Kölns jecke SzeneKlare Absage an weibliches Dreigestirn: „Karneval ist nicht reif für sowas“

Talkrunde mit Stefan Kleinehr, Stefan Löcher, Patrick Lück, Marlies Stockhorst, Guido Cantz und Christoph Kuckelkorn.

Zehn Wochen vor dem 11.11. steigt die Lust der Jecken auf die neue Karnevalssession bereits wieder. Die Agentur Go hatte deshalb zum großen Branchentreff eingeladen. Es wurde eifrig diskutiert.

Mehr Karneval auf einem Fleck geht nicht. Die Event- und Künstleragentur Go hatte am Mittwochabend (30. August 2023) zum großen „Go-together“ in die Stadthalle Köln eingeladen. 400 Gäste aus der jecken Szene tauschten sich aus und nutzten die noch entspannte Phase, um zu diskutieren.

Wenn in zehn Wochen mit dem 11.11. die neue Session eingeläutet wird, wäre solch ein Massenauflauf der Bands, Rednerinnen und Redner sowie Gesellschaften nicht mehr möglich. Agentur-Chef Horst Müller hatte mit seinen Mitstreitern Guido Cantz und Martin Zylka alle zusammengetrommelt.

Event- und Künstleragentur Go hatte zum Karnevals-Netzwerken geladen

Höhner, Bläck Fööss, Räuber, Klüngelköpp, Marita Köllner, Cat Ballou, Domstürmer, Eldorado, Fiasko, Funky Marys, Kempes Feinest, Lupo, Micky Brühl und Amago vertraten die Musikszene. Martin Schopps, Jürgen Beckers, Achnes Kasulke, Dä Tuppes vum Land, Et Klimpermännche, Ingrid Kühne, Klaus & Willi sowie Willibert Pauls waren ebenfalls gekommen.

Alles zum Thema Guido Cantz

Bei Kölsch und leckeren Tapas wurde aber auch ernsthaft debattiert. Nach wie vor kämpfen viele Gesellschaften um Gäste für die Sitzungen. Aktuell melden die Karnevalsvereine eine Verkaufsquote zwischen 60 und 80 Prozent für ihre Veranstaltungen. „Die Leute schätzen Livemusik und wollen wieder Spaß haben wie vor Corona. Dennoch müssen wir auch neue Wege gehen“, sagte Höhner-Sänger Patrick Lück.

Die Geschäftsführer von Go Martin Zylka, Horst Müller und Guido Cantz.

Die Geschäftsführer von Go: Martin Zylka, Horst Müller und Guido Cantz (v.l.) hatten zum Netzwerken geladen.

Kölns Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sieht weiterhin eine Verunsicherung bei den Menschen. „Wir kommen langsam wieder in eine Normalität beim Karneval. Es läuft schon besser als im Vorjahr. Deshalb gehen wir auch mit Optimismus in die Session. Dennoch müssen wir alle noch mehr zusammenstehen.“

Seine Kollegin Marlies Stockhorst vom Festausschuss Bonner Karneval hat eine Veränderung beim jecken Volk beobachtet. „Die Menschen gehen nicht mehr auf vier, fünf Veranstaltungen, sondern nur noch auf eine und feiern ansonsten in ihrem Viertel. Die hohen Preise, beispielsweise beim Bier, schrecken auch viele ab.“

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Lanxess-Arena-Chef Stefan Löcher sieht bei den Top-Events weniger Probleme. „Alle Menschen wollen wieder leben, wollen Emotionen. Die Politik tut allerdings nicht alles dafür, dass die Kaufkraft wieder steigt.“ Dennoch konnte er stolz vermelden, dass in dieser Session erstmals auch der Oberrang der Arena bei der „Lachenden“ mit in den Verkauf geht, um dem Andrang gerecht zu werden.

Lanxess-Arena: „Lachende“ diesmal auch mit Plätzen im Oberrang

Die immer wieder konstruierte Debatte um ein weibliches Dreigestirn in Köln war ebenfalls Thema beim Treffen der Szene. „Wir sind im Karneval für alles offen“, sagte Kuckelkorn. „Aber auch in den gemischten Gesellschaften sehe ich nur selten eine Frau an der Spitze. Solange das so ist, ist der Karneval noch nicht reif für so etwas.“

Zur Seite sprang ihm dabei die Bonner Präsidentin. „Ich bin eine große Traditionalistin. Wir haben bei uns Prinz und Bonna. Und in Köln gibt es ein wunderbares männliches Dreigestirn“, sagte Stockhorst unter Applaus der Gäste.