Fußball-Weltmeister Pierre Littbarski hat an seinem 66. Geburtstag die Premiere seines eigenen Theaterstücks gefeiert. Toni Schumacher schaute vorbei und zusammen lieferten die FC-Idole einige Anekdoten.
Nackter Wahnsinn im TheaterPierre Littbarski: Weltmeister lässt die Hüllen fallen

Er war schon immer für die Unterhaltungsmomente zuständig. Wenn Pierre Littbarski mit seinen O-Beinen den Ball durch die gegnerischen Reihen trieb, jubelten die Fans. Auch abseits des Fußballfeldes tobte sich der quirlige Dribbler aus.
Er sang bei „The Masked Singer“, erklärte mit Thomas Häßler Begriffe wie in der Sendung „Dingsda“ und versuchte sich beim „Promibacken“. Musik begleitete ihn schon immer, er genoss das Scheinwerferlicht. Am Donnerstagabend (16. April 2026) feierte er eine ganz besondere Premiere auf der Bühne.
„Litti macht Theater“: Fortsetzung und weitere Shows sind in Planung
Am Tag seines 66. Geburtstags hieß es „Litti macht Theater“. 300 Fans waren ins Bürgerhaus Stollwerk gekommen und sorgten für einen ausverkauften Saal. „Ihr seid ganz schön mutig, indem ihr euch Karten kauft, obwohl ihr gar nicht wisst, was ihr sehen werdet“, begrüßte er seine Gäste.
Nach drei Monaten Vorbereitungszeit brachte der Weltmeister von 1990 sein Leben und seine Karriere als Ein-Mann-Programm zur Aufführung. Lediglich der geheimnisvolle Gegenspieler „Maske“ tauchte zwischendurch immer mal wieder im Stück auf. Zum Start sangen die Fans ein Ständchen, doch der Gastgeber begann nachdenklich und traurig.
„Meine Eltern haben mich bei meinen Großeltern abgeliefert, wie ein altes Möbelstück“, erzählte er. Sein Opa habe ihn zum ersten Mal auf einen Fußballplatz in Berlin mitgenommen. Zum sechsten Geburtstag gab es einen Lederball. „Das war der Schlüssel zu meinen Träumen. Wer einen hatte, durfte mitspielen. Anfangs stand ich im Tor, sporadisch durfte ich ins Feld.“

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Baujahr 1960: Pierre Littbarski präsentierte sein Theaterstück am Donnerstagabend (16. April 2026) an seinem 66. Geburtstag.
Mit sieben Jahren ging es in den Verein. „Ich wurde immer besser, immer schneller, immer stärker. Der Ball war der Anker vom kleinen Litti, der viel zu klein und zu schwach war.“ Seine Mutter wurde Alkoholikerin, der Großvater starb. Hertha BSC wollte den Mittelfeldspieler nicht, doch in Köln ging ab 1978 sein Stern auf.
Das Stück entwickelte sich zur Mischung aus Impulsvortrag, Videoclip-Show und buntem Ritt durch die Fußball-Geschichte. Was benötigt man, um Weltmeister zu werden, wollte Littbarski erörtern. „FC-Spieler“, rief Kölns Stadionsprecher Michael Trippel aus dem Publikum. „Immer wenn wir Weltmeister geworden sind, waren Kölner dabei. Ohne Kölner kein Titel.“
Doch der Gastgeber führte Punkte wie Talent, Konsequenz, Schmerzen, Leidenschaft und Gier auf. Oliver Kahn sei solch ein Beispiel gewesen. „Den hätte ich im Sommer lieber bei der WM im deutschen Tor. Ich brauche jemanden, der mir Spiele gewinnt, und keinen, der nett ist. Ich will immer ins Finale.“ Dreimal ist ihm das gelungen.

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Toni Schumacher (r.) war als Überraschungsgast beim Theaterstück dabei und hatte auch einen Geburtstagskuchen mitgebracht.
Er sei immer vom Fußball besessen gewesen, gestand der 66-Jährige. „Mir war es scheißegal, was rund um mich herum passiert ist. Selbst die Geburten meiner Töchter waren nicht wichtig. Ich wollte nur Spiele gewinnen und der Beste sein.“ Bei der Premiere saß seine älteste Tochter Denise im Publikum. „Du musstest allein aufwachsen und kannst stolz auf dich sein. Ich bin auch stolz auf dich“, sagte der Fußballstar bewegt.
Seine jüngere Tochter sei gerade im Krankenhaus, weil es ihr nicht gut gehe. Eine gute Freundin sei zudem vor zwei Tagen ins Koma gefallen. Der Spagat zwischen Entertainer und traurigem Clown war ihm mehrmals anzumerken. „Es ist ein Wandel zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde.“

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Pierre Littbarski schlüpfte auch ins Krankenschwester-Outfit, um eine Hotelepisode aus Sydney zu erzählen.
Zum Geburtstag schaute auch Toni Schumacher (72) samt Käse-Lakritz-Kuchen auf der Bühne vorbei und stimmte „Hey Kölle“ von den Höhnern an. „Er ist der große Bruder, den ich mir immer gewünscht habe“, sagte Litti. „Ohne deine Hilfe wäre ich nichts gewesen. Ich lag auch meist nur mit Torhütern auf einem Zimmer. Die haben einen kleinen Schuss.“
Zusammen plauderten sie über Hotelnächte, als der Torwart seinen Zimmernachbarn in die Badewanne ausgelagert hat, weil der unentwegt mit dem Zauberwürfel gespielt hat. Oder wie er ihn vor dem Ersticken an Erdnüssen gerettet hat. Beim Jonglieren mit Tapeverbänden zog sich Littbarski einen Ermüdungsbruch zu. „Wir sind nicht aalglatt, sondern geradeaus“, lautete ihr Fazit.

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Pierre Littbarski äußerte sich natürlich auch zum 1. FC Köln und zum Umgang von Lukas Kwasniok mit Said El Mala.
Das Publikum lauschte unzähligen Anekdoten, die auch für Nicht-Fußballexperten interessant waren. Als Duisburg-Trainer versuchte Littbarski, sein Team mit lauter Musik von Bruce Springsteen zu motivieren. Beim FC Sydney erwischte er seinen Spieler Dwight Yorke am Abend vor einem Spiel mit drei „Krankenschwestern“ im Hotelzimmer, weshalb er auf der Theaterbühne ins entsprechende Kostüm schlüpfte.
Er schmiss ihn trotzdem nicht aus dem Kader. Der Star sorgte mit für den Titel in der A-League. „Lukas Kwasniok hat in Köln nicht kapiert, was das Wesentliche als Trainer ist, nämlich Punkte zu holen. Wenn ich eine Granate wie El Mala habe, lasse ich den jedes Mal spielen. Ich bin doch nicht so dumm. Jetzt hat er am Ende nichts vorzuweisen“, lautete sein Urteil zum Ex-FC-Coach.

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Gegenspieler „Maske“ ging nicht gerade zimperlich mit Pierre Littbarski um.
Als Trainer beim iranischen Verein Saipa Teheran machte das Kölner Idol Bekanntschaft mit einem Masseur, der bei der Ölmassage auch schon mal ruppig zu Werke ging und in sensible Regionen abrutschte. Dargestellt wurde die Episode vom Weltmeister nackt in der Unterhose. Als seine neue Partnerin Kerstin zum Handy griff, fragte der Hauptdarsteller: „Schatz, warum machst du ein Foto?“
Eine amüsante Episode, als Litti von seiner Ex-Frau Hitomi und Ex-Schwiegermutter aus einem japanischen Tempel gezogen wurde, weil ihm die Beine eingeschlafen waren, beendete ein dreistündiges Programm mit vielen spannenden Erinnerungen und einigen Längen.

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Auch eine Episode aus Japan gehörte natürlich zum Programm. Dort wurde Pierre Littbarski zum Volkshelden.
Ursprünglich war immer die Rede davon, dass Littis Theatererlebnis ein einmaliges Projekt zum Geburtstag sein sollte. Doch nun sind weitere Aufführungen und eine Mini-Tour in Planung. Axel Molinski möchte die Fußball-Revue gerne in die Volksbühne am Rudolfplatz holen. „Am Ablauf des Stücks und der technischen Umsetzung muss man noch etwas feilen“, sagte er zu EXPRESS.de. „Aber das ist nicht nur für FC-Fans ein Pflichtprogramm.“
Das Geburtstagskind war nach seiner Premiere ebenfalls sehr zufrieden. „Den Leuten hat es anscheinend sehr gut gefallen, sie haben viel gelacht. Der Saal war immer noch voll am Ende, das ist ein gutes Kriterium. Mein Gedanke war, dass permanent Action herrscht. Insgesamt war es eine runde Sache.“
