FC auch dabei Wut-Brief an OB Reker: „Verlorene Generation“ im Kölner Sport

Luftaufnahme vom Grüngürtel mit dem FC-Trainingsgelände

Das FC-Trainingsgelände im Grüngürtel, aufgenommen im Sommer 2019, und die Ausbaupläne des Vereins sind seit Jahren der größte Streitpunkt im Kölner Sport. Nun gibt es noch mehr Kritik an der Stadt. 

Mit einem offenen Brief kritisieren namhafte Vertreter des Sports die Stadt Köln. Dabei geht es längst nicht nur um die Hängepartie bei den Ausbauplänen des 1. FC Köln.

Der Kölner Sport ist in großer Sorge. So beginnt ein offener Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker, das Ratsbündnis von Grünen, CDU und Volt, sowie an die Fraktionen von SPD, FDP und Linke. Der Inhalt hat es in sich: Von Ignoranz, mangelnder Wertschätzung und mehr ist die Rede. 

Absender sind der Stadtsportbund und die Sportjugend mit ihren 640 Vereinen sowie Vertreter der „Allianz Kölner Sport“. Und die sind nicht nur im Kölner Rathaus bestens bekannt: FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle etwa und FC-Boss Werner Wolf, auch die Präsidenten von Fortuna Köln, Viktoria Köln und Kölner Haie haben den Brief unterzeichnet, ebenso Arena-Chef Stefan Löcher und zahlreiche weitere Bosse von Kölner Sportvereinen.

Sportstadt Köln: Kritik an Politik und Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Die Kritik ist deutlich: Der Kölner Sport fühlt sich vernachlässigt, nicht gehört oder gar ignoriert. Etikettierungen wie „Sportstadt Köln“ und „Sportentwicklungsplan“ entfernten sich immer weiter der gelebten Kölner Realität, heißt es.

Alles zum Thema Henriette Reker

Kinder und Jugendliche drohten durch fehlende Bewegung und Sozialkontakte in Spiel und Sport zunehmend zur „verlorenen Generation“ in Köln zu werden. „Ein politischer Wille dieser zentralen Herausforderung zu begegnen, ist für uns nicht ausreichend erkennbar“, so die Unterzeichner.

Viele Sportstätten würden viel zu spät geplant, saniert oder teilsaniert und stünden nicht zur Verfügung. Moniert werden auch „unnötige und zeitraubende Diskussionen über Güte und Verträglichkeit von Kunstrasen versus Naturrasen, die zu einer weiteren Verknappung von Sportflächen führen könnten“.

Deutlich werden die Sportler auch beim Thema Geißbockheim: Das politische Verhalten zu den Erweiterungsplänen des 1. FC Köln sei  „inzwischen skurril, fragwürdig und aus unserer Sicht unzuverlässig“.

Basketball-Freiplatz nahe des Fernsehturms.

Der alte Basketball-Platz nahe des Fernsehturm, hier ein undatiertes Archiv-Foto: Eine neue Anlage wurde im Rat der Stadt Köln abgelehnt. 

Dass der Rat die Errichtung eines neuen, größeren Basketballplatzes im Inneren Grüngürtel abgelehnt hat, wo sich bislang ein alter, kleinerer befand, wird als vorläufiger Tiefpunkt bezeichnet. Die Sportkette „Snipes“ wollte den Court errichten lassen.

„Das ist nicht nur ein großer Rückschlag für die Zusammenarbeit von Kölner Sport und Kölner Wirtschaft, sondern auch eine Niederlage für den Sportentwicklungsplan, eine Niederlage für das Selbstbildnis Kölns aber vor allem eine Niederlage für unsere Kinder und Jugendlichen“, heißt es in dem Brief. 

Die Absender fordern nun Gespräche mit den Ratsfraktionen, um  Alternativ- und Gegenvorschläge zu machen, „auch für den SNIPES-Court, aber vor allem für die Gesamtbelange des Sports in Köln“. Dem Kölner Sport mit seinen 300.000 Mitgliedern gehe es vorbehaltlos um Lösungsansätze.

Auf Anfrage von EXPRESS.de erklärte OB-Sprecher Alexander Vogel, dass sich die Stadt Köln und die Oberbürgermeisterin grundsätzlich nicht zu offenen Briefen äußeren. „Insbesondere nicht, wenn sie, wie in diesem Fall, gar nicht der alleinige Adressat ist.“ Zumal, so Vogel weiter, habe die Stadtverwaltung beim Baskteball-Court genau die Haltung eingenommen, die in dem Brief gefordert wird. Allerdings hatte der Stadtrat eine andere Entscheidung getroffen. 

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