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Ralf SchmitzKI macht ihn zum „hohen Tier“ bei den Blauen Funken

Komiker Ralf Schmitz lacht in die Kamera

Ralf Schmitz besuchte den EXPRESS in der Redaktion. Am 6. März ist er mit seinem Programm „Schmitzfindigkeiten“ in der Kölner Lanxess-Arena.

Comedian Ralf Schmitz hat mit uns über Spitzfindigkeiten, Katzen, Karneval und eine kuriose KI-Konfusion gesprochen.

Ralf Schmitz ist einer der großen Namen in der deutschen Comedy-Branche. Als immer gut gelaunter Wirbelwind tingelt er durch sämtliche TV-Comedy-Formate: Von der „Schillerstraße“ damals bis zu „LOL“ bei Amazon Prime Video. Mit seinen Live-Shows füllt er die großen Hallen.

Am 6. März ist er mit seinem aktuellen Programm „Schmitzfindigkeiten“ in der Kölner Lanxess-Arena zu Gast (Tickets gibt es ab rund 53 Euro). EXPRESS hat den Komiker zum großen Talk getroffen.

Ralf Schmitz: „Die Spülmaschine räume ich immer perfekt ein“

Herr Schmitz, um welche „Schmitzfindigkeiten“ geht es im Programm?

Ralf Schmitz: Ich lasse es jeden Abend ein bisschen drauf ankommen, weil ich viel improvisiere und ins Publikum gehe und mir anhöre, welche Spitzfindigkeiten die Leute mitgebracht haben, was die Menschen über sich selbst oder auch über ihre Partner sagen. Ganz oft kommt das Beispiel Spülmaschine-Einräumen. Oder Socken herumliegen lassen. Es sind diese Alltäglichkeiten, die wahnsinnig Spaß machen, weil ich sie in die Show einbinden kann.

Bei Ihren Auftritten fragen Sie Pärchen im Publikum, was sie am jeweils anderen nervt. Was würde man da über Sie sagen?

Ralf Schmitz: Also zuerst: Ich räume die Spülmaschine immer perfekt ein. Ich finde mein System gut, kann aber auch andere Systeme akzeptieren. Sehr spitzfindig bin ich beim Autofahren, bei Verkehrsregeln. Nicht, weil ich ständig Leute anschwärze, weil sie falsch parken. Aber im laufenden Verkehr mag ich es, wenn die Leute effizient und regelkonform fahren. So kämen wir alle gut durch den Verkehr …

Also: Alle, die schneller fahren als man selbst, sind Raser. Die, die langsamer fahren, Schleicher …?

Ralf Schmitz: Genau so! Nur man selbst fährt absolut korrekt und sinnvoll. Und ich bin ein Aufräumer! Ich muss jetzt nicht die Bleistifte parallel zur Tischkante sortieren, aber ich räume die Jacke weg, die liegt nicht den ganzen Tag auf der Couch.

Sie wirken immer so fröhlich. Ist das einfach Ihr Naturell?

Ralf Schmitz: Ich glaube, das ist ein Naturell. Ich glaube auch, dass viele Leute denken, es gibt da wenig Differenzierung, bloß weil man etwas positiver durchs Leben geht. Das heißt nicht, dass man nicht auch mal Zuhause sitzt und grübelt. Aber ich sehe immer eher das halbvolle Glas – ohne, dass man alles andere ausblendet. Es ist aber auch eine Entscheidung.

Waren Sie schon immer ein Hibbel?

Ralf Schmitz: Ich würde es als schnell bezeichnen. Die Leute sagen im Zusammenhang mit mir gerne ja auch hektisch. Aber hektisch klingt unkontrolliert. Das Gefühl habe ich nicht. Vielleicht wirkt es nach außen so. Dabei habe ich für mich selbst schon eine extreme Struktur: Ich weiß, wohin ich will, was ich sagen will, wie ich mich bewege.

Wie kommen Sie zur Ruhe?

Ralf Schmitz: Musik. Lesen, Filme schauen, Freunde treffen. Da sitze ich nicht am Tisch und rede in irrsinnigem Tempo mein Programm vor mich hin.

Sie finden, so steht es im Text zu Ihrem Programm, man dürfe nicht alles so genau nehmen. Was nervt Sie am meisten?

Ralf Schmitz: Was ich meine ist, dass die Menschen viel mehr mit dem anderen beschäftigt sind, als mit sich selbst. Das finde ich störend und anstrengend. Warum musst du den anderen sortieren? Was gefällt dir nicht am anderen? Lach doch lieber darüber, weil du es vielleicht anders machst. Es ist außerdem viel sinnvoller, sich selbst zu entwickeln. Dann muss man auch nicht die ganze Zeit an anderen rumnörgeln. Das bringt Menschen irgendwann auseinander. Und was viele an anderen Menschen stört, ist ja eigentlich etwas, das ihnen an sich selbst nicht gefällt. Nur merkt man das nicht so.

Ralf Schmitz mit Laura Schmidl

Ralf Schmitz im Gespräch mit mit Sonntag-EXPRESS-Redakteurin Laura Schmidl.

Auf Ihrem Instagram-Katzenkanal hört man schon länger nichts mehr. Manch ein Follower hat sich schon gesorgt. Wie geht's „Hildegard“?

Ralf Schmitz: Sie lebt, sie lebt! Es geht ihr gut. Es ist schon etwas her, dass sie etwas gepostet hat. Da werde ich mal mit ihr schimpfen.

Wie kommt's, dass Sie ein Katzenmensch sind? Man könnte denken – weil Sie so wuselig sind – dass Sie eher Hundemensch seien ...

Ralf Schmitz: Ich hatte sehr früh eine Katze, ich war ungefähr acht Jahre alt. Im Tierheim haben wir eine Katze ausgesucht – oder, sie hat mich ausgesucht. Diese Katze ist 27 Jahre alt geworden. Das war schon prägend. Ich wollte damals aber auch keinen Hund haben – ich mag Hunde, man muss sich ja gar nicht entscheiden. Aber ich war als kleines Kind sehr auf Katzen fixiert. Ich habe mal ein altes Foto gefunden, aus dem Urlaub, da war ich zwei oder drei Jahre alt und habe eine Riesenkatze auf dem Arm – und ich wirkte sehr glücklich. Das war vielleicht der Auslöser.

Was mögen Sie an Katzen?

Ralf Schmitz: Sie haben einen besonderen Charakter, sind eigenständig, machen ihre eigenen Sachen. Was nicht stimmt: dass sie nicht gesellig seien! Man lebt wirklich zusammen. Sie haben nur eine andere Sprache, mit Familie umzugehen.

Was ist „Hildegard“ für ein Charakter?

Ralf Schmitz: ‚Hildi‘ ist ein super Charakter, sehr cool, sie kratzt und faucht überhaupt nicht. Sie quatscht auch viel. Und nein, das liegt nicht am Besitzer, das war schon immer so. Wenn man ‚Guten Morgen Hildi‘ sagt, macht sie: ‚Mau, mau, mau‘. Man bekommt immer eine Antwort, man kann sich den ganzen Tag mit ihr unterhalten.

Comedian Ralf Schmitz spricht mit Menschen im Publikum seiner Show "Schmitzfindigkeiten"

Bei seinen Shows fragt Ralf Schmitz auch gerne das Publikum aus – wie hier im Januar 2025 in Düsseldorf.

Sie haben einen Podcast, „Spontanorama“ – war da der Wunsch, mehr zu machen, als reine Comedy?

Ralf Schmitz: Ja. Tatsächlich, um ein bisschen differenzierter zu reden, mehr in die Tiefe zu gehen, länger zuhören zu können. Das Thema ist der Zufall – die Menschen, die durch die Tür kommen, kenne ich nicht. Auch das Gespräch entsteht zufällig, wo es uns gerade hintreibt. Das war mein großer Wunsch, dass man dem ganzen Raum und Zeit gibt. Bisher gab es dadurch auch immer tolle Momente, weil die Menschen gehört werden.

An wen erinnern Sie sich am stärksten – und warum?

Ralf Schmitz: Einige. Da gab es einen Mathematikprofessor von der Uni Köln, eigentlich schon emeritiert, der aber immer noch Vorträge hält und weiter forscht. Er kam mit seiner Frau, das war ein fantastisches Gespräch. Uschi, die seit 40 Jahren in der Kneipe im „Knobelbecher“ um die Ecke von unserem Studio arbeitet. Das war unheimlich echt und authentisch. Ich hatte einen Mönch da, mit dem ich tatsächlich über Gott philosophiert habe.

Sind Sie gläubig?

Ralf Schmitz: Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt. Das war eine kleine Kontroverse. Aber wir haben sehr gut über diese unterschiedlichen Ansätze gesprochen.

Googelt man „Ralf Schmitz“ und „Karneval“, kommt das KI-Ergebnis, dass Sie eine große Verbindung zum Karneval haben und sogar Schatzmeister bei den Blauen Funken sind – da hat die KI aber einen anderen Ralf Schmitz zu Ihnen gemacht. Wie sieht's in echt aus mit Karneval, der in Köln – und auch in Ihrer Heimat Bonn – jetzt ansteht?

Ralf Schmitz: (lacht) Ich trete oft im Karnevalszeitraum auf, aber nicht in Köln, da gibt's dann nur Karneval. Ich bin dann woanders unterwegs. Da könnte ich mich auch gegen entscheiden, ich mag Karneval. Ich muss aber auch nicht unbedingt zur Sitzung. Aber wenn ich jetzt so drüber rede, denke ich: Ich müsste mal wieder Karneval feiern – einfach zum Zoch, das letzte Mal ist zwei Jahre her. Eine Freundin hat eine super Wohnung, da kommen die Kamelle nur so reingeflogen.

Sie haben in Ihrem Podcast mal realisiert, dass Sie ein Karnevalskind sein könnten … Sie sind im November geboren, neun Monate zurück – würde schon passen. Haben Sie das mal weiter eruiert?

Ralf Schmitz: Ich habe die Gedanken in diese Richtung direkt nach dem Podcast abgeschaltet, weil ich mir meine Eltern nicht vorstellen wollte …

Da muss ich jetzt nicht weiter forschen. Haben Sie zum Abschluss noch einen Lieblingswitz?

Ralf Schmitz: Ja, ein schrecklicher Anti-Witz: Wer schummelt im Dschungel? Mogli.

Ralf Schmitz: Impro-Künstler, Komiker, Podcast-Host

Ralf Schmitz wurde am 3. November 1974 in Leverkusen geboren und ging dort auch zur Schule, nahm zu dieser Zeit schon an Theateraufführungen teil. War vier Jahre lang Teil der „Springmaus“, dem Improvisationstheater in Bonn und lernte von Bill Mockridge. 2003 bis 2004: TV-Show „Die Dreisten Drei“ mit Mirja Bös und Markus Majowski, Gewann dafür den Deutschen Comedypreis als bester Newcomer. 2004 bis 2006 war er Teil der Impro-Show „Schillerstraße“, die u. a. den Deutschen Comedypreis und den Fernsehpreis gewann.

Regelmäßig ist er Gast bei „Genial daneben“. Spielte u. a. mit in Otto Waalkes in den „7 Zwerge“-Filmen. Moderierte von 2013 bis 2021 das Datingformat „Take Me Out“ bei RTL und ist als Synchronsprecher aktiv, zuletzt in „Die Schule der magischen Tiere“. Schmitz hat mehrere Bücher geschrieben, z. B. „Schmitz Katze“. In seinem Podcast „Spontanorama“ spricht er mit Menschen, die zuvor spontan auf der Straße ausgewählt wurden er selbst kennt sie vorab nicht. Schmitz wohnt in Bonn. Über Partnerschaften oder Kinder spricht er nicht.

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