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Mit Dienstkredit-KartePayback-Punkte gesammelt – Nächster Skandal bei den Kölner Bühnen

Eine Übersichtsaufnahme auf die Kölner Oper. Foto: Arton Krasniqi

Copyright: Arton Krasniqi

Eine Übersichtsaufnahme auf die Kölner Oper.

Aktualisiert

Bei den Kölner Bühnen gibt es erneut Ärger mit den Rechnungsprüfern. Ein Mitarbeiter soll mit der Firmenkarte privat Payback-Punkte gesammelt haben.

Wieder Wirbel um die Kölner Bühnen. Kaum ist die Aufregung um kostspielige Betriebsferien und Phantasialand-Ausflüge auf Kosten von Steuerzahlern und Steuerzahlerinnen vorbei, folgt der nächste Zoff.

Wieder einmal nehmen Rechnungsprüfer und Prüferinnen das Finanzgebaren der städtischen Bühnen scharf ins Visier. Diesmal geht es um Zahlungen, die mit der Firmen-Kreditkarte abgewickelt wurden.

„Fassungslos“: Steuerzahlerbund schlägt Alarm

Darunter fallen bedruckte Taschen für ein Festival im Wert von 1220,49 Euro. Auch eine florale Deko-Wand für eine Silvester-Show für 683,96 Euro steht in der Kritik. Für beide Anschaffungen fehlt die Bestätigung, dass der Bedarf vorab geprüft wurde – ein klarer Verstoß gegen die Regeln, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Ein Vorfall sorgt für richtiges Kopfschütteln und ist der Gipfel der Dreistigkeit. Ein Angestellter der Bühnen hat offenbar bei Rewe für 1765 Euro eingekauft und dafür die Firmen-Kreditkarte genutzt. Ganz dreist hat er dabei private Payback-Punkte für sich abgegriffen. Der Wert der gesammelten Punkte beträgt zwar umgerechnet nur etwa neun Euro. Aber eine solche Aktion ist für Mitarbeiter der Stadt ein Unding und strikt untersagt.

Für die Geschehnisse findet Jens Ammann vom nordrhein-westfälischen Bund Deutscher Steuerzahler deutliche Worte. Am Mittwoch zeigte er sich entsetzt über die jüngsten Aufdeckungen. „Der erneute scheinbar sorglose Umgang mit Steuergeld durch die Bühnen macht mich fassungslos“, sagte er.

Die Anschuldigungen rufen unschöne Erinnerungen an die Affäre vom letzten Jahr wach. Seinerzeit wurde aufgedeckt, dass die Bühnen rund 178.000 Euro für Firmenfeste locker gemacht hatten. Gekauft und auf internen Feiern verteilt wurden unter anderem 600 T-Shirts für 10.100 Euro und 530 Paar Socken für 2800 Euro.

Brisantes Interview von Opern-Chef löste alles aus

Basis für die Beanstandungen ist ein interner Bericht des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) mit einem Umfang von 18 Seiten. Die Kontrolleure nahmen die Periode zwischen September 2022 und August 2025 genau unter die Lupe. In diesem Zeitraum flossen über 25 unterschiedliche Kreditkarten der Bühnen Ausgaben von circa 715.000 Euro. Das Urteil der Prüfer fällt verheerend aus. In dem Bericht heißt es unmissverständlich: „Die restriktiven Regeln für die Nutzung von Kreditkarten wurden nicht hinreichend eingehalten.“

Ein Interview hat die weitreichende Untersuchung erst angestoßen. Am 12. Juli 2025 wies Opernintendant Hein Mulders aus Köln im „Kölner Stadt-Anzeiger“ sämtliche Anschuldigungen zurück. Er behauptete, bei Prüfungen seiner Abrechnungen sei „nicht ein Anflug von einer Unstimmigkeit entdeckt worden“. Diese Darstellung sah das RPA jedoch völlig anders. Als nur „bedingt richtig“ bezeichnete die Behörde seine Äußerung, weil es schon vorher Kritikpunkte gab. Dies veranlasste die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker, eine vollständige Überprüfung sämtlicher Kreditkarten des Betriebs anzuordnen.

In ihrem Bericht führen die Kontrolleure insgesamt sechs Kritikpunkte an. Ein zentraler Vorwurf: Die Bühnen setzen viel zu häufig Kreditkarten ein. Laut Vorschrift dürfen diese aber nur als Ausnahme dienen, zum Beispiel, wenn ein Rechnungskauf ausgeschlossen ist. Doch dieser Beleg wurde in den meisten Fällen nicht geliefert. Obendrein bezahlte man eine Rechnung mit dem privaten Pay-Pal-Konto einer Grafikerin, die mit den Bühnen kooperiert. Die dort gespeicherte Adresse passte zu keinem der autorisierten Karteninhaber.

Heftige Kritik erntet auch die Art, wie die Ausgaben dokumentiert werden. Diese wird als häufig unzureichend und nicht transparent beschrieben. Eine saubere Protokollierung sei jedoch, besonders mit Blick auf die angespannte Finanzlage der Stadt, „zwingend zu beachten“ und „unerlässlich“. Das Vorgehen bei den Bühnen erfüllt diese Vorgaben momentan nicht, lautet das klare Fazit der Kontrolleure.

Kölner Staatsanwaltschaft prüft Anfangsverdacht

Noch ist nicht geklärt, ob durch die Käufe ein finanzieller Schaden verursacht wurde, wie vom Bund der Steuerzahler vermutet. Experte Ammann führt an, dass Artikel wie Notizbücher oder Bürostühle über die zentrale Vergabestelle der Stadt preiswerter zu haben gewesen wären, da man dort von Rabatten für Großeinkäufe profitiert hätte.

Mittlerweile ist auch die Kölner Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Ein Vertreter der Behörde bestätigte, man nehme die Berichte unter die Lupe, um einen möglichen Anfangsverdacht einer Straftat zu prüfen. Die Stadt Köln ließ eine Anfrage am Mittwoch zunächst unbeantwortet.

Die aktuelle Affäre ist nur ein weiterer Punkt auf einer langen Problemliste bei dem städtischen Betrieb. So schossen die Ausgaben für die Renovierung am Offenbachplatz von den anfangs veranschlagten 540,9 Millionen auf etwa 1,465 Milliarden Euro in die Höhe. Der Zeitraum für die Bauarbeiten dehnte sich von drei auf ganze 14 Jahre aus. Laut RPA wurden außerdem Aufträge mit einem Volumen von circa 145 Millionen Euro ohne ein korrektes Vergabeverfahren erteilt. Kritik gab es in der Vergangenheit ebenso für die zu spät eingereichten Jahresabschlüsse. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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