Kölns Karneval steht vor neuen Herausforderungen. Jetzt wurde das Sicherheitskonzept vorgestellt.
Neue Hotspots & Sicherheits-SorgenKölns Plan für die Karnevalstage: Das ändert sich jetzt

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Jecke feiern am 11.11. auf der Zülpicher Straße in Köln.
Obwohl die Anziehungskraft des Party-Hotspots Zülpicher Viertel etwas abgenommen hat, bleibt der Zustrom von teilweise sehr jungen Feiernden an den Karnevalstagen enorm.
Die Massen verteilen sich nun jedoch stärker im gesamten Stadtgebiet. Diese veränderte Situation stellt die Stadt, Polizei und Feuerwehr vor neue Aufgaben. In einer Pressekonferenz präsentierten die Behörden ihre Strategien für die kommenden tollen Tage.
Das ist der Plan für das Zülpicher Viertel
Auch wenn der große Hype um das Studentenviertel etwas nachgelassen hat, erwarten Stadt und Polizei besonders an Weiberfastnacht sowie Rosenmontag zahlreiche junge Jecken. Das Areal wird deshalb wieder weiträumig abgeriegelt.
Zusätzlich zu den bekannten Eingängen an der Roonstraße und bei der Uni-Mensa wird dieses Jahr ein dritter Zugang an der Kreuzung Kyffhäuserstraße/Barbarossaplatz eingerichtet. Bei Überfüllung können die Zugänge temporär geschlossen werden, was am 11.11. nur kurzzeitig der Fall war. Für Anwohnerinnen, Anwohner und Gewerbetreibende werden spezielle Eingänge bereitgestellt, die nur mit Ausweis zugänglich sind.
Genervt oder Vorfreude? Wohnt ihr auf der Zülpi oder in der Nachbarschaft? Wie bereitet ihr euch auf die jecken Tage vor?
Ordnungsamtsleiter Dirk Käsbach erklärte: „Unsere Maßnahmen zur Entlastung des Kwartier Latäng und der Uniwiese zeigen Wirkung“. Wie schon im letzten Jahr dient die Uniwiese ausschließlich als Transit- und Ausweichzone.
Das bedeutet: keine Bühne, keine Musik, keine Verkaufsstände für Getränke oder Essen. Die abgesperrte Fläche wird im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel verkleinert. Eine Schutzzone wird zudem erneut im Hiroshima-Nagasaki-Park eingerichtet, um Müll und Beschädigungen zu verhindern.

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Die abgesperrte Fläche auf der Uniwiese ist rund ein Drittel kleiner als im Vorjahr.
Dem BUND geht dieser Schritt jedoch nicht weit genug. Helmut Röscheisen, Vorstandsmitglied des BUND Köln, äußerte sich gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ kritisch: „Wir erwarten nach wie vor, dass die Uni-Wiesen im Landschaftsschutzgebiet nicht weiter als ‚Ausweichflächen zu Gefahrenabwehr‘ missbraucht werden, indem Ströme von feierfreudigen jungen Menschen dort hingelenkt werden. Wer Exzesse im Straßenkarneval eindämmen möchte, muss hier anfangen und damit auch die BewohnerInnen des Zülpicher Viertels entlasten“.
Er schlägt stattdessen eine alternative Veranstaltung auf einer versiegelten Fläche vor, beispielsweise am Konrad-Adenauer-Ufer.
Südstadt und Altstadt rücken in den Fokus
Während das Zülpicher Viertel an Anziehungskraft einbüßt, gewinnen die Südstadt und die Altstadt bei jungen Feiernden an Beliebtheit. Am 11.11. gab es rund um den Chlodwigplatz massive Probleme mit Müll, Wildpinkeln und verärgerten Anwohnerinnen und Anwohnern.
Die Stadt plant, dort zusätzliche Toiletten und Abfalleimer zu installieren. Zudem soll die Haltestelle Chlodwigplatz besser geschützt und mit Überfahrsperren ausgestattet werden. Absperrungen wie im Zülpicher Viertel sind zunächst nicht vorgesehen. „Sollte sich die Lage verschärfen, reagieren wir kurzfristig“, versprach Ordnungsamtschef Käsbach. „Wir wollen aber nur dort absperren, wo es wirklich erforderlich ist.“

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Feuerwehrchef Christian Miller (li.), Ordnungsamts-Chef Dirk Käsbach (Mitte) und Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr der Polizei Köln, bei der Pressekonferenz (v.l.).
Im Gegensatz zum Zülpicher Viertel, der Altstadt und dem Aachener Weiher ist kein Glasverbot geplant. Die Stadt appelliert stattdessen an den freiwilligen Verzicht und richtet Tauschstellen ein, an denen Glasflaschen gegen Pappbecher getauscht werden können.
Polizei mit Großaufgebot im Einsatz
Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr, stufte die Gefahr angesichts der globalen Lage als „abstrakt hoch“ ein. Es lägen jedoch keine konkreten Hinweise vor. Wie im vergangenen Jahr werden 1400 bis 1500 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten im Dienst sein. „Wir bringen alles auf die Beine, was gesund ist“, betonte Lotz.
Ein besonderer Schutz gilt erneut der Synagoge an der Roonstraße. Lotz richtete einen Appell an die Feiernden, auf Waffenattrappen zu verzichten; das Mitführen von Messern ist untersagt. Die Polizei hat gezielte Personen- und Taschenkontrollen angekündigt, bei denen auch auf Anscheinswaffen geachtet wird.
Hier finden Jecken in Notlagen Hilfe
Zusätzlich zu Polizei und Ordnungsamt ist auch das Projekt „Edelgard“ wieder aktiv, das sich gegen sexualisierte Gewalt richtet. Bis zu drei mobile Teams werden an den Party-Hotspots präsent sein. Beratung und Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0221/221‑27777. Außerdem werden 26 Streetworkerinnen und Streetworker im Einsatz sein.
Auch Feuerwehr und Rettungsdienst stellen sich auf ein hohes Einsatzaufkommen ein. Feuerwehrchef Christian Miller berichtete: „2025 gab es an Weiberfastnacht 944 Rettungsdiensteinsätze – etwa doppelt so viele wie an einem normalen Tag“. Es werden mehrere mobile Hilfsstellen eingerichtet, und das Notfallzentrum am Perlengraben wird ebenfalls wieder in Betrieb genommen. Miller sprach auch von Angriffen auf Einsatzkräfte und appellierte eindringlich: „Lassen Sie die Einsatzkräfte ihre Arbeit machen. Übergriffe haben im Karneval keinen Platz.“
Harte Strafen bei Verstößen gegen den Jugendschutz
Die Stadt hat wie in den Vorjahren Testkäufe in Kiosken durchgeführt, mit erschreckenden Ergebnissen. Von 41 überprüften Geschäften verkauften 31 illegal hochprozentigen Alkohol oder Tabakwaren an Minderjährige.
Kontrollen sind auch während der Karnevalstage geplant. Betriebe, die erwischt werden, müssen mit harten Strafen rechnen. So wurde beispielsweise ein Kiosk in der Altstadt letzte Woche aufgrund wiederholter Verstöße geschlossen.
Brandschutz in Kneipen wird verstärkt kontrolliert
Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat auch in Köln für Verunsicherung gesorgt und die Sicherheit im Kneipenkarneval in den Fokus gerückt. Stadtdirektorin Andrea Blome kündigte bereits Mitte Januar im „Kölner Stadt-Anzeiger“ an, dass das Ordnungsamt stichprobenartige Kontrollen in Kneipen „in der heißen Phase des Karnevals“ durchführen werde. Dies wurde von Ordnungsamt-Chef Dirk Käsbach am Montag nochmals bestätigt.
Ende Januar fand zudem ein Treffen zwischen Gastronomie, Feuerwehr, Bauaufsicht und Ordnungsamt zum Thema Brandschutz in Gaststätten statt. Die IG Gastro reagierte daraufhin mit kurzfristig angebotenen Schulungen, die laut Käsbach sofort ausgebucht waren. „Die große Nachfrage zeigt, dass das Thema ernst genommen wird. Das erleichtert uns und der Bauaufsicht die Arbeit“, erklärte Käsbach. (red)
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