Der Schriftsteller Navid Kermani schlägt Alarm: Die Weltlage sei schlimmer als gedacht.
Navid KermaniKölner Autor erschüttert: „Dunkle Vorahnungen wurden übertroffen“

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Der Schriftsteller Navid Kermani 2023 während einer Podiumsdiskussion auf der Bühne bei der Lit.Cologne.
Die Welt brennt, doch für den Kölner Autor Navid Kermani bleibt ein Ort der Zuflucht. Inmitten globaler Krisen findet er Halt in seiner Heimat am Rhein.
Navid Kermani und Köln – das gehört einfach zusammen. Er fühle sich der Stadt so verbunden, dass er sich inzwischen selbst als „Chronist dieser schrecklich wunderbaren Stadt“ sieht, wie er im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagt. Im kommenden Herbst wird sogar eine Sammlung seiner bedeutendsten Köln-Texte veröffentlicht. Für ihn selbst eine Überraschung, wie viel Material sich über die Zeit angesammelt hat.
Doch der Blick über den Tellerrand hinaus macht ihm Sorgen.
Sein neues Werk „Sommer 24“ entwarf schon ein beunruhigendes Bild der Zukunft, aber die Wirklichkeit sei noch viel schlimmer. Nach Reisen in die Vereinigten Staaten und den Sudan offenbarte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Die dunklen Vorahnungen im Buch wurden von der Realität noch übertroffen“.
Weltlage schlimmer als im Roman befürchtet
Die Aufzählung der ungelösten Konflikte ist erschreckend lang: der Nahe Osten, die Ukraine, der Sudan. Hinzu kommt die Eskalation im Iran, die Kermani aufgrund seiner familiären Wurzeln besonders nahegeht. Er zeigt sich tief bestürzt darüber, dass die USA das westliche Sicherheitsbündnis infrage stellen und ein amerikanischer Präsident sogar mit der Vernichtung einer Kultur droht.
Gerade der Krieg im Sudan, der in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet, hat laut dem Autor eine direkte Verbindung zu uns. Er liefert ein erschütterndes Beispiel: „Denken Sie nur daran, woher das Gold in unseren Tresoren kommt, das immer wertvoller wird: zu einem guten Teil illegal aus Sudan, wo es den Krieg finanziert.“ Seine Vermutung dahinter: Womöglich verdrängen wir diesen Konflikt ganz gezielt.
Die Ankunft in Köln nach einer Reise aus einem Kriegsgebiet beschreibt er als befremdlich. Man sei dann „ein bisschen neben der Spur“ und fühle sich „nicht mehr so recht gesellschaftsfähig“. Aber das Kölner Leben fange einen irgendwann wieder auf, sagt er. Dann freue man sich wieder über die kleinen Dinge und rege sich über Belanglosigkeiten auf.
Kermani in Köln: Ein Abend über Politik, den FC und die Domstadt
Wer den Schriftsteller persönlich erleben möchte, bekommt bald die Chance dazu.
Im Rahmen einer Veranstaltung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ unterhält sich Navid Kermani mit dem Chefkorrespondenten Joachim Frank über Literatur, Politik und seine unzerbrechliche Zuneigung zu Köln und dem 1. FC Köln. Die Lesung findet am Donnerstag, 28. Mai, um 19.00 Uhr in der Workstage des Kölner Stadt-Anzeiger (Amsterdamer Straße 192) statt. Tickets gibt es für 25 Euro. (red)
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