ZDF-Meteorologe Özden Terli hat mit uns über seine Kölner Kindheit in einer typischen „Ford-Familie“, sein Heimwerkergeschick – und natürlich übers Wetter gesprochen.
Kölscher ZDF-Meteorologe„Köln ist einmalig – aber nicht beim Wetter“

Copyright: ZDF/Maximilian von Lachner
Özden Terli ist ein Kind des Rheinlands, ein waschechter Kölner. Anfang der 90er Jahre waren die Warnungen der Klimatologen seine Initialzündung fürs Studium der Meteorologie.
Autor
Erleben wir nach einem „richtigen“ Winter mal wieder einen „richtigen“ Frühling und Sommer? Oder gibt es wieder ein Wetter-Wischiwaschi, das uns morgens nicht erkennen lässt, wo wir abends landen?
Fast pünktlich zum Start des astronomischen Frühlings (am 20. März 2026) spricht EXPRESS.de darüber mit Özden Terli (54), einem echt kölschen Jung, der es nach einigen Umwegen zu einem der bekanntesten deutschen TV-Wetter- und Klima-Experten gebracht hat.
Özden Terli: Ferienjob bei Ford, dann Elektriker, jetzt Wetter-Profi
Können wir eigentlich noch von „vier Jahreszeiten“ sprechen? Oder ist das alles mehr oder weniger „eine Suppe“?
Özden Terli: Das verschwimmt immer mehr, das Wetter spielt verrückt. Der Winter ist mittlerweile ziemlich mild, im Sommer häufen sich die Extrem-Ereignisse. Es gibt immer heftigere Gewitter und Überschwemmungen oder das Gegenteil, langanhaltende Dürren.
Aber der jetzige Winter war ein Winter, wie er früher einmal war. Wir konnten sogar in und um Köln herum Schlitten fahren und die Skier rausholen. Der Schnee blieb oft tagelang liegen, es war richtig kalt…
Özden Terli: Stimmt. Und es wird in absehbarer Zeit weiterhin kalte Tage im Winter geben, Spätfröste nehmen sogar zu. Aber die Durchschnittstemperaturen über Dezember, Januar, Februar – also im meteorologischen Winter – steigen, wie auch zu anderen Jahreszeiten. Das ist nicht aufzuhalten oder zurückzudrehen. Deutschland heizt sich weiter auf.
Ist das wirklich ins Klima-System eingebongt?
Özden Terli: Ja. Und physikalische Grundlagen kann man nicht verändern. In den 50er Jahren war es viel, viel kälter, das war selbst noch in den 80ern so. So verrückt es klingt, aber in einer wärmeren Atmosphäre kann es sogar Rekord-Schneemengen geben. Denn wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und wenn diese wärmere Luft auf kältere Luft aus dem Norden stößt, schneit es – manchmal sehr viel.
Sie sind einer der bekanntesten TV- und Klima- und Wetter-Experten. Doch ehe es so weit war, sind Sie einen ungewöhnlichen Weg gegangen, der erst über Umwege zum Ziel führte. Lassen Sie uns bitte kurz in Ihre Vergangenheit zurückblicken – in Köln fing alles an…
Özden Terli: … ja, ich bin ne kölsche Jung. Ich stamme aus einer typischen Ford-Familie. Ich bin in Bilderstöckchen aufgewachsen, meine Eltern gehörten zu der ersten Generation der „Gastarbeiter“. Mein Vater verschraubte Zylinder, meine Mutter nähte Autositze, nach Feierabend drehte sich bei uns alles um Ford, und ich habe in den Ferien bei Ford die Wasser- und Saftautomaten befüllt. Nach der Realschule in Nippes habe ich eine Lehre zum Fernmeldeanlagen-Elektroniker gemacht und anschließend auf dem zweiten Bildungsweg mein Abi nachgeholt.
Warum nach der Lehrzeit noch mal die Schule? War das Handwerkliche nichts für Sie?
Özden Terli: Ich habe eines Tages gemerkt, dass ich mehr brauche. Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert, interessierte mich für Physik und Philosophie, habe aber den Spaß am Handwerklichen nicht verloren. Zu Hause repariere ich alles, was kaputt ist. Und in meiner Freizeit bastle ich gern. Glanzstücke waren früher Fahrräder aus Kohlefaser, die ich aus dem Nichts konstruiert habe. Ich baute mir Liegeräder, mit denen ich sogar an internationalen Rennen teilgenommen habe.

Copyright: ZDF/Torsten Silz
So kennen ihn die Zuschauerinnen und Zuschauer des ZDF: Özden Terli im Wetterstudio mit seiner Kollegin, der Meteorologin Katja Horneffer.
Wann wurden Klima und Wetter zum Thema Ihres Lebens?
Özden Terli: Anfang der 90er Jahre. Da habe ich erstmals die Warnungen der Meteorologen und Klimatologen wahrgenommen. Sachen, von denen ich bis dahin weder was in der Schule noch in der Gesellschaft mitbekommen hatte. Zu meinem Studium gehörten dann Klimatologie und Paläoklimatologie. Ich habe dann zur Zeit des Pariser Abkommens angefangen, in meiner Arbeit mehr Schwerpunkte auf das Klima zu setzen.
Wie kam es dazu?
Özden Terli: Ich dachte, das müssen die Menschen doch wissen, das gehört deshalb zu meiner Arbeit als Journalist und Meteorologe. Doch plötzlich bekam ich unerwarteten Gegenwind von Wissenschaftsleugnern, die auch heute noch so tun, als ob sie nicht begreifen, was die Stunde geschlagen hat.
Jetzt sind Sie ein ZDF-Moderator, der von Millionen erkannt wird. Hatten Sie schon immer von einer Karriere geträumt?
Özden Terli: Das kam für mich vollkommen überraschend. Ich habe bei wetter.com – im Prinzip damals die Wetterredaktion von ProSiebenSat.1 – Wetterberichte und Vorhersagen geschrieben und war damit sehr zufrieden. Doch eines Tages nahm mich meine Chefin beiseite und stellte mich vor die Kamera. Ihre einzige Begründung: „Du kannst doch gut reden!“ Und damit ging alles los.
Wie war Ihre TV-Premiere?
Özden Terli: Es war die Hölle. Ich wusste nicht, wie ich zu stehen und gehen hatte. Ich habe mir einen Text geschrieben, den ich dann im Studio vom Teleprompter abgelesen habe. Schrecklich!
Özden Terli wurde schon für den Grimme-Preis nominiert
- Özden Terli (geboren 1971 in Köln) ist der Sohn türkischer „Gastarbeiter“. Er besuchte die Peter-Ustinov-Realschule in Nippes.
- Von 1988 bis 1992 machte er eine Ausbildung zum Fernmeldeanlagen-Elektroniker.
- Von 1994 bis 1997 holte er sein Abitur auf dem Köln-Kolleg nach. Schwerpunkte damals Physik und Philosophie.
- 1997 bis 2007: Studium der Meteorologie (Nebenfach Astrophysik) an der Freien Universität Berlin.
- Von 2004 bis 2013 war er Wetterredakteur bei wetter.com und ProSiebenSat.1 in München, 2013 dann der Wechsel zum ZDF. Er moderiert das Wetter in den ZDF-Nachrichtensendungen und schreibt Artikel für ZDFheute.de.
- 2025 wurde er für den Grimme-Preis in der Kategorie „Besondere journalistische Leistung“ für „seine eindringliche Vermittlung des Ausmaßes der Klimakatastrophe“ nominiert. Er lebt in Mainz.
Sie haben seitdem miterlebt, dass Klima zum großen Thema wurde, doch das ist fast verschwunden ...
Özden Terli: Stimmt, Klima spielt oft keine große Rolle mehr. Aus der Politik ist es als Thema fast verschwunden. In der Gesellschaft gibt es noch Ansätze, zum Beispiel, wenn ich mit Klimaschutz-Managerinnen und -Managern rede. Doch das reicht nicht. Der richtige Klima-Schutz – was bedeutet, dass wir kein CO2 mehr in die Luft blasen dürfen – interessiert offensichtlich niemanden mehr so richtig. Was heute in der Gesellschaft passiert, national wie international, ist mir völlig unerklärlich.
Was hatten Sie erwartet?
Özden Terli: Für mich war klar, dass was passieren wird, weil die Staaten das Pariser Klima-Abkommen unterzeichnet hatten. Und es gibt das Bundesverfassungsgericht-Urteil von 2021, das klarstellte, dass wir die Freiheit der zukünftigen Generationen nicht einschränken dürfen, indem wir ohne Ende konsumieren und Energie verbrauchen. Doch seitdem sind grobe Fehler gemacht worden. Und wenn man die neuen Trump-Entscheidungen sieht, kann man nur noch schwarzsehen. Dabei ist Klimaschutz ein Menschenrecht, es ist sogar im Grundgesetz verankert. Und die Mittel, gegen die globale Erhitzung zu agieren, haben wir.
Welche meinen Sie?
Özden Terli: Wir sollten die vielleicht beste deutsche Erfindung einsetzen, die weltweit kopiert wird: die Energiewende. Wenn man vollständig auf fossile Energieträger verzichten muss, bedeutet das nicht, dass die Lichter ausgehen. Photovoltaik mit Batteriespeichern sind mittlerweile die günstigste Art der Energiegewinnung und global ein Game-Changer.
Das sind alles Aussagen, mit denen Sie nicht nur in den sozialen Medien mit viel Kritik bedacht werden. Wie kommen Sie damit klar?
Özden Terli: Ich habe mich daran gewöhnt und versuche, es zu ignorieren. Meist gelingt mir das. Leider nicht immer. Es ist schon krass, wie ich dann beschimpft werde. Denn bei mir kommt vieles zusammen, was einige Menschen offenbar provoziert: Ich rede als Meteorologe, habe einen türkischen Namen und trete im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf.
Wie ist es, wenn Sie auf der Straße erkannt werden?
Özden Terli: Ach, das ist meistens nett und amüsant. Natürlich werde ich dann oft nach dem Wetter von morgen oder den nächsten Ferien gefragt. Und im Vergleich zu den sozialen Medien gibt es dann auch schon mal ein Lob.
Fast jeder hat eine Wetter-App, und fast alle kündigen was Unterschiedliches an. Was soll man glauben?
Özden Terli: Ja, da gibt es große Unterschiede. Während Temperaturen oftmals stimmen, kann das Gewitter am nächsten Tag natürlich nicht mit der Präzision vorhergesagt werden. Die Region schon, aber nicht postleitzahlengenau, wie manche behaupten.
Gefühlt ist das Wetter im Rheinland oft nicht nur auf den Apps, sondern auch in der Realität anders als anderswo. Viele Kölner glauben, dass wir hier auf einer Wetter-Insel leben. Ist das so?
Özden Terli: Sorry, liebe Kölner, da muss ich euch enttäuschen. Köln ist in vielen Dingen einmalig – aber nicht wettermäßig. Es gibt zwar die Kölner Bucht, die tief liegt, und manchmal ist es hier schwüler als woanders. Aber ansonsten gibt es auch anderswo ein spezielles Wetter!



