Im Mai 2023 wurde der früheres „Hells Angels“-Rocker Eren Y. (35) in Mülheim erschossen.
Kopfschuss-Mord in KölnWichtiger Zeuge macht einen Rückzieher

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Mai 2023: In diesem Durchgang am Mülheimer Böckling-Park wurde der Rocker erschossen.
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Ein ehemaliges Mitglied der Rockergruppierung „Hells Angels“ wurde im Mai 2023 im Bereich des Mülheimer Böcking-Parks erschossen und seine Lebensgefährtin schwer verletzt. Die beiden Tatverdächtigen konnten in die Türkei flüchten. Am Kölner Landgericht läuft bereits die zweite Auflage des Strafprozesses gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Hami S. (38) – doch die Verhandlung stockt. Nun wurde bekannt: Einer der mutmaßlichen Schützen, Emre U. (33), der sich im ersten Prozess über einen Rechtsanwalt gemeldet hatte, will nicht mehr als Zeuge aussagen. Das birgt neuen Zündstoff.
Köln: Bundesverfassungsgericht kippte das erste Urteil
Denn der Umgang der Kölner Justiz mit Emre U. – Spitzname in Rockerkreisen: „Chico“ – hatte den neuen Prozess erst nötig gemacht. In der Erstauflage hatte U. eine Videovernehmung angeboten, angeblich wollte er den Angeklagten entlasten. Doch der damalige Richter und seine Kammer verzichteten – nur eine Vernehmung in Präsenz und damit in Köln sei zielführend. Dazu hatte das Schwurgericht dem Verdächtigen sogar freies Geleit angeboten. Ohne diese zunächst heiß erwartete Zeugenaussage von U. wurde Hami S. im Mai 2024 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

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Der Angeklagte Hami S. mit seinem Verteidiger Leonhard Mühlenfeld beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht.
Der Bundesgerichtshof hatte die Verurteilung wegen Anstiftung zum Mord sogar bestätigt. Doch eine Verfassungsbeschwerde der Verteidigung bewog das Bundesverfassungsgericht, die rechtskräftige Entscheidung doch noch aufzuheben. Dass das Kölner Gericht eine mögliche Videovernehmung von Emre U. ablehnte und auf Präsenz pochte, bewerteten die Verfassungsrichter als einen Verstoß gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens. Dem Angeklagten Hami S., der die Höchststrafe erhalten und zuvor stets seine Unschuld beteuert hatte, sei dadurch ein gravierender Nachteil entstanden.
Köln: Mutmaßlicher Schütze will nicht mehr als Zeuge aussagen
In der Neuauflage steht Emre U. nun definitiv nicht mehr zur Verfügung. „Der Zeuge U. ist für uns unerreichbar“, sagte der Vorsitzende Richter Martin Kümpel in Saal 27 des Kölner Justizgebäudes. Sein Anwalt habe sich gemeldet. Der Mandant wolle nicht mehr aussagen und nun sei der Kontakt ohnehin abgebrochen. Ein bereits gestelltes Rechtshilfegesuch an die türkischen Behörden, die einer Videovernehmung aus der Türkei hätten zustimmen müssen, bleibe aber aufrechterhalten, so Kümpel. Gemeldet habe sich darauf von der türkischen Justiz aber bisher ohnehin niemand.
Ein vermeintliches „Ass“ hat die Verteidigung aber noch im Ärmel. Denn bereits im April hatte sich der zweite mutmaßliche Schütze Marco C. (29) in der Türkei gestellt. Ein türkisches Gericht soll bereits die Auslieferung des Ex-Rockers mit dem Spitznamen „Toblerone“ angeordnet haben. Ein konkretes Datum ist aber nicht bekannt. Das Landgericht muss daher die Zeit bis zu der erwarteten Aussage überbrücken. Nach Angaben des Anwalts André Miegel, der sich auf Informationen aus der Türkei berief, „sollte es nicht mehr allzu lange dauern“, zitierte Richter Kümpel aus einer E-Mail.
Köln: Revierstreitigkeiten sollen zu Rockermord geführt haben
Im April hatte Miegel unserer Redaktion berichtet, dass Marco C. „reinen Tisch“ machen und im aktuellen Verfahren aussagen wolle. „Sein Anliegen ist es, dass endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt“, so Miegel. Der Anwalt sagte aber auch: „Wir werden uns gegen den falschen Vorwurf des Mordes verteidigen.“ C. streitet demnach ab, die tödlichen Schüsse in Mülheim abgegeben zu haben. Ob er auch den mutmaßlichen Auftraggeber Hami S. entlasten will, ist offen. Der Angeklagte selbst hatte zuletzt seinen Bruder und früheren Rockerboss Kamil S. als eigentlichen Auftraggeber benannt.
Revierstreitigkeiten im Rockermilieu sollen zu der Bluttat in Mülheim geführt haben. Nach einem Besuch im Fitnessstudio wurde Eren Y. (35) laut den Ermittlungen von Marco C. und Emre U. in Empfang genommen. Die Stimmung sei gelöst gewesen, hatte die Freundin des späteren Mordopfers ausgesagt. Aus dem Nichts sei dann geschossen worden. Eren Y. war nach einem Kopfschuss sofort tot. Seine Freundin erlitt eine schwere Wunde im Halsbereich. Der Köbes eines nahegelegenen Brauhauses rettete ihr wohl das Leben, indem er mit Stoffservietten einen Druckverband anlegte.
