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Interview

„Kann da neidisch gucken“Was Stefan Gwildis an Kölle so liebt

Sänger Stefan Gwildis

Copyright: Christian Barz

Ein Mann, mit sich und der Welt im Reinen: Stefan Gwildis feiert großes Jubiläum. Mit Album, Tour – und seiner ganz großen Liebe.

Aktualisiert:

Sänger Stefan Gwildis hat über seine Jubiläumstour und seine liebevolle Beziehung zum Rheinland gesprochen. Und darüber, warum er „selbstverständlich“ zum dritten Mal heiraten will.

Grenzgänger zwischen Geheimtipp und Super-Star: Stefan Gwildis (67), Hamburger Sänger und Poet, der sich musikalisch in keine Schublade einordnen lässt. Er hatte seinen ersten Bühnenkontakt vor 50 Jahren, eroberte die Herzen der Fans im Alter von 45 Jahren und hat eine ganz besondere, wunderbare Liebesbeziehung zum Rheinland.

Zum Jubiläum erschien jetzt das Doppel-Album „…das war doch grad erst eben!“ (mit dem Annette-Frier-Duett „Sowas Blödes“). Und er geht auf Jubel-Tournee, am 21. Mai ist er im Kölner Gloria. Viele Gründe für ein großes EXPRESS-Interview.

Stefan Gwildis: „Meine erste Gage war 'ne Gulaschsuppe“

50 Jahre Musik. Wenn Sie zurückblicken – was war der wichtigste Moment, der Augenblick, den Sie nie vergessen?

Stefan Gwildis: Da gab es sehr viele – und ein ganz besonderer davon hat hier im Rheinland stattgefunden: Es war ein Auftritt mit Helene Fischer in ihrer TV-Show, gemeinsam mit ihrer Band und dem Hamburger Gebärdenchor „Hands Up“. Wir performten zum Thema Inklusion den Soul-Klassiker Wir haben doch jeden Berg geschafft! Sehr beeindruckend und außergewöhnlich. Und ich habe festgestellt, welch wunderbare Frau Helene ist!

Lassen Sie uns bitte noch weiter zurückblicken: Ihre Mutter war Hutmacherin, Ihr Vater Reifenhändler. Wie kam es da zur Musik?

Stefan Gwildis: Das war besonders. Immer, wenn wir an die Nordsee gefahren sind und ich über die Dünen in den Wind rannte, hat sich in meinem Innern ein Schalter umgelegt. Dann ging im Kopf Musik an, immer mit Sachen, die ich im Radio gehört hatte, Songs von Burt Bacharach, Henry Mancini, Sammy Davis Jr. und Aretha Franklin. Fand ich total geil. Da wurde mir klar: Ich möchte in meinem Leben etwas mit Musik zu tun haben. Egal was.

Henning Krautmacher von der Kölner Kultband Höhner, Tatort-Kommissar Dietmar Bär und Sänger Stefan Gwildis 2010

Copyright: picture alliance / ZB

Volle Rheinland-Power: Stefan Gwildis (rexchts) 2010 beim Auftritt mit Ex-Hohn Henning Krautmacher und „Tatort“-Ermittler Dietmar Bär.

Und wann wurden Sie musik-aktiv?

Stefan Gwildis: Ich habe mit 14 eine Gitarre in die Hand gedrückt bekommen, darauf rumgefummelt und versucht, das, was ich aus dem Radio kannte, nachzuspielen. Als ich ein paar Stücke intus hatte, bin ich durch die Kneipen getingelt – die Gage waren oft ein Bier, eine Gulaschsuppe und ermutigender Applaus. Dann kam eines Tages die Straßenmusik dazu.

Wie kam da Geld in die Sammelbüchse?

Stefan Gwildis: Ich habe mit meinem Schulkumpel Rolf Claussen – mit dem ich bis heute zusammenarbeite – vor Kaufhäusern und in U-Bahn-Stationen Songs von Simon & Garfunkel, den Beatles und alles mögliche gespielt. Unsere Spezialität waren später Lieder von Peter Igelhoff aus den 30er Jahren, die ganz besonderen Charme und Witz hatten. Und wir präsentierten das auf selbstgebastelten Instrumenten!

Instrumente selbstgebastelt? Wie können wir uns das vorstellen?

Stefan Gwildis: Damals, in den 70er Jahren, lagen an bestimmten Tagen Riesen-Sperrmüllhaufen auf den Straßen. Einmal habe ich mir daraus zehn Kochtöpfe mitgenommen und mir ein „Topfofon“ gebastelt. Jeder Topf war gestimmt und insgesamt klang es wie eine Steel Drum – ideal für Reggae. Ein anderes Mal habe ich mir aus einer alten Teekiste eine Bass-Schlagzeug-Kombination gebaut mit Becken, Hupen & Glocken – wir haben dazu gesteppt wie Gene Kelly. Das kam an!

Stefan Gwildis: „Heimspiel“ in Köln

Der große Erfolg kam erst, als Sie schon 45 waren – ein Alter, in dem andere ihre Karriere bereits wieder beenden. Wie war's bei Ihnen?

Stefan Gwildis: Ja, der kam Anfang der 2000er, als wir – gemeinsam mit einem weiteren Schulkumpel, Michy Reincke – US-Soul-Klassiker auf Deutsch interpretierten. Das war ein Riesenmeilenstein, über den ich sehr glücklich bin, denn ab dann konnten wir durch Deutschland touren.

Am 21. Mai treten Sie im Kölner Gloria auf. Haben Sie hier eine Fan- gemeinde, oder ist Köln für Sie ein Auswärtsspiel?

Stefan Gwildis: Das fühlt sich eher wie ein Heimspiel an! Wir waren schon oft im Gloria und haben da großartige Abende erlebt. Ich erinnere mich an ein tolles Konzert mit der NDR-Bigband. Das war besonders, denn im Publikum waren die Kollegen der WDR-Bigband. Das muss man sich mal vorstellen: Die Mitglieder der beiden besten Bigbands Deutschlands im Publikum und auf der Bühne, bei meinem Konzert. Wahnsinn!

Auf Ihrem neuen Album „…das war doch grad erst eben!“ hören wir auch den Song „Sowas Blödes“, den Sie mit Annette Frier aufgenommen und bereits in der „Giovanni-Zarella-Show“ vorgestellt haben ...

Stefan Gwildis: Oh ja – Annette hatte es trotz überfülltem Terminkalender möglich gemacht, sich für Studiosession und Videoclip freizuschaufeln und hat es mit Bravour gemeistert, sich als Sängerin zu präsentieren. Ebenso bei Giovanni Zarella! Grandios!

Stefan Gwildis und Annette Frier

Copyright: Christian Barz

Stefan Gwildis ganz rheinisch: Hier mit Duett-Partnerin Annette Frier.

Wie ist es zum Köln-Hamburger Duo gekommen?

Stefan Gwildis: Das ist eine etwas längere Geschichte.

Erzählen Sie bitte!

Stefan Gwildis: Die Enkelin von Heinz Erhardt und die NDR-Bigband stellten ein Programm zusammen, in dem die Songs des großen Komikers gesungen, gesprochen und dargestellt werden sollten. Ich habe Dietmar Bär vorgeschlagen, von dem ich wusste, dass er toll singen kann, wir sind schon in der Lanxess-Arena gemeinsam mit den Höhnern aufgetreten. Dazu kam damals Annette, die ich dann überreden konnte, einen Song mit mir aufzunehmen. Und das ist er – die deutsche Version des fast 60-jährigen „Something Stupid“ von Frank Sinatra und seiner Tochter Nancy.

Haben Sie auch noch andere Drähte ins Rheinland?

Stefan Gwildis: Ja, einen ganz dicken Draht! Eigentlich bin ich Wahl-Rheinländer. Ich pendle seit fünfeinhalb Jahren zwischen Hamburg und dem Rheinland hin und her – der Liebe wegen. Meine Verlobte, die wunderbare Malerin Ivana Hammerle-Szmyt, lebt in Düsseldorf, wir haben hier inzwischen Land und Leute erkundet.

Sie sind zweimal geschieden. Wird es für Sie eine dritte Ehe geben?

Stefan Gwildis: Selbstverständlich. Ich liebe diese Frau, sie ist großartig, wunderschön, klug, humorvoll, sie kocht wie eine Göttin, hat Ideen und ist eine so kreative Künstlerin. Wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man durch dick und dünn gehen möchte, und der andere Mensch möchte es mit einem auch, dann sollte man sowas mit einer Hochzeit manifestieren! Das Schönste im Leben ist doch: Zu lieben und geliebt zu werden! Was will man mehr?!

Stefan Gwildis mit seiner Verklobten, der Düsseldorfer Künstlerin Ivana Hammerle-Szmyt

Copyright: Gwildis

Gwildis und seine Verlobte, die Malerin Ivana Hammerle-Szmyt, auf einem Selfie, das Gwildis unserer Redaktion schickte.

Zum Schluss unsere Rheinland-Fragen: Hören Sie kölsche Musik?

Stefan Gwildis: Ja, klar. Ich mag die Höhner und finde es großartig, wie alle Bands miteinander umgehen. Auf diese Art von Zusammengehörigkeitsgefühl und Tradition kann ich als Hamburger schon mal neidisch gucken. Und wie das in Köln alles abgefeiert wird – das ist ja grandios! Das ist bei uns im Norden doch etwas anders.

Und was mögen Sie an Düsseldorf?

Stefan Gwildis: Natürlich die tollen Einkaufsmöglichkeiten. Mein größter Favorit ist das Sozialkaufhaus Cash und Raus – ein tolles erfolgreiches Projekt. Und natürlich die Kö – allerdings weniger die Geschäfte, sondern vielmehr, wenn die Lambos und Porsches lautstark aufmarschieren und die wunderbaren grünen Papageien in Form ihrer Exkremente ihren Kommentar auf die geputzten Karossen abgeben.

Ihre Städte sind Hamburg, Düsseldorf und Köln – alles Städte, in denen in dieser Saison mit dem Glück der Fußballklubs gehadert wird. Welchem Verein würden Sie mit einer Hymne neue Kräfte verleihen?

Stefan Gwildis: Ich singe eine Hymne für alle, denn sie sind es doch, die uns staunenden Zuschauern immer wieder eine große und für uns wichtige philosophische Frage vorleben: In welche Liga gehöre ich? Wo fühl ich mich wohl? Wo bin ich zu Haus?

Stefan Gwildis: Vom Lagerarbeiter ganz hoch in die Charts

Stefan Gwildis (geboren am 22. Oktober 1958 in Hamburg) spielte ab 1982 als Straßenmusikant. Hielt sich mit Jobs als Lagerarbeiter, Lkw-Fahrer, Sonnenbank-Aufsteller und Weihnachtsmann über Wasser. Von 1992 bis 1995 war er Sänger der „Strombolis“.1998 gründete er seine eigene Band „Stefan Gwildis & the Drückerkolonne“.

2003 folgte die Neubearbeitung von Soul-Klassikern, das Album „Neues Spiel“ hielt sich 13 Wochen in den Album-Charts und bekam die „Goldene Stimmgabel“. 2005 belegte er beim Deutschen ESC-Vorentscheid mit „Wunderschönes Grau“ den 9 . Platz. 2007 erschien sein Album „Heut ist der Tag“ (Platz 2 der Album-Charts). Gwildis war zweimal verheiratet, hat einen Sohn. Er ist mit der Düsseldorfer Künstlerin Ivana Hammerle-Szmyt (58) liiert.

Ausbilder Schmidt, Knacki Deuser und Florian Hempel sitzen auf der Köllepally-Bühne.

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