Kommentar Helau nach Düsseldorf: Zoch-Absage zeigt das wirkliche Problem der Pandemie

Rosenmontag in Düsseldorf

Jecke feiern an Rosenmontag 2019 in Düsseldorf. 

Düsseldorf hat im Alleingang den Rosenmontagszug 2022 abgesagt und neu terminiert auf Mai 2022. „Damit erweisen sie dem Karneval einen Bärendienst“, meint unser Autor. Ein EXPRESS.de-Kommentar.

Gibt es eigentlich derzeit nichts Wichtigeres als den Karneval? Manch einer, der dem Fest noch nie etwas abgewinnen konnte, wird das jetzt wieder groß und breit in die Kommentarspalten schreiben. Allerdings: Der Karneval ist eben auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Was sich im Großen zeigt, wird anhand der Düsseldorfer Zoch-Absage leider auch jetzt wieder sichtbar: Es geht ein tiefer Riss durch unser Land. Ähnlich wie in der Politik preschen Institutionen unüberlegt vor. Es wird diskutiert und gestritten, als gäbe es kein Morgen.

Dabei sollte es auch „Karnevalsmuffeln“ nicht egal sein, was derzeit mit diesem Fest passiert: Nicht nur in Köln – im gesamten Rheinland ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, von dem Existenzen abhängen. Es ist ein Milliardengeschäft geworden.

Umso unverständlicher ist deshalb die unsensible Vorgehensweise der Macher in Düsseldorf: Um Gelder für den Titel „immaterielles Kulturerbe“ einzustreichen, schunkelte man eben noch friedlich Arm in Arm mit Köln, Bonn und Aachen.

Düsseldorf verkennt Signalwirkung 

Offenbar unfähig, die breite und bundesweite Signalwirkung abzuschätzen, sagte man dann ohne Absprache den eigenen Zoch ab. Das viel zitierte: „Wir halten zusammen im Rheinland?“ Pustekuchen.

Welcher Schaden ist jetzt entstanden? Veranstalter, Künstler, Vereine – sie alle sind durch diese fatale Signalwirkung noch viel unsicherer geworden. Düsseldorf treibt mit seiner Entscheidung die ehrenamtlichen Vereine vor sich her und setzt sie abermals so unter Druck, dass ihnen die Luft zum Atmen bleibt. Und das 13 Wochen vor dem eigentlichen Termin.

Den anderen Machern im Rheinland ist jetzt zu wünschen, dass sie ruhig bleiben. Überlegte Entscheidungen und Äußerungen treffen. Immer die Pandemie und die Gesundheit im Blick haben. Was nicht geht, geht nicht. Was aber behördlich geht, sollte gehen. Haltet zusammen, das braucht jetzt nicht nur der Karneval.

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