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Kölner WinterhilfeBetroffene wollen nicht raus – Polizei trägt den ersten weg

Zwei Polizisten tragen eine Person weg.

Copyright: Gerigk

Nach der Besetzung der Winterhilfe in Merheim am Dienstagmorgen (31. März 2026) tragen Einsatzkräfte die erste Person weg.

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Dramatische Lage in der Winterhilfe in Merheim: Zahlreiche Wohnungslose stemmen sich gegen die Schließung. Polizei ist vor Ort und greift ein.

Kein Zuhause zu haben, kein warmes Wasser, kein trockenes Bett – für die meisten ist das unvorstellbar. Die, die das nicht haben, finden bei der Winterhilfe in Köln-Merheim einen Schlafplatz. Doch die schließt am Dienstag (31. März) – und dagegen gibt es Widerstand!

Am Morgen versammelten sich zahlreiche Menschen unter dem Motto „Wohnungslose nicht im Stich lassen – Winterhilfe fortsetzen!“ Organisiert hat die Aktion der bekannte Kölner Aktivist und Mietrebell Kalle Gerigk. Am Vormittag spitzte sich die Lage zu. 

Kölner Winterhilfe: Wohnungslose wollen nicht freiwillig gehen

50 bis 60 Wohnungslose gingen in die Unterkunft zurück und wollten nicht freiwillig wieder gehen. Die Polizei war mit starken Bereitschaftskräften vor Ort. Ein Sprecher: „Wir sind mit den Menschen, die weiter in dem Gebäude sind, im Gespräch.“ Maßnahmen würden laufen. 

Weil Worte nichts brachten, erteilte die Polizei schließlich Platzverweise, denen jedoch nicht nachgekommen wurde. Schließlich griffen die Einsatzkräfte ein und trugen eine Person, die sich weiterhin weigerte, aus der Unterkunft. „Um 10.45 Uhr war das Gebäude geräumt“, so der Polizeisprecher.

Die Betroffenen stehen jetzt mit ihrem Habe, Koffern und Taschen, vor dem Wohnungsamt! „Wir versammeln uns jetzt hier und machen unsere Forderung noch mal deutlich“, so Aktivist Kalle Gerigk. 

„Die Stadt Köln muss die Winterhilfe in Merheim über den 31. März 2026 hinaus weiterlaufen lassen“, fordert er. Für wohnungslose Menschen ende die Notlage nicht mit einem Kalenderdatum. Der Aktivist: „Das Angebot in der Ostmerheimer Straße 220, das rund um die Uhr zur Verfügung steht, ist ein unverzichtbarer Schutzraum und darf nicht ersatzlos wegfallen.“

Mehrere Menschen stehen mit Protestplakaten vor einem Gebäude.

Copyright: Gerigk

Weil die Winterhilfe in Merheim am Dienstag (31. März 2026) geschlossen wurde, protestieren zahlreiche Menschen davor.

Doch am Dienstagmorgen gab es für die Übernachtenden den letzten Kaffee – bereits draußen auf dem Hof.

„Von den insgesamt rund 70 Gästen werden nur etwa 20 die Möglichkeit haben, in einer anderen städtischen Einrichtung unterzukommen; etwa 50 Personen werden wieder auf der Straße landen“, erklärt Kalle Gerigk. In diesem Jahr hätten sich Freundschaften gebildet, es gäbe auch aus diesem Grund Widerstand gegen die Beendigung der Winterhilfe.

Ein Mann im Rollstuhl hält ein Megafon, hinter ihm sind weitere Personen im Rollstuhl oder auf Krücken.

Copyright: Gerigk

Christian ist einer der Betroffenen, die am Dienstag (31. März 2026) vor der Winterhilfe in Merheim protestieren.

Darunter Christian. „Ich weiß noch nicht, wo ich sonst heute übernachten kann. Für mich ist die Situation besonders schwierig, da ich im Rollstuhl sitze und daher dringend eine barrierefreie Unterkunft in erreichbarer Nähe benötigte“, erklärt er. Eine betroffene Frau, erzählt, dass sie zwar vom Amt für Wohnungswesen eine Notunterkunft in einem Mehrbettzimmer zugewiesen bekommen haben, doch sie kritisiert, dass die Stadt dafür rund 40 Euro pro Nacht und Person zahle. Für den Betrag ließe sich bereits eine angemessene Wohnung finanzieren, sagt sie.

Aktivist Kalle Gerigk, der sich seit langem unter anderem für Obdachlose und Suchtkranke einsetzt, weiß, wie gefährlich das Leben auf der Straße ist.  „Auch in diesem Jahr ist mindestens eine obdachlose Person in Köln auf der Straße gestorben. Gerade für Frauen ist das Leben auf der Straße besonders gefährlich, da sie einem erhöhten Risiko von Gewalt, Übergriffen und Ausbeutung ausgesetzt sind“, erklärt er.

Zudem würden Zelte geräumt, erzählt Gerigk. „Ein Gast berichtet vom Rheinufer in Niehl, wo er im vergangenen Jahr mit zwei weiteren Personen in Zelten lebte und von Räumungen betroffen war. Selbst auf der Straße werden Menschen immer wieder vertrieben.“

Die Mindestforderung sei, dass die Winterhilfe mindestens noch im April, besser jedoch ganzjährig, aufrechterhalten wird. Laut Kalle Gerigk steht der Standort in Merheim sogar grundsätzlich in Frage. Langfristig sei geplant, die Winterhilfe an einen anderen Ort nach Köln-Niehl zu verlegen.

Stadt Köln: Der Nutzungsvertrag für das Objekt läuft aus

Auf EXPRESS.de-Nachfrage bestätigt eine Mitarbeiterin des städtischen Presseamtes: „Die Stadt Köln steht in Vertragsverhandlungen für ein alternatives Objekt, das dann für die kommenden Winterhilfesaisons genutzt werden kann. Das Objekt in der Ostmerheimer Str. 220 wurde an die Kliniken Köln verkauft und der Nutzungsvertrag läuft deshalb aus.“

Das niederschwellige Angebot der Winterhilfe diene dem Schutz von Straßenobdachlosen vor den besonderen Witterungsverhältnissen im Winter und ende fristgerecht zum 31. März 2026. „Die obdachlosen Nutzerinnen und Nutzer der Winterhilfe können auf Wunsch andere Formen der Unterbringung in Anspruch nehmen“, erklärt sie. 

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