„Man schämt sich“Obdachlos in Köln – Diana weiß, wovon sie redet

Diana war selbst obdachlos.

Copyright: Kalle Gerigk

Diana war selbst obdachlos.

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Obdachlosigkeit in Köln – besonders Frauen trifft es hart.

Viele von uns haben bei Obdachlosigkeit sofort ein Bild im Kopf: ein Mann, verwahrlost, ein Lager unter einer Brücke. Doch das Bild ist unvollständig. Denn auch Frauen sind betroffen – nur sehen wir sie oft nicht. Und genau das ist Teil des Problems.

Diana war selbst zweieinhalb Monate obdachlos. Sie sagt: Frauen versuchen, auch in der schlimmsten Situation nach außen „funktionieren“ zu müssen – und fallen deshalb im Stadtbild viel seltener auf.

„Couch zu Couch“: Warum das kein sicherer Ausweg ist

„Frauen pflegen sich mehr und es gibt halt ein bisschen die Kleidung. Man kann sich Kleidung nehmen, man kann duschen. Das wird viel mehr von Frauen wahrgenommen als von Männern. Der Mann gibt dann ganz auf und dem ist dann auch egal, wie er aussieht. Die Frau hat da irgendwie – selbst in den schlimmsten Momenten muss sie noch irgendwie gut aussehen. Die schämen sich“, erzählt sie im Gespräch mit Radio Köln.

Der bitterere Alltag auf der Straße: Wer nicht auffällt, bekommt auch weniger Hilfe. Und wer sich versteckt, ist oft allein unterwegs – in einer Lage, in der jeder falsche Ort, jede falsche Bekanntschaft gefährlich werden kann.

Diana beschreibt außerdem, warum viele Frauen nicht sofort „auf der Straße“ landen – sondern erst bei Freunden oder Bekannten unterkommen. Ein vermeintlicher Rettungsanker, der sich schnell als Sackgasse erweisen kann.

„Man schläft von Couch zu Couch. Im Zwei-Drei-Wochen-Takt passt das dann nicht mehr. Die meisten, die einen aufnehmen, sind ja natürlich Männer, und das will man auch nicht unbedingt. Dann sucht man sich wieder was Neues, und dann erlebt man auch manchmal Übergriffe – dass der Mensch meint, wenn man da wohnt, dass er einen auch anfassen kann.“

Von links nach rechts: Moritz Pfau (Kuratorium Bethe-Stiftung), die ehemalige Obdachlose Diana, Kalle Gerigk (Vorsitzender von Obdachlose mit Zukunft e.V.) sowie die beiden Buchautorinnen Christiane Niesel und Petra Metzger.

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Von links nach rechts: Moritz Pfau (Kuratorium Bethe-Stiftung), die ehemalige Obdachlose Diana, Kalle Gerigk (Vorsitzender von Obdachlose mit Zukunft e.V.) sowie die beiden Buchautorinnen Christiane Niesel und Petra Metzger.

Es ist ein Satz, der hängen bleibt, weil er zeigt: Für obdachlose Frauen geht es nicht nur um Kälte, Hunger und fehlende Hygiene. Es geht um Sicherheit. Um Grenzen. Um die Angst, ausgeliefert zu sein.

Verein in Köln setzt auf „Housing First“

Was also hilft? Diana sagt: Vor allem brauche es mehr Unterkünfte – und damit mehr echte, geschützte Plätze. Genau dafür setzt sich in Köln der Verein „Obdachlose mit Zukunft“ (OMZ) ein.

Vom Verein kommt auch eine klare Forderung: erst Wohnung, dann alles andere. „Die Lösung ist Housing First. Das heißt, Obdachlose brauchen erst mal ein Dach über dem Kopf. Dann kann man sich um alle anderen Probleme kümmern. Aber wenn du kein Dach über dem Kopf hast, hast du andere Sorgen, als dich vielleicht um Ämter oder irgendwelche Anträge zu kümmern. Du guckst, wo kann ich schlafen, wo kann ich sicher schlafen. Aber wenn die Wohnung da ist, kann man mit Hilfe von Sozialarbeitern und so weiter alles in den Griff bekommen. Davon sind wir fest überzeugt“, sagt Vereinsvertreter Kalle Gerigk im Radio-Köln-Gespräch.

Der Gedanke dahinter: Wer ständig damit beschäftigt ist, einen sicheren Schlafplatz zu finden, kann kaum Termine wahrnehmen, Anträge ausfüllen oder Perspektiven planen. Stabilität beginnt mit einer Tür, die man hinter sich schließen kann.

Wie viele obdachlose Menschen gibt es in Köln?

Genaue Zahlen gibt es nicht. Laut Schätzungen geht man aktuell von rund 500 obdachlosen Menschen in Köln aus. Klar ist aber: Jeder einzelne ist einer zu viel – und bei Frauen bleibt ein Teil des Problems oft unsichtbar.

Hoffnung macht nun eine konkrete Hilfe: Die Bethe-Stiftung hat dem Verein „Obdachlose mit Zukunft“ 6000 Euro Fördergeld übergeben. Damit soll Wohnraum geschaffen werden – nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts vor allem für obdachlose Frauen.

Diana sagt dazu gegenüber EXPRESS.de: „Ich weiß, wie es sich anfühlt, vergessen zu werden. Diese Unterstützung zeigt uns: Wir sind nicht allein. Sie gibt Menschen Hoffnung und die Kraft, wieder an eine Zukunft zu glauben.“

Auch der Vereinsvorsitzende Kalle Gerigk zeigt sich tief bewegt: „Diese 6000 Euro sind weit mehr als nur Geld. Sie sind ein Zeichen, dass die Menschen, die auf der Straße leben, nicht vergessen werden. Die Unterstützung gibt uns die Möglichkeit, ganz konkret zu helfen und gleichzeitig unseren Traum von einem selbstverwalteten Wohn- und Arbeitsprojekt weiterzuverfolgen. Dafür sind wir von Herzen dankbar.“

Für OMZ ist das mehr als eine Spende – es ist auch Rückenwind für eine Idee, die in Köln immer wieder diskutiert wird: Obdachlosigkeit nicht nur verwalten, sondern wirklich beenden. Und dabei diejenigen nicht zu übersehen, die am leichtesten durch jedes Raster fallen.

Diana erzählt ihre Geschichte nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern, damit Menschen begreifen, wie schnell man „unsichtbar“ werden kann – und wie wenig es braucht, um jemanden zu verlieren: eine gekündigte Wohnung, ein Bruch in der Familie, ein Jobverlust, Krankheit. Dann der Weg von Sofa zu Sofa. Und irgendwann: gar kein Sofa mehr.

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