Flughafen-Chaos Erste Fluggesellschaft kehrt Köln-Bonner Airport den Rücken

Reisende stehen am Flughafen Köln/Bonn Schlange.

Am Köln-Bonner Flughafen lief es zuletzt nicht rund, wie hier am Sonntag, 25. Juli, wo sich lange Schlangen zwischen Terminal 2 und Terminal 1 bildeten.

Am Flughafen Köln/Bonn regiert aktuell das Chaos. Nach der harten Kritik von Verdi an der Geschäftsführung wird nun auch intern der Ton rauer. Mit deutlichen Worten hat sich der Betriebsrat an den Aufsichtsrat gewendet.

Köln. Für den Flughafen Köln/Bonn kommt es derzeit knüppeldick. Die langen Wartezeiten für Reisende am Airport sorgen nicht nur für ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit, sondern auch für massive Kritik an der Geschäftsführung. Und nach dem Frontal-Angriff der Gewerkschaft Verdi auf die Flughafen-Bosse kommt nun auch mächtig Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Am Montag (2. August) hat der Betriebsrat des Flughafens ein Schreiben an den Aufsichtsrat geschickt, das am Donnerstag (5. August) auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Darin enthalten: eine Abrechnung mit der aktuellen Lage und der Geschäftsführung, die aus Sicht des Betriebsrats mit ihrem Vorgehen sogar die Zukunft des Flughafens aufs Spiel setzt.

Flughafen Köln/Bonn: Der Ton wird intern rauer

„Wir sind – nach vorsichtigen Schätzungen – mehr als 120 Mitarbeiter unter der Personaldecke, die einen zumindest geordneten Ablauf der Flugzeugabfertigung darstellen könnte“, heißt es in dem Schreiben, das vom BR-Vorsitzenden Sven Schwarzbach und seinem Stellvertreter Wolfgang Lange unterzeichnet wurde.

Wie die Gewerkschaft Verdi prangert auch der Betriebsrat die umstrittene Personalplanung am Flughafen an. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung wurde, trotz mehrfacher Warnungen, nicht auf die steigende Nachfrage reagiert, die sich für die Sommermonate abzeichnete.

Betriebsrat des Flughafens Köln/Bonn mit Kritik an der Geschäftsführung

„Weder wurden mit uns Gespräche aufgenommen, wie man diesen Personalengpass decken kann, noch wurden RECHTZEITIG Maßnahmen eingeleitet, um über qualifiziertes Personal zum Anfang der Sommerferien zu verfügen“, heißt es im Schreiben. Dies halte der Betriebsrat für einen „eklatanten Management-Fehler”, der zu Überbelastung, Stress und Unmut in der Belegschaft geführt habe.

Noch schwerwiegender: Der Betriebsrat bezichtigt die Geschäftsführung sogar der Lüge! An den Aufsichtsrat gerichtet heißt es: „Wir möchten auch mit diesem Schreiben an Sie klarstellen, dass nicht der Betriebsrat die Einstellung von Mitarbeitern blockiert hat, sondern dass uns gar kein Personal rechtzeitig zur Einstellung eingereicht wurde.“

Flughafen Köln/Bonn: Betriebsrat wirft Management Lügen vor

Bereits in einem Schreiben vom 16. Juli 2021 hatte es geheißen, die Geschäftsführung verbreite die Nachricht, der Betriebsrat habe Einstellungen von Mitarbeitern für den Ground Service nicht zugestimmt. Das weist der Betriebsrat jetzt erneut von sich.

In einer Antwort auf eine EXPRESS.de-Anfrage hatte Flughafen-Sprecher Alexander Weise am Dienstag (3. August) mitgeteilt, man arbeite mit Hochdruck daran, die personelle Situation in den operativen Bereichen, etwa der Flugzeugabfertigung, dem stark gestiegenen Bedarf weiter anzupassen.“

Personelle Aufstellung soll nachhaltig geschäftsschädigend sein

Aus Sicht des Betriebsrats ist das aber deutlich zu spät. Vor allem, weil durch die Aktion „Helfende Hände” nun zwar Mitarbeiter aus anderen Bereichen (gegen Sonderzahlungen) helfen können, diese aber meistens fachfremd sind. Das ist in den Sicherheits-Gesetzen so nicht vorgesehen, auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) soll bereits ihren Unmut geäußert haben. Die schlechte personelle Aufstellung ist laut Betriebsrat „nachhaltig geschäftsschädigend”.

Der Betriebsrat, der sich nach eigener Aussage auch bei vielen Entscheidungen der Geschäftsführung übergangen fühlt, fällt zum Ende des Schreibens ein deutliches Urteil. „Hier werden Kundenbeziehen, Beziehungen der Mitarbeiter zum Unternehmen und zur Unternehmensführung aufs Spiel gesetzt, wie es in der Geschichte dieses Unternehmens noch niemals der Fall gewesen ist. Durch Fehlentscheidungen der Geschäftsführung wird die Zukunft des Flughafens mit all seinen 15.000 Arbeitsplätzen in Gefahr gebracht.“

Erste Fluggesellschaft wendet sich vom Flughafen Köln/Bonn ab

Der Zoff um den Flughafen: Selbst wenn die personellen Engpässe bald behoben sein sollten, dürfte die Diskussion im Hintergrund weitergehen. Denn mittlerweile wenden sich auch die ersten Fluggesellschaften vom Flughafen Köln/Bonn ab. 

In einem internen Eurowings-Schreiben an die Mitarbeiter, das dem „Kölner Stadt-Anzeiger” vorliegt, heißt es: „Aufgrund der Tatsache, dass die Personalkapazität zur Abfertigung unserer Maschinen nicht an den Bedarf angepasst wurde, werden wir und vor allem unsere Kunden derzeit regelmäßig in Mitleidenschaft gezogen.“ Die Kritik richtet sich ausdrücklich an die Verantwortlichen des Flughafens.

Insidern zufolge soll außerdem die ägyptische Frachtfluggesellschaft Egyptair Cargo den Flughafen Köln/Bonn bereits verlassen haben, was auf die Probleme und den Personalmangel zurückgeführt wird. (tw)

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