Job frisst Seele auf? So wehren Sie sich dagegen!
Wenn der Job krank machtSo schützen Sie sich vor emotionaler Belastung im Berufsalltag

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In Berufen, in denen Beschäftigte viel Kontakt mit Menschen haben, ist die emotionale Belastung oft besonders hoch. Zum Beispiel bei der Polizei.
Ein Pfleger bei einem Menschen am Lebensende. Eine Beamtin, die bei einer Kontrolle bespuckt wird. Ein Rettungssanitäter, der einem Kind nicht helfen kann. Bestimmte Jobs gehen tief unter die Haut und belasten die Seele. Wer die Erlebnisse mit ins Private schleppt, riskiert seine Gesundheit. Wie lässt sich das abwenden? Hier sind die Antworten.
Welche Jobs gehen besonders an die Substanz?
«Es sind Berufe, in denen man sehr viel Kontakt mit anderen Menschen hat – aber nicht als Kollegen, sondern als Dienstleistende», erklärt Johannes Wendsche, Diplom-Psychologe von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Das gilt für Stellen in der Pflege, im Rettungswesen oder bei Behörden wie Polizei und Justiz, aber ebenso für Aufgaben im Kundendienst.
Die seelische Anspannung kommt laut Wendsche auf, sobald Mitarbeiter das Leid von anderen miterleben – beispielsweise nach einem Unglück oder im Kontakt mit kranken und hilfsbedürftigen Personen. Extrem fordernd wird es aber auch, wenn Einsatzkräfte wie Polizisten oder Feuerwehrleute Respektlosigkeit erleben – zum Beispiel durch Anspucken. Oder sogar Gewalt durch Tritte und Schläge.
Was steigert den Druck noch weiter?
Belastende Umstände wie zu wenig Personal und Mehrarbeit können den Druck verschärfen. «Die teils enorme Anspannung entsteht, wenn Beschäftigte den Eindruck haben, dass sie angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen die Qualität ihrer Arbeit nicht gewährleisten können», sagt Sabine Gregersen, Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
«Es kann aber auch emotional sehr belastend sein, wenn Beschäftigte im Job ihre Gefühle unterdrücken müssen», so Wendsche. Ein Zugbegleiter muss stets freundlich und ruhig auftreten, obwohl es in ihm brodelt wegen eines Fahrgastes, der ihn wüst beschimpft und beleidigt hat.
Woran merkt man, dass es zu viel ist?
«Typisch sind Grübelschleifen», sagt Wendsche. Die Gedanken kreisen unaufhörlich um Vorfälle bei der Arbeit und kommen nicht zur Ruhe. Ein zusätzliches Warnzeichen können Schlafstörungen sein. Betroffene haben Schwierigkeiten, einzuschlafen oder durchzuschlafen. Andere reagieren permanent genervt oder kapseln sich im privaten Bereich ab.
«Manche vernachlässigen auch Hobbys, haben Stimmungsschwankungen oder fühlten sich innerlich leer», listet Gregersen weitere denkbare Indizien für eine Überforderung im Job auf. Darauf können auch Konzentrationsprobleme oder eine sinkende Leistungsfähigkeit hinweisen. «Solche Warnsignale sollten Betroffene ernst nehmen», sagt Wendsche.
Warum ist die Abgrenzung so entscheidend?
«Natürlich ist es in emotional belasteten Berufen häufig wichtig, Empathie zu zeigen, also mit anderen mitzufühlen», sagt Gregersen. Genauso entscheidend ist es jedoch, eine Grenze zu ziehen – also nicht mitzuleiden. Denn das zieht einen psychisch runter. Die Konsequenzen können zum Beispiel Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder ein Burn-out sein.
Um dem vorzubeugen, müssen Angestellte lernen zu begreifen, wo die eigene Zuständigkeit endet und die des Gegenübers startet. «Die Abgrenzung ist zentral, damit Erholung stattfinden kann», sagt Wendsche. Nur auf diese Weise können Mitarbeiter den nächsten Arbeitstag mit frischer Energie beginnen.
Was hilft beim Grenzen ziehen und Abschalten?
Mitarbeiter in einem seelisch fordernden Beruf sollten nach Dienstschluss konsequent einen Haken an den Job machen. «Manchen hilft es schon, die Dienstkleidung abzulegen und Alltagskleidung anzuziehen», sagt Gregersen. Weitere Möglichkeiten: Nach Feierabend spazieren gehen und die Natur bewusst genießen. Oder Sport machen: Sportliche Betätigung hilft dabei, den Spiegel von Stresshormonen zu senken.
Geistige Methoden können ebenfalls eine Stütze sein. Zum Beispiel, indem man in öffentlichen Verkehrsmitteln belastende Gedanken notiert und sie in einem Tagebuch mit Schloss bildlich „einsperrt“, wie Wendsche es anregt.
Wie viel Gerede nach Feierabend ist gut?
«Gespräche nach der Arbeit über Erlebtes im Job können Betroffene enorm entlasten», so Wendsche. Oft bewirkt das Reden, dass aufgestaute Gefühle sich lösen und die Gedanken sich neu sortieren.
Wichtig seien Gesprächspartner, die aufmerksam zuhören und Mitgefühl signalisieren, ohne zu urteilen. «Ideal ist es, wenn der Austausch einem guttut und Unterstützung bietet», so Wendsche. Wer sich nach solchen Unterhaltungen ausgelaugt fühlt, sollte stattdessen auf andere Methoden zurückgreifen.
Und: Selbst wer zur Verschwiegenheit angehalten ist, kann sich mitteilen. «In aller Regel ist es möglich, ein Erlebnis anonymisiert zu erzählen, also, ohne dass die Gegenseite Rückschlüsse auf eine bestimmte Person ziehen kann», so der Psychologe.
Was können das Team und der Chef tun?
«Wichtig ist eine offene Gesprächskultur», sagt Gregersen. Im Kollegium muss es machbar sein, Druck offen zu thematisieren, ohne sich Sprüche anhören zu müssen wie «Das gehört zum Job dazu» oder «Ach, du bist eine Memme».
«Es ist weder eine Schwäche noch Unprofessionalität, wenn jemand sagt, dass er zu stark belastet mit der Arbeit ist und damit nicht klarkommt, sondern eine normale Reaktion», so Gregersen.
Führungskräfte müssen für deutliche Linien sorgen und beispielsweise Mehrarbeit eindämmen. Ist eine Abteilung unterbesetzt, sollte die Leitungsebene gemeinsam mit der Belegschaft eine Prioritätenliste anfertigen, welche Aufgaben unbedingt erledigt werden müssen. Zudem sollten Vorgesetzte mit jedem Mitarbeiter regelmäßig im Gespräch bleiben – am besten vierteljährlich. So lassen sich Stressauslöser aufspüren sowie Arbeitsabläufe verbessern. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
