Keine Seltenheit, sondern trauriger Alltag für unzählige Menschen. Eine aktuelle, repräsentative Studie legt offen, wie verbreitet Ausgrenzung hierzulande ist. Die Ergebnisse sind ein harter Test für die deutsche Gesellschaft.
Studie mit SprengkraftMillionen fühlen sich in Deutschland wie Menschen zweiter Klasse

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Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, sagt: «Das Ausmaß an Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land.» (Archivfoto)
Ausgrenzung gehört in Deutschland zum Alltag. Die Nachrichtenagentur dpa meldet auf Basis einer repräsentativen Erhebung, dass Benachteiligungen häufig im Dienstleistungssektor vorkommen. Das passiert beim Shoppen, bei Bankgeschäften, im Lokal oder vor der Disco-Tür. Grundlage der Auswertung ist das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP), eine Umfrage mit jährlich circa 30.000 Teilnehmenden.
Die Ergebnisse zeigen: 13,1 Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben innerhalb der letzten zwölf Monate Ausgrenzung erfahren. Das heißt auch für Köln und die Umgebung: Tausende sind mit Benachteiligung und Anfeindungen konfrontiert.
Ataman: „Belastungsprobe für unser Land“
Ferda Ataman, die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, findet deutliche Worte: „Das Ausmaß der Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land“. Sie mahnt, eine Gesellschaft, in der sich neun Millionen Menschen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse vorkommen, sei „instabil und anfällig“.

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Im Januar gab der Bundesgerichtshof einer Frau recht, die mit ihrem pakistanischen Namen von einem Maklerbüro keinen Besichtigungstermin für eine Mietwohnung erhalten hatte. Sie berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. (Archivfoto)
Laut der Erhebung sind die Konsequenzen von Ausgrenzung schwerwiegend. Genannt werden eine niedrigere Zufriedenheit mit dem Leben, ein schlechterer Gesundheitszustand, seelischer Druck und schwindendes Vertrauen in staatliche Institutionen.
Rassismus ist der Hauptgrund für Ausgrenzung
Am häufigsten geben die Betroffenen rassistische Motive oder ihre ethnische Herkunft als Ursache für die erlebte Benachteiligung an (41,9 Prozent). Wegen ihres Äußeren fühlt sich gut eine von vier Personen zurückgesetzt (25,9 Prozent). Das Geschlecht oder die geschlechtliche Identität war für 23,8 Prozent der Grund für Diskriminierungserlebnisse.
Muslimische Frauen besonders stark betroffen
Die Zahlen für Muslime sind besonders alarmierend: 28,6 Prozent von ihnen gaben an, ausgegrenzt worden zu sein. Dieser Wert liegt signifikant über dem von Nicht-Muslimen (10,4 Prozent).

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Die Befragung zeigt: Auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln erleben Menschen häufig Diskriminierung. (Symbolbild)
Die Studie zeigt, dass muslimische Frauen mit Kopftuch am stärksten unter Anfeindungen leiden. Über 38 Prozent aus dieser Gruppe gaben an, innerhalb eines Jahres nach ihrer persönlichen Wahrnehmung benachteiligt worden zu sein.
Erschreckend: Die Mehrheit der Betroffenen wehrt sich nicht
Ein Punkt der Studie, der wirklich aufhorchen lässt: Die meisten Menschen, die Ausgrenzung erfahren, tun nichts dagegen. Unglaubliche 56 Prozent der Betroffenen schweigen. Lediglich 8,1 Prozent legen eine formelle Beschwerde ein.
Juristische Hilfe wird noch seltener in Anspruch genommen. Nur 2,6 Prozent der Personen mit Ausgrenzungserfahrungen haben rechtliche Maßnahmen ergriffen. Insbesondere junge Leute wehren sich laut der Erhebung kaum mit juristischen Mitteln.
Die Verfasser der Studie betonen, dass die gemeldeten Erlebnisse in die Zeit von Mai 2021 bis Januar 2023 fallen. In dieser Periode war der Alltag in Deutschland maßgeblich von den Beschränkungen der Corona-Pandemie bestimmt. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

