Umzug nach 150 Jahren Letzte Schicht für Kult-Bäckerinnen in Kölner Südstadt

Mitarbeiterinnen der Bäckerei Hütten in der Kölner Südstadt kurz vorm Umzug

Bei Bilek und Maria kommt nach Jahrzehnten in der Bäckerei in der letzten Schicht (28. September) Wehmut auf.

„Niemals geht man so ganz“ ist in Köln ein geflügeltes Wort. Für die Bäckerei Hütten in der Südstadt gilt dies besonders. Express.de war beim „Umzug“ des Traditionsbetriebs am 29. September dabei.

Köln. „Klar kommt da schon viel Wehmut auf. Wir sind ja schon so lange hier dabei und es war eine schöne Zeit!“: Bilek und Maria stehen seit 15 bzw. 20 Jahren hinter der Theke der Traditionsbäckerei und versorgen die Kundschaft aus dem Veedel gewohnt mit Leckereien. So auch an diesem Dienstagabend.

Im Minutentakt strömen die hungrigen Gäste ins bekannte Haus. Wie seit Jahrzehnten schon. Doch zumindest an dieser Stelle ist es die letzte Schicht im bekannten Szenetreffpunkt.

Bäckerei Hütten in der Kölner Südstadt am letzten Tag.

Spuren des Umzugs: Ein gelber Container vor dem Café in der Darmstädter Straße.

Kölner Traditionsbäckerei Hütten zieht um: Das sagen Mitarbeiter und Stammkunden

Wir hatten vom angekündigten Ende der Bäckerei in der Darmstädter Straße berichtet. Nun ist es so weit. Die markante, gelbe „Café Hütten“-Fassade ist bereits abmontiert, in einem gelben Container wird, was rausmuss, noch entsorgt.

Vor der Tür sitzen ältere Stammkunden, nippen etwas traurig und wortkarg an ihren Kaffees in Pappbechern. „Hier soll ja jetzt eine andere Bäckerei reinkommen. Aber ich ziehe mit Hütten um“, sagt uns ein Rentner, der nach eigener Aussage seit Jahrzehnten hier täglich sitzt. Wie die Mitglieder des FC-Fanclubs Südstadt Boyz, für die das Café Hütten hier direkt am Chlodwigplatz quasi „ein Büro“ darstellt, wie man uns sagt.

Plakat der Familie Hütten zum Umzug der Bäckerei in der Kölner Südstadt (28.9.2021)

150 Jahre: Diese Botschaft hat die Familie Hütten an die Kunden.

Dass sie mit umziehen werden, hoffen auch die treuen Mitarbeiterinnen Bilek und Maria, die an diesem Dienstagabend ihre letzte Schicht schieben: „Es heißt, dass wir woanders unterkommen werden. Das Unternehmen hat ja mehrere Betriebe in Köln“, sagen sie unisono. 

Nur 150 Meter weiter Richtung Bonner Wall wird fleißig angepackt. Schon Mittwochmorgen sollen hier die Hütten-Brötchen über die Theke gehen. Inhaber Rainer Hütten steht vor der im Umbau befindlichen kleineren Bäckerei der Familie und erklärt noch einmal den Umzug: „Es ist eine Heimkehr wieder nach Hause, weil hier die Bäckerei ja schon immer war. Wir sind ja 150 Jahre alt.“

Bäckerei-Inhaber Reiner Hütten beim Umzug.

Reiner Hütten zeigt den restaurierten Bogen.

Die Corona-Pandemie habe keine andere Möglichkeit als die Aufgabe des einen und den Umzug in den anderen gelassen, führt er aus: „Durch Corona wurde das Café ja lange Zeit gar nicht genutzt und die Miete war im Verhältnis zum Ertrag zu viel. In dem Moment sagt man: Machen wir noch mal einen Zehn-Jahres-Vertrag wie schon zwei Mal zuvor? Nein, das muss nicht sein, wir gehen zu den Ursprüngen zurück. Dort, wo wir seit 1977 sind, bauen wir um.“

Bäckerei Hütten: Neuanfang mit restauriertem Bogen

Die Bäckerei Hütten gibt es in der sechsten Generation, Rainer ist seit 1999 dabei und sein ältester Sohn hat vor kurzem den Meister gemacht. Stolz ist die Familie auf den erhaltenen, alten Bogen, der beim Umbau entdeckt wurde und jetzt wieder restauriert über dem Eingang hängt: „Wie Phönix aus der Asche hat der Stuckateur den Bogen entdeckt. Der ist 100 Jahre alt“, sagt er. Na denn auf die nächsten 100 Jahre. Als Nachfolger an der Darmstädter Straße soll eine andere Bäckerei indes einziehen.

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