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Zahlreiche Fälle auch in KölnSie sorgen mit Kriegswaffen für Angst: Kriminalbeamter hat Vermutung

Markierungen der Spurensicherung sind nach Schüssen auf ein Geschäft in Köln an einer Hauswand zu sehen. (Archivbild)

Copyright: Henning Kaiser/dpa

Markierungen der Spurensicherung sind nach Schüssen auf ein Geschäft in Köln an einer Hauswand zu sehen. (Archivbild)

Hinter vielen Schüssen in NRW vermutet der BDK Schutzgelderpressung. Das LKA zählt rund 20 Taten, sechs davon mit Schusswaffen.

Nahezu täglich fallen in Nordrhein-Westfalen Schüsse auf Geschäfte, Kneipen oder sogar Wohnhäuser, meist mitten in der Nacht. Auch in Köln wurde geschossen. Ob die zahlreichen Fälle der vergangenen Tage miteinander zusammenhängen, müssen die laufenden Ermittlungen zeigen, sagt Oliver Huth, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamte.

Huth zufolge sind derzeit mehrere Gruppen unterwegs, die mit Gewalt auf sich aufmerksam machen. Hinter einem großen Teil der Schüsse vermutet er Schutzgelderpressung durch die Gen-Z-Mafia.

Oliver Huth vermutet Gen-Z-Mafia hinter vielen Schüssen

Bei den Tätern handelt es sich nach seinen Worten um türkische Jugendliche mit hoher krimineller Energie, die sich illegal in der EU aufhalten. Die Gruppen agieren sehr mobil. Fallen in NRW Schüsse, könnten sich die Täter wenig später bereits im Ausland befinden.

Vor allem türkische Geschäftsleute geraten laut Huth ins Visier. Die Ziele wählen die Täter offenbar recht willkürlich: Mal wird zuerst auf ein Haus geschossen und danach eine Geldforderung an die zufällig Betroffenen gestellt, mal ist die Reihenfolge umgekehrt.

Zur Erpressung setzen die Täter teils Kriegswaffen, teils Maschinenpistolen ein, um Angst zu verbreiten. Für die Bevölkerung besteht zwar keine konkrete, wohl aber eine abstrakte Gefahr. Schüsse, die teils aus fahrenden Autos abgegeben werden, könnten Menschen in den Häusern treffen.

Andere Straftaten ordnet Huth als Streit im kriminellen Milieu ein, bei dem es um die Durchsetzung von Forderungen geht. Dort seien die Täter überwiegend Jugendliche, die über das Internet angeworben werden. Das Landeskriminalamt NRW erklärt, die Hintergründe der jüngsten Taten müssten erst noch ermittelt werden. Allein aus der Abgabe von Schüssen lasse sich jedoch kein generelles Urteil über die Täter ableiten.

Gen-Z-Mafia in NRW: Schutzgelder, Brandanschläge, Schüsse

In früheren Fällen war die sogenannte Gen-Z-Mafia in NRW vor allem durch Schutzgelderpressungen aufgefallen. Laut LKA kamen Sachbeschädigungen durch Schüsse und Brandanschläge hinzu.

Die Gruppen bestehen überwiegend aus Personen, die zwischen 1995 und 2012 geboren wurden, daher auch der Name. Sie haben flache Hierarchien und wechselnde Mitglieder. Straftaten begehen sie im Kollektiv, wobei jedes Mitglied eine feste Rolle hat.

Rund 20 Taten verzeichnet: LKA NRW nennt Zahlen

Dem LKA NRW liegen Erkenntnisse zu rund 20 Sachverhalten in NRW vor. In sechs Fällen kam es zu Schusswaffendelikten, in zwei weiteren wurde lediglich Munition in einem Kuvert hinterlassen, wie eine Sprecherin mitteilte. Zuerst hatte die Rheinische Post (RP) über diese Zahlen berichtet.

Seit Februar 2026 werden Straftaten, die der Gen-Z-Mafia zugerechnet werden, gesondert erfasst. Schwerpunkte liegen in den bevölkerungsreichen Städten der Rhein-Ruhr-Schiene.

Ernst Herget warnt vor hoher Gewaltbereitschaft der Gen-Z-Gruppen

Ernst Herget, Vorstand für Kriminalitätsangelegenheiten bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), warnt vor der hohen Gewaltbereitschaft der Gruppierungen. Hinter den selbstironisch klingenden Namen und dem Auftreten in sozialen Medien verberge sich eine brutale Realität, sagte er der RP.

Die Namen wirkten hip, sollten aber eine Art Pseudo-Selbstironie signalisieren, so Herget im RP-Gespräch. Das könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gen Z rücksichtslos brutal sei und eine kurze Zündschnur habe.

Bei vielen Taten geht es laut Herget zwar um Schutzgelder. Mit der Mafia im klassischen Sinn seien die Gruppen aber nicht gleichzusetzen. Prägend seien vielmehr ein krimineller Lebensstil, Macht- und Posergehabe sowie die Inszenierung im Internet und in sozialen Medien.

Diese Dynamik ziehe auch weitere Personen an, warnt Herget: Es rufe Trittbrettfahrer auf den Plan. Für die Polizei bedeute das eine zusätzliche Herausforderung, weil die Ermittler immer neuen Formen organisierter Kriminalität gegenüberstünden.

Schüsse auf Gebäude in mehreren Städten im Land

In den vergangenen Tagen wurden in einer Reihe von Städten quer durch NRW Schüsse auf Gebäude registriert. Eine Ermittlungskommission in Bielefeld geht dabei neun Taten mit fünf Geschädigten in Bielefeld nach, dazu je eine Tat mit einem Geschädigten in den Kreisen Gütersloh und Herford. Auch in Köln, in Brühl zwischen Köln und Bonn sowie in Troisdorf bei Bonn fielen Schüsse. Nach Angaben der Polizei wurde dabei niemand verletzt.

Am frühen Sonntagmorgen schoss ein unbekannter Täter mehrfach auf eine Autovermietung in Kirchlengern (Kreis Herford). Nach Polizeiangaben hielt sich zu dieser Zeit niemand in dem Gebäude auf. (dpa/red)