Neuer Kreisverkehr Sorge im Veedel: Kölner bangen um alte Kastanie

Die alte Kastanie in Nippes an der Kreuzung Neusser Straße/ Auerstraße.

Die alte Kastanie in Nippes an der Kreuzung Neusser Straße/ Auerstraße /Kempener Straße. Die Anwohner kümmern sich seit Generationen liebevoll um den Baum.

Anwohner in Nippes sorgen sich um einen wahren Veteranen des Veedels. Die alte Kastanie an der Kreuzung Neusser Straße/ Auerstraße/ Kempener Straße sei gefährdet. Die Stadt gibt nun ein klares Statement ab.

Ein Veedel kämpft um eine seiner Institutionen: Der Kastanienbaum in Nippes an der Kreuzung Neusser Straße/ Auerstraße/ Kempener Straße hat schon einiges miterlebt. Offiziell wurde der Baum 1942 gepflanzt – außerdem gilt er als Naturdenkmal.

Anwohnerin Jennifer Flor besitzt jedoch Fotoaufnahmen, die die Kastanie sogar noch vor dem Ersten Weltkrieg zeigen. Um die Verkehrsführung an der starkfrequentierten Kreuzung einfacher zu gestalten, wurde in dem Bereich der Bau eines Kreisverkehrs geplant. Jennifer Flor und einige weitere Anwohner befürchten nun, dass die gewaltige Kastanie den Plänen zum Opfer fallen könnte.

Köln: Anwohner in Sorge um alten Baum: „Beruhigt und keineswegs“

Jennifer Flor wohnt praktisch „in“ der Kastanie. Aus dem ersten Obergeschoss des Eckhauses, in dem sie lebt, hat sie einen direkten Blick in die Verästelungen des Baumes: „Mein Urgroßvater hat dieses Haus hier bauen lassen, 1917 wurde es fertiggestellt. Da hatte der Baum schon knapp acht Meter hoch.“ Sie und viele weitere Anwohner in Nippes kümmern sich bereits jahrelang liebevoll um den pflanzlichen Riesen.

Der alte Kastanienbaum in Nippes.

Aus ihrem Fenster heraus hat Jennifer Flor einen direkten Blick in den alten Kastanienbaum.

„Die Anwohner dieses Viertels, vor allem die ‚Ureinwohner‘ kennen diesen Baum alle ihr ganzes Leben lang“, sagt Jennifer Flor, „unser ganzes Haus gießt Sommer für Sommer die Kastanie und so ein Baum braucht sehr viel Wasser. Deshalb tragen wir immer unzählige 20 Liter-Kannen im Sommer täglich dorthin oder legen einen Schlauch aus unserem Hof an die Kastanie, wenn es richtig trocken ist.“

Eine Collage des alten Kastanienbaumes in Nippes.

Der als Naturdenkmal deklarierte Kastanienbaum hat bereits einiges erlebt. Auf dieser Collage ist der Baum einmal heute und einmal kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu sehen.

Doch nun machen sich die Liebhaber der Nippeser Kastanie Sorgen um den großen „Mitbewohner“. „Wir haben mit Vertretern der Grünen Bezirksvertretung darüber gesprochen. Sie haben zwar in einem Änderungsantrag erwähnt, dass beim Bau des Kreisverkehrs möglichst Rücksicht auf den Baum genommen werden solle, aber das beruhigt uns keineswegs“, stellt Flor klar.

Nippes: Stadt gibt Entwarnung – Kastanie soll erhalten bleiben

Auf EXPRESS.de-Anfrage gibt ein Sprecher der Stadt nun aber Entwarnung: „Der Erhalt dieses Baumes ist in der Planung des Kreisverkehrs berücksichtigt. Von wesentlicher Bedeutung ist dabei die Tatsache, dass in der aktuellen Planung keine Verkleinerung der Baumscheibe vorgesehen ist. Die bestehende Begrenzung wird beibehalten, nach Westen hin wird die Baumscheibe sogar vergrößert.“

Eventuell anderslautende Aussagen von Dritten über eine Baumfällung würden nicht dem derzeitigen Projektstand entsprechen. „Die vorgesehene Suchschachtung beim Ausbau wird zeigen, wie sich die Baumwurzeln der Kastanie entwickelt haben – nah an der Oberfläche oder tiefer gelegen. In Absprache mit dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen werden die Ergebnisse der Suchschachtung zu gegebener Zeit ausgewertet. Abhängig von den Ergebnissen, werden evtl. ergänzende Schutzmaßnahmen für die Kastanie festgelegt“, erklärte der Sprecher weiter.

Damit scheint der Erhalt des Baum-Veteranen gesichert – und die Anwohner können sich schon mal die nächsten 20 Liter-Kanister für den Sommer bereitstellen.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.