Die Drogen- und Obdachlosenszene hat eine neue Dimension erreicht. Crack heißt der Teufel, dessen Konsum auch in Köln deutlich angestiegen ist.
„Teufelsdroge“ in KölnStadt bestätigt: Konflikte und Spannungen verstärken sich

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Ein Junkie setzt sich am Donnerstag (20. August 2026) an einem Hauseingang im Belgischen Viertel einen Schuss.

Die Situation an Kölns Drogen-Brennpunkten eskaliert, die Szene breitet sich immer weiter aus. „Die koten und urinieren hier auch hin, das halbe Viertel stinkt nach Urin. Wir wohnen hier seit 20 Jahren, aber so etwas gab es noch nie“, berichtete Astrid (58) aus dem Belgischen Viertel. Der neu hinzugezogene Dieter R. sagte: „Die ersten Eindrücke waren grausam.“
Auch die Stadt beobachtet die ausufernde Szene. Doch woher diese Menschen kommen, bleibt oft unklar.
Auch in Köln starker Anstieg von Crackkonsum
„Zur Anzahl und Herkunft gibt es keine belastbaren Daten“, erklärt Katja Reuter vom städtischen Presseamt auf EXPRESS.de-Nachfrage. Die Aufenthaltsorte seien die bekannten Hotspots.
„Die offene Drogenszene in der Kölner Innenstadt ist zunehmend präsent, Konflikte und Spannungen mit dem sozialen Umfeld verstärken sich“, bestätigt sie. Diese auch bundesweit zu beobachtende Entwicklung sei unter anderem auf den hohen Anstieg von Crackkonsum zurückzuführen.
Crack macht in sehr kurzer Zeit stark abhängig und ist mit einem hohen Suchtdruck sowie kurzen Konsumintervallen verbunden. „Dies führt bei Konsumierenden oft zu einem (tage-)lang anhaltenden Konsum und alles andere, selbst die eigenen Grundbedürfnisse, wird dabei vernachlässigt. Als Folge davon kann schnell eine starke Verwahrlosung und Verelendung eintreten“, erklärt Katja Reuter.
Leserreporterin Heidrun W. sieht den Niedergang der Innenstadt im Bereich der Ringe, des Friesenplatzes, Rudolfplatzes und der Mittelstraße. „Die Zustände arten aus“, erklärte sie. Ein Leserreporter aus dem Cäcilienveedel gestand, dass er abends nicht mehr das Haus verlassen würde. Dreimal sei dort schon eingebrochen worden.
Einleitung von Bußgeldverfahren wenig erfolgsversprechend
Auf Hilfsangebote mache auch der Kommunale Ordnungsdienst aufmerksam und schreite bei ordnungswidrigem Verhalten im Sinne des Paragrafen 11 der Kölner Stadtordnung (KSO) konsequent ein, so die Stadtsprecherin. Katja Reuter weiter: „Soweit Personen gegen die Vorschriften der KSO verstoßen, kann ihnen zur Verhinderung von erneutem ordnungswidrigem Verhalten ein in der Dauer angemessener Platzverweis erteilt werden.“ Komme „der Störer“ dem ausgesprochenen Platzverweis nicht nach oder suche die Örtlichkeit binnen der ausgesprochenen Frist erneut auf, erfolge in letzter Konsequenz die Ingewahrsamnahme durch den Kommunalen Ordnungsdienst.
„Aufgrund der Mittellosigkeit der obdachlosen und drogensüchtigen Personen ist ein anderes taugliches und nachhaltiges ordnungsrechtliches Einschreiten, zum Beispiel die Einleitung eines Bußgeldverfahrens, wenig erfolgversprechend beziehungsweise durchsetzbar“, so die Sprecherin der Stadt. In diesem Wissen würden die Personengruppen in der Regel nach Ablauf des Platzverweises die Örtlichkeit erneut aufsuchen.

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Ein Obdachloser sitzt am Rewe-Eingang am Friesenwall (Foto vom 20. August 2026).
Die bloße Anwesenheit wohnungsloser oder drogenabhängiger Menschen stelle keine Ordnungswidrigkeit dar, erklärt sie. „Es muss ordnungswidriges oder strafbares Handeln vorangegangen und amtlich festgestellt worden sein. Eine grundlose Aufforderung zum Verlassen einer Örtlichkeit mit dem Ziel, die öffentliche Sichtbarkeit und Wahrnehmung zu verhindern, ist nicht möglich.“
Stadt Köln: Viele Hilfsangebote und Werbung für Nutzung
Die Stadt Köln verfügt über ein weitgehend differenziertes Hilfesystem für Drogenkonsumenten. Die reichen von präventiven, niedrigschwelligen Angeboten bis hin zu Drogenkonsumräumen, Suchtberatung, Substitutionsambulanzen, das Aufsuchende Suchtclearing (ASC) und den Mobilen Medizinischen Dienst.
Das ASC ist eine Kooperation zwischen Gesundheitsamt und den drei Suchthilfeträgern (Sozialdienst Katholischer Männer Köln, Drogenhilfe Köln und Vision). Katja Reuter: „Ein Ziel des ASC ist die Kontaktaufnahme zu konsumierenden Menschen im öffentlichen Raum sowie deren niedrigschwellige Beratung. Darüber hinaus erfolgen zahlreiche Vermittlungen in weiterführende Beratungs- und Ausstiegshilfen.“
Ein wichtiger Baustein hierbei sei die Stärkung der Suchthilfeangebote. „Eine Maßnahme zur Ausweitung und Verbesserung von Hilfsangeboten ist das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben“, so Katja Reuter. Die Errichtung des Suchthilfezentrums stelle einen weiteren wichtigen Baustein im Hilfesystem für Drogenkonsumierende dar. Es werde ein umfangreicheres Suchthilfeangebot als der bisherige Drogenkonsumraum am Neumarkt vorhalten.
Katja Reuter: „Bereits am 22. Mai 2026 wurde ein neuer Drogenkonsumraum in Köln-Kalk eröffnet. Ziel ist es, den Betroffenen einen sicheren Ort zum Konsum sowie zusätzliche Aufenthalts- und Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen.“ Damit sollen die Betroffenen besser erreicht, versorgt und in weiterführende Hilfen vermittelt werden. Gleichzeitig soll, so die Sprecherin der Stadt, auch der öffentliche Raum entlastet werden, da sich ein Teil des Aufenthalts- und Konsumgeschehens in diese Einrichtung verlagern kann.
Aktuell seien rund um den Friesenplatz die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Aufsuchenden Suchclearings vermehrt im Kontakt mit Klientinnen und Klienten und würden für die Nutzung der bestehenden Hilfsangebote, insbesondere der Drogenkonsumräume, werben.
„Die Stadt Köln ist entschlossen, der Entwicklung zunehmender Verwahrlosung wirksam entgegenzutreten“, stellt sie klar. Dazu würden ämter- und behördenübergreifende Kooperationsstrukturen weiterentwickelt und mit einem integrierten Handlungsansatz aufeinander abgestimmt. Heißt: Auf der einen Seite werden die Bemühungen intensiviert, hilfsbedürftige Menschen in bestehende Hilfssysteme zu integrieren, auf der anderen Seite wird ordnungswidriges und störendes Verhalten geahndet.

