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Preis-Check in den SälenKarneval geht ins Geld – Kölsch-Schallmauer durchbrochen

Blick auf die Tische bei einer Karnevalsveranstaltung in Köln.

Wenn in Kölns Sälen Karneval gefeiert wird, gehen auch stets etliche Getränke und Speisen über die Tische. Die Preise dafür haben sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht.

„Wer soll das bezahlen?“, sang einst Jupp Schmitz. Die Preise steigen im Karneval wie überall im täglichen Leben. EXPRESS.de machte den Check und sprach mit den Betreibern der Säle.

Nach drei Wochen Sitzungskarneval sind sich die Verantwortlichen einig: Die Stimmung ist hervorragend, die Atmosphäre friedlich, die Jecken hungrig nach Karneval. Auch wenn an einigen Tagen mitunter zehn Top-Veranstaltungen parallel in der Stadt stattfinden, sind die Säle fast überall proppenvoll.

Obwohl die steigenden Preise in vielen Lebensbereichen den Menschen zusetzen, scheinen sie beim Spaß in der fünften Jahreszeit nicht sparen zu wollen. Dabei kann ein Sitzungsbesuch ordentlich ins Geld gehen. Ist das Volksfest bald nur noch etwas für Besserverdienende?

Blick in die Säle beim Kölner Karneval: Was kosten die Getränke?

Die 3-Euro-Schallgrenze für ein Glas Kölsch (0,2 Liter) ist in fast allen Sälen der Stadt schon durchbrochen. Auch für alkoholfreie Getränke werden stolze Preise aufgerufen.

EXPRESS.de machte den Saalcheck und sprach mit den Verantwortlichen. Das Urteil, wie die Gäste auf das Preisniveau reagieren, fällt unterschiedlich aus.

Die meisten Veranstaltungen – 116 Stück an der Zahl – wickelt erneut Koelncongress in Gürzenich, Flora, Theater am Tanzbrunnen und dem Congress-Centrum ab. „Wir sind mit der Auslastung sehr, sehr zufrieden. Die Gesellschaften geben uns auch nur positives Feedback“, sagt Geschäftsführer Ralf Nüsser zu EXPRESS.de.

In allen vier Locations kostet das Kölsch 3,10 Euro. Wein gibt es im Gürzenich ab 28 Euro, in der Flora ab 36 Euro. „Wir haben nach der Mehrwertsteuer-Senkung zu Jahresbeginn bewusst die Preise nicht angefasst, um bei der Kalkulation erst einmal Ruhe hereinzubekommen“, sagt Nüsser.

Sein Zwischenfazit: „Wir erkennen aktuell erfreulicherweise trotz nicht erhöhter Getränkepreise leichte Umsatzerhöhungen und ein überdurchschnittlich feierfröhliches Verhalten.“

Patrick Lück zapft ein Kölsch hinter der Theke.

Was kostet das Kölsch in der Session? Höhner-Frontmann Patrick Lück hat sich aus Spaß auch mal am Gürzenich-Zapfhahn betätigt.

Die Mitarbeitenden im Pullman-Hotel stehen aktuell natürlich unter dem Eindruck der angekündigten Schließung zum Jahresende. Dort kostet ein Kölsch 3 Euro. „Die Preise des Speisenangebotes wurden aufgrund der Mehrwertsteuer-Senkung nicht erhöht“, teilt das Hotel mit. „Nach wie vor sind wir motiviert, für unsere Gäste das Beste zu geben“, schrieb General Manager Sabine van der Wolf an die Vereine.

In den beiden Sartory-Sälen finden in dieser Session rund 40 Veranstaltungen statt. Der Kölsch-Preis wurde von 2,70 Euro auf 2,80 Euro pro Stange erhöht und ist damit der niedrigste im Saal-Vergleich. Das Pittermännchen kostet 135 Euro, was einem Glaspreis von 2,70 Euro entspricht. Für eine Flasche Wasser sind hingegen stolze 11,11 Euro fällig.

Das Thekenteam im Sartory-Saal rund um Marcus Sartory.

Marcus Sartory (3.v.l.) mit seinem Team hinter der Theke. Der Geschäftsführer leitet das Traditionshaus seit 2012.

„Die Besucherzahlen sind konstant. Es gibt aber Formate, bei denen wir eine gewisse Konsumzurückhaltung spüren“, sagt Sartory zu EXPRESS.de. „Die Rendite nimmt für uns auf jeden Fall immer mehr ab. Denn die Kosten sind seit Corona um 24 Prozent gestiegen“, sagt er mit Verweis auf Veranstaltungstechnik, Hausmeisterteam, Reinigungskräfte und Dekoration. „Auch haut die Erhöhung des Mindestlohns in der Gastronomie voll durch.“

Was dem Geschäftsführer hauptsächlich sauer aufstößt, sind die hohen Auflagen. „Wir regulieren uns in den Details durch immer neue Forderungen nach Modernisierungen zu Tode“, sagt Sartory. „Den enormen Kostendruck sieht keiner.“ Dass im Saal jedes Jahr ein individuelles Bühnenbild zu sehen ist, ist hingegen Herzensangelegenheit. „Wir möchten das Motto künstlerisch umsetzen und setzen viel Fleiß und Einsatz in die Details.“

Ein Knabberteller steht auf einem Tisch.

Knabberteller sind bei den Sitzungen ebenfalls sehr beliebt. Im Maritim-Hotel kostet die einfachste Ausführung 16 Euro.

Pro Sitzung sind rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sartory unterwegs. „Bei einer gut besuchten Veranstaltung läuft das Personal rund 15 Kilometer“, hat der Hausherr ermittelt. Trotz Kostendruck und Stress sei die fünfte Jahreszeit immer noch die schönste im Jahr. „Diese unvergleichbare Stimmung und die vielen persönlichen Kontakte machen den Karneval so besonders.“

Der Preis-Überblick über Kölns bekannteste Karnevalssäle

  1. Koelncongress (Gürzenich, Flora, Theater am Tanzbrunnen, Congress-Centrum):
  2. Kölsch: 3,10 €
  3. Cola: 4,10 €
  4. Wasser (0,2): 3,50 €
  5. Longdrink: 10 €
  6. Wein: ab 28 €
  7. Currywurst mit Brötchen: 7,80 €
  8. Maritim:
  9. Kölsch: 3,10 €
  10. Cola: 3,90 €
  11. Flasche Wasser: 9,90 €
  12. Longdrink: 12 €
  13. Wein: ab 35 €
  14. Currywurst mit Kartoffeln: 14 €
  15. Sartory:
  16. Kölsch: 2,80 €
  17. Pittermännchen: 135 €
  18. Cola (0,5): 6,50 €
  19. Flasche Wasser: 11,11 €
  20. Wein: ab 25,90 €
  21. Currywurst mit Pommes: 11,90 €
  22. Pullman:
  23. Kölsch: 3 €
  24. Pittermännchen: 127,50 €
  25. Cola: 4 €
  26. Flasche Wasser: 9,50 €
  27. Longdrink: 7,50 €
  28. Wein: ab 32 €
  29. Dorint:
  30. Kölsch: 3 €
  31. Pittermännchen: 135 €
  32. Cola: 4 €
  33. Flasche Wasser: 9 €
  34. Longdrink: 12 €
  35. Wein: ab 29 €
  36. Stadthalle:
  37. Kölsch (0,3): 4,30 €
  38. Pittermännchen: 125 €
  39. Flasche Wasser: 7,90 €
  40. Wein: ab 24 €
  41. Currywurst mit Pommes: 11,11 €

In der Stadthalle Köln wird Kölsch in 0,3-Liter-Gläsern zu 4,30 Euro serviert. „Da können und wollen wir auch nicht günstiger werden, die Brauereien haben in den vergangenen Jahren relativ brutal die Preise erhöht“, sagt Inhaber Daniel Rabe zu EXPRESS.de. „Wo wir uns bewusst abheben möchten, sind Wein und Essen.“ So kostet der Grauburgunder nur 24 Euro die Flasche.

„Zudem kochen wir selbst und jeden Abend für jeden Gast frisch.“ Die Senkung der Mehrwertsteuer würde direkt an den Saal weitergegeben, indem Bergische Rostbratwürste mit Kartoffelpüree und Sauerkraut beispielsweise für 11,11 Euro angeboten würden.

Mit der Erhöhung des Mindestlohns habe das Team der Stadthalle nichts zu tun. „Schon immer haben wir deutlich darüber gezahlt“, sagt Rabe. „Eine Flasche Wasser kostet beispielsweise 7,90 Euro – ein zu hoher Preis, aber dafür können wir unsere Leute gut und fair bezahlen.“

Die Nippeser Bürgerwehr bei der Scheckübergabe in der Gesamtschule.

Jecke Ecke

Spende für Zoch-Teilnahme der Pänz