Gladbach pendelt, musste das jetzt auch erfahren.
„Meine Frau und ich wollten mal wieder dem ÖPNV den Vorzug vor dem Auto geben. Wir fahren schon elektrisch, aber trotzdem“, erzählt der Referent für soziale Einrichtung am Freitag (27. März 2026): „Wir wollten dem öffentlichen Nahverkehr eine Chance geben, die er grandios vergeigt hat.“
Bahn-Frust: Zwei Stunden statt 14 Minuten
Die Verkehrswende sei politisch gewollt, leider wirke sie im Alltag wie ein Selbstversuch mit ungewissem Ausgang, so Schröder: „Wir haben es ausprobiert. Kein Auto, sondern ÖPNV – von Köln-Dellbrück in die Innenstadt und zurück.“
Am Donnerstagmorgen (26. März) habe die Reise von Bergisch Gladbach begonnen: mit dem Auto zum P+R-Parkhaus. „Am Bahnsteig dann die erste Konstante im Bahnverkehr: ‚Verspätung aus vorangegangener Fahrt‘. Um kurz nach sechs Uhr morgens?!“, schildert er fassungslos.
Abends sei es dann lehrreich geworden. Um 17.27 Uhr hätten sie dann die S11 ab Hauptbahnhof Köln in Richtung Bergisch Gladbach nehmen wollen. „Tatsächlich erst neun, dann zwanzig und schließlich rund vierzig Minuten Verspätung. Durchsagen über technische Defekte und Signalstörungen scheinen in Dauerschleife über die Lautsprecher an Gleis 10/11 des Kölner Hauptbahnhofs zu laufen. Ein Zug fällt ganz aus, der nächste soll mit großer Verspätung kommen – und unsere Bahn endet vorzeitig in Köln Mülheim“, so Michael Schröder.
Am Ende hätten knapp zwei Stunden für eine Strecke gestanden, die planmäßig 14 Minuten dauerte. Schröder vergleicht: „Mit dem Auto braucht man 40 bis 45 Minuten, selbst im Feierabendverkehr!“
Worüber ärgert ihr euch in Köln? Meldet euch bei uns!
Hau raus!
Werde Leserreporter/in
Aber die eigentliche Pointe sei gewesen, so der 60-jährige Pendler: „Mit der Linie 3 der KVB wären wir in rund 50 Minuten am Ziel gewesen – inklusive Fußweg von der Arbeit und Wartezeit beim Umsteigen.“
Schröder meint: „Das Problem ist nicht der Einzelfall, sondern die Struktur – eine eingleisige Strecke, jede Störung als Kettenreaktion, keine Verlässlichkeit. Die Verkehrswende verlangt den Umstieg vom Auto auf die Schiene, aber sie liefert nicht die Voraussetzung dafür.“
Wer Menschen überzeugen wolle, müsse mehr bieten als Durchsagen und Geduld. „Er muss dafür sorgen, dass 14 Minuten auch 14 Minuten bleiben. Alles andere ist kein Konzept, es ist eine Zumutung“, so sein Fazit. (iri)

