Das umstrittene Suchthilfezentrum steht auf der Tagesordnung des Kölner Rates. Vor dem Rathaus formieren sich Befürwortende und Gegner sowie Gegnerinnen.
Geplantes SuchthilfezentrumExplosives Thema im Rat – vorm Rathaus könnte es knallen

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Anwohnende zeigen offen, was sie von dem geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben im Phantaleonsviertel halten.
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Das geplante Suchthilfezentrum spaltet ein Kölner Veedel. Mit großer Spannung wird daher die Ratssitzung am Donnerstag (5. Februar 2026) erwartet, wo das Zentrum auf Punkt 10 der Tagesordnung steht.
Es geht darum, ob die Stadt das Hilfezentrum für schwerstabhängige Menschen auf einem ehemaligen Spielplatz im Pantaleonsviertel weiterplanen kann.
Suchthilfezentrum: Zwei Kundgebungen vor dem Rathaus angekündigt
Vor dem Rathaus werden sich sowohl Befürwortende als auch Gegner/Gegnerinnen formieren. So hat die Bürgergemeinschaft „Südi bleibt solidarisch“ für 13.30 Uhr zur Demo aufgerufen.
Sie ist für die Fortführung der Planung, fordert aber auch eine intensive Beteiligung der Nachbarschaft bei der Ausgestaltung des Konzepts. „Lass uns das Problem lösen anstatt es unsichtbar zu machen und weiter zu verschieben!“, so der Aufruf.
Die „IG Phantaleonsviertel“ stellt sich dagegen und ruft ab 13 Uhr vor dem Rathaus zum stillen Protest auf: „Wir fordern die Ratsmitglieder auf: Treffen Sie keine Entscheidung über ein Drogenkonsumzentrum, solange wichtige Antworten und ein belastbares Konzept fehlen.“
Das Thema hat Sprengstoff-Potential, ist hochemotional. Knallt es vor dem Rathaus? Laut Polizei sind zwei Aktionen mit 30 beziehungsweise 200 Teilnehmende angemeldet. „Wir begleiten die Veranstaltungen“, erklärte ein Sprecher gegenüber EXPRESS.de.
Kölner Aktivist: Wegsehen schützt niemanden
„Ich bin für das Zentrum an der geplanten Stelle, weil Wegsehen niemanden schützt und Hilfe dort wirken muss, wo die Not real ist, da suchtkranke Menschen Hilfsangebote außerhalb ihres Lebensumfeldes in der Regel nicht annehmen“, erklärte der bekannte Aktivist Kalle Gerigk.
Auch Mark Benecke alias Dr. Made, Kölns berühmter Kriminalbiologe und Forensiker, positonierte sich auf Facebook. Es handele sich um eine „dringend benötigte Hilfs-Stelle“. „Der Standort am Perlengraben darf dabei natürlich nicht alleine stehen“, so Benecke.
Kalle Gerigk sieht auch gleichzeitig die Belastungen für die Anwohnenden, insbesondere in Bezug auf Sicherheit, Wohnqualität sowie Kinder und ältere Menschen. „Genau deshalb aber brauche es einen Ort, der Ordnung schafft statt Verdrängung, Schutz statt Chaos. Das Zentrum holt Menschen aus dem öffentlichen Raum und rettet Leben“, so Gerigk.
Was viele Anwohnenden davon halten, ist sichtbar. An mehreren Fenstern und Balkonen hängen Transparent mit Aufschriften wie „Hilfe für Betroffene: Ja – Dieser Standort: Nein“ oder „Kinder brauchen Schutz“. Gegenüber EXPRESS.de erklärte Anwohner Paul: „Wenn Stadt und Behörden die Ordnung an einem öffentlichen Platz wie dem Neumarkt nicht hinbekommen haben, dann gelingt das doch hier, wo abends gar nichts mehr los ist, erst recht nicht.“
Vielen hatte auch am letzten Samstag gegen das geplante Zentrum demonstriert. Weil Anwohnerinnen und Anwohner eine Zunahme der Drogenkriminalität befürchten, gingen hunderte auf die Straße.
Das neue Suchthilfezentrum soll den bisherigen Drogenkonsumraum am Neumarkt „ablösen“, zudem mit einem umfangreicheren Angebot. Die Stadt plant, das Zentrum noch in diesem Jahr zu eröffnen, spätestens im Frühjahr 2027. Es soll zunächst an dem Standort für fünf Jahre bleiben mit der Option auf eine Verlängerung um fünf jahre.


