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Trauer um Kölner Obdachlosen„Alle kannten ihn – bis zum Bürgermeister hoch!“

Ein Mann im Rollstuhl kuschelt mit einem aufgerollten Schlafsack.

Copyright: Franco Clemens

Guido Erhart, einer der bekanntesten Obdachlosen vom Wiener Platz, ist tot. Das undatierte Foto zeigt ihn mit einem Schlafsack, den er von „Heimatlos in Köln“ bekommen hatte. 

Trauer um Guido Erhart. Der Obdachlose vom Wiener Platz war bekannt wie ein bunter Hund. 

Sein Stammplatz war vor der Bäckerei Merzenich. Dort bettelte Guido Erhart (56) um etwas Geld – mit einem Lachen, wenn es ihm gut ging, doch oft war er tieftraurig und melancholisch. Jetzt bleibt sein Platz für immer leer...

Guido, einer der bekanntesten Obdachlosen vom Wiener Platz, ist tot. Er starb vor wenigen Tagen in der dortigen U-Bahn-Station. Die habe der Verstorbene immer sein Wohnzimmer genannt, erzählt Streetworker Franco Clemens am Samstag (21. Februar) gegenüber EXPRESS.de: „Guido war schon eine bekannte Größe. Alle kannten ihn – bis zum Bürgermeister hoch!“ 

Guido wollte am Wiener Platz auch sterben

Franco Clemens ist als Streetworker für „Heimatlos in Köln“ (HiK) unterwegs und kannte den Obdachlosen schon lange. „Ich werde ihn schwer vermissen, denn er war ein echtes Original und gehörte einfach zum Wiener Platz wie die Silhouette vom Dom in der Ferne“, sagt er.

Doch das jahrelange Leben auf der Straße und die Alkoholsucht hätten Guido, dem vor ein paar Jahren sogar ein Bein amputiert werden musste, schwer gezeichnet. „Irgendwann hatte er mal zu mir gesagt, dass er am Wiener Platz auch sterben wolle“, erinnert sich Clemens.

Das Problem mit Guido sei gewesen, dass viele ihm helfen wollten, aber er das nicht wollte. Der Streetworker: „Man konnte mit ihm keine Verbindlichkeit herstellen, er hätte eigentlich einen ganztägigen Betreuer gebraucht, aber das kann das System nicht leisten.“ 

Der Verstorbene habe aber auch sehr unterhaltsam sein können, habe Witz und Verstand gehabt. „Er war ein Kölscher, hat frei von der Leber erzählt, auch, wie es ist, obdachlos zu sein. Auf der anderen Seite war da die tiefe Trauer über seine eigene Lebenssituation“, erklärt Franco Clemens.

Als die Mutter des Kölners starb, nahm das Schicksal seinen Lauf

Guido Erhart lebte vorher bei seiner Mutter. Doch nach deren Tod konnte er die Wohnung nicht halten – und das Schicksal nahm seinen Lauf. Clemens: „Aber er hatte dieses Leben dort auf der Straße am Wiener Platz selbst gewählt, denn zahlreiche Hilfsangebote hat er abgelehnt.“

Linda Rennings, Gründerin von „Heimatlos in Köln“, erinnert sich noch gut an den Mittwoch (11. Februar) vor Weiberfastnacht, als das Kölner Dreigestirn die Essensvergabe am Wiener Platz begleitete. „Guido war auch da und guter Dinge“, so die Aktivistin, die sich für die Rechte und die Versorgung der Kölner Wohnungslosen einsetzt.

Sie berichtet aber ebenfalls, dass der 56-Jährige keine Hilfe wollte. Auch kein Hotelzimmer von der Stadt, keine Wohnung, keinen Platz in einem Pflegeheim. „Er wollte nur an seinen Wiener Platz“, so Linda Rennings. Ihnen allen sei bewusst gewesen, dass Guido irgendwann auf der Straße auch sterben werde. 

Linda Rennings traurig: „Guido war das Merkmal vom Wiener Platz, jeder kannte ihn. Ich werde ihn als Original an seinem Stammplatz vermissen und die Smalltalks mit ihm.“

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