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Kölsch für 1,80 € – bis zum SchlusRegina (72) macht ihre Kölner Kult-Kneipe für immer dicht

Regina Gentges hinter der Theke im „Schlösselche“

Copyright: Jan Wördenweber

Regina Gentges hinter der Theke im „Schlösselche“

Ein Stück Köln ist tot! Die Kult-Kneipe „Schlösselche“ in Sülz hat für immer dichtgemacht. Für viele Stammgäste ein Stich ins Herz.

Der Abschied an der Sülzburgstraße war tränenreich. Zahlreiche Stammgäste drängten sich, um ihrer Veedels-Kneipe die letzte Ehre zu erweisen. Das „Schlösselche“ ist seit Sonntag (19. April) endgültig Geschichte.

Wer zum ersten Mal hier war, musste sich erst mal zurechtfinden: Stehen oder am Tresen sitzen, mehr Platz war nicht. Hinter der Theke führte nur ein schmaler Pfad zu den Toiletten. Und genau dort, zwischen Männer- und Frauentür, hing die Dartscheibe. Ein unachtsamer Schritt hätte gefährlich werden können. Wirtin Regina Gentges beruhigt aber: „Passiert ist zum Glück nie was.“ Doch diese Sorge ist nun für immer vorbei.

Kult-Kneipe in Sülz macht für immer dicht

Auf winzigen 30 Quadratmetern war das „Schlösselche“ eine echte Besonderheit in der Kölner Gastronomie-Landschaft. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein, was die Gäste sehr schätzten. Das Reißdorf-Kölsch gab es bis zum Schluss für unschlagbare 1,80 Euro pro Stange.

Es war der Treffpunkt für die Urgesteine aus dem Viertel und für Nachtschwärmer, die am Wochenende bis 4 Uhr morgens auf einen letzten Drink blieben. Für die passende Stimmung sorgte Wirtin Regina Gentges persönlich mit einer ordentlichen Portion Schlager. Sie ist ein Fan von Helene Fischer und Roland Kaiser, mag „aber auch so richtig alte Sachen“.

Darts spielen zwischen Herren- und Damentoilette war im Schlösselchen nie ein Problem.

Copyright: Jan Wördenweber

Darts spielen zwischen Herren- und Damentoilette war im Schlösselchen nie ein Problem.

„Die Gesundheit spielt einfach nicht mehr mit“, erklärt Gentges, die 72 Jahre alt ist. Ihre lange Reise im „Schlösselche“ begann 1992 hinter dem Tresen. Den Laden übernahm sie dann 2009 vollständig. Schon seit den 1950er-Jahren wurde in diesen Räumen gefeiert, geredet und gespielt. Der Name stammt von einem Schlüsseldienst von nebenan, und als Hommage sind unzählige Schlüssel in den Putz der Wände und der Decke eingearbeitet.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband schlägt Alarm: „Mit jeder Kneipe verliert Köln ein Stück Kultur.“ Mathias Johnen, der pensionierte, ehemalige Vize-Geschäftsführer des Verbands im Regierungsbezirk Köln, kennt das Problem. Er sieht die Hauptursache für das Kneipensterben im veränderten Freizeitverhalten der Jugend. Die klassische Gaststätte sei vor allem ein Ort für ältere Menschen. „Für die ist das Lokal der Newsroom, da werden Neuigkeiten ausgetauscht. Die junge Generation hat andere Informationsquellen“, sagte Johnen 2024 gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Das „Schlösselche“ war eine Kölner Kneipen-Institution.

Copyright: Jan Wördenweber

Das „Schlösselche“ war eine Kölner Kneipen-Institution.

Ein Blick in das Statistische Jahrbuch der Stadt Köln untermauert diesen Eindruck mit harten Fakten. 2015 gab es noch fast 1000 „getränkgeprägte Gastronomiebetriebe“, wozu auch Clubs und Diskotheken zählen. Während sich Letztere nach der Corona-Krise erholten und 2023 mit 29 Betrieben wieder das Niveau von 2019 erreichten, sieht es woanders düster aus. Die Zahl der Bars und ähnlicher Vergnügungsorte wuchs zwar von 64 (2015) auf 104 (2024). Doch bei den reinen Schankwirtschaften, zu denen das „Schlösselche“ gehörte, gibt es einen dramatischen Einbruch. Die Pandemie wirkte hier wie ein Brandbeschleuniger: Von fast 800 Kneipen im Jahr 2015 fiel die Zahl auf 761 (2019) und stürzte bis 2024 auf nur noch 630 ab.

Kneipensterben in Köln

Branchen-Insider sind sich einig: Nur Bier ausschenken und auf den reinen Getränkeumsatz zu hoffen, ist nicht mehr zeitgemäß. Das Verhalten der Gäste beim Ausgehen und ihr Konsum haben sich fundamental gewandelt. Andere Statistiken belegen das: Die Zahl der Restaurants und Cafés ist nach der Pandemie wieder gestiegen, und auch die der Imbissbuden nahm von 2015 bis 2023 zu.

„Schlösselche“-Chefin Regina Gentges blickt auf die Berrenrather Straße in Sülz und meint: „Heute ist hier spät abends tote Hose, früher war hier noch richtig Publikumsverkehr.“ Über die Jahre mussten viele Traditionslokale im Veedel schließen. Darunter der „Kurkölner“ oder das „Alt-Sülz“, das seit 2021 leersteht – dort wurde 133 Jahre lang Kölsch ausgeschenkt. Nur ein paar Häuser weiter musste die Kneipe „Kleine’s“ schon vor einiger Zeit einem modernen Barista-Café weichen.

In anderen Kölner Stadtteilen sieht es ähnlich aus. In Nippes schloss vor Kurzem das „Schill Eck“ nach 50 Jahren. Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung in Worringen. Die Alte Neusser Landstraße war im 19. Jahrhundert als „Kneipenallee“ mit 17 Gaststätten berühmt. Das Worringer Heimatarchiv hat recherchiert, dass es im ganzen Ort bei 2700 Einwohnern damals rund 30 Kneipen gab. Heute erinnern nur noch verblasste Schriftzüge wie „Gasthof zum Markt“ an diese Blütezeit. Der „Burghof“ und das „Haus Schlösser“ sind ebenfalls längst Vergangenheit. Als einer der Letzten machte der „Wirsingkönig“ dicht.

Aus den Lautsprechern im „Schlösselche“ singt Michelle passend zum Anlass: „Komm, wir drehen die Zeit zurück. Nur für einen Augenblick.“ An diesem letzten Abend fließen viele Tränen. Regina Gentges zeigt auf eine Fotowand voller glücklicher Gesichter. „Mein Herz schlägt hier“, sagt sie. „Das war unser Mau-Mau-Club. Von allen da auf den Bildern leben nur noch zwei.“ Sie erzählt, dass aus ihrer geliebten Kneipe nun eine Wohnung werden soll. Den Ruhestand, sagt Gentges, werde sie schon irgendwie packen. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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