Die britische Band Florence + The Machine hat für eine ausverkaufte Lanxess-Arena gesorgt. Frontfrau Florence Welch verzückt ihr Publikum mit einer Show voller Hingabe und magischer Momente.
Ausverkaufte Lanxess-ArenaMagischer Moment in Köln: Fans senken sofort Handys

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Florence Welch, Frontfrau der britischen Band Florence + The Machine, umgeben von ihrem Hexenchor beim Auftritt.
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In Kölns Konzerttempel haben sich schon einige ganz besondere Momente abgespielt. Am Donnerstagabend (26. Februar 2026) gab es wieder solch einen. Die britische Indie-Band Florence + The Machine hatte die Lanxess-Arena bis in die oberste Reihe gefüllt.
Es laufen bereits die Zugaben, als die Band den Fan-Liebling „Dog Days Are Over“ aus dem 2009 erschienenen Debüt-Album „Lungs“ spielt. Nach zwei Dritteln des Songs wird die Band kurz leiser, Sängerin Florence Welch blickt in die rappelvolle Halle.
Magischer Moment: „Wenn ihr diesen Song filmt, hält es euch davon ab, ihn zu erleben“
„Wenn ihr diesen Song filmt, hält es euch davon ab, ihn zu erleben“, sagt sie beim Anblick einiger Handys im Publikum. Die Telefone senken sich, stattdessen gehen noch mehr Arme in die Luft, und auf Kommando springt die ganze Arena im Takt.
Dass die Fans der Aufforderung ohne Zögern nachkommen, verwundert nicht. Ohnehin hat dieser Abend fast schon etwas von einem Sektentreffen. Die Sängerin in ihrem wallenden roten Kleid schwebt barfuß tänzelnd über die Bühne, breitet die Arme wie bei einer Messe aus und schafft es, dass 17.000 Menschen ehrfurchtsvoll an ihren Lippen kleben. Sie sorgt zwischenzeitlich für beeindruckende Stille, während die Harfe erklingt.
Auch wenn die 39-Jährige eine vielköpfige, aber nicht namentlich vorgestellte Begleitband – „The Machine“ – hinter sich weiß, ist dieser Abend eine One-Woman-Show. Um die Frontfrau winden sich meist vier Tänzerinnen im Trockeneis, zucken entrückt und geben der Show die Anmutung von Hexerei und mittelalterlicher Mystik. Auf allen vieren kriechen sie durch den Nebel über die Bühne, während Welch bei „Big God“ scheinbar in Flammen steht.
Getragen wird das zweistündige Konzert von der Ausstrahlung einer Sängerin, deren Stimme durch Mark und Bein geht und die sich den Schmerz von der Seele singt. 2023, mitten in ihrer Tournee, erlitt Welch während eines Festivalauftritts in Cornwall eine Eileiterschwangerschaft, die platzte und für starke innere Blutungen sorgte. Eine Notoperation rettete ihr Leben.
Das jüngste Album „Everybody Scream“ thematisiert schmerzhafte Momente, Grauen und Trauma. In „One of the Greats“ nimmt sie die Musikindustrie aufs Korn. „Ich werde da oben mit den Männern und den zehn anderen Frauen in den hundert besten Alben aller Zeiten stehen“, singt sie, bevor sie hinzufügt: „Es muss schön sein, ein Mann zu sein und langweilige Musik zu machen, nur weil man es kann.“
Wenn Florence Welsh singt, hält die Menge beeindruckt den Atem an. Wenn sie spricht, klingt das überraschend schüchtern und zart. „Die meisten Lieder will ich eigentlich nicht veröffentlichen“, sagt sie. Sie schreibe die Songs schließlich für sich persönlich. Aber dann müssten sie doch in die Welt hinaus.

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Entrückt im Trockeneis-Nebel. Florence Welch lieferte mit ihrer Band ein magisches Konzert in der Lanxess-Arena ab.
Auch „Never Let Me Go“ wollte sie nicht mehr live spielen, weil es sie an schwere Zeiten erinnerte. Doch mittlerweile seien schlimmere Dinge passiert. Und so habe die Liebe der Fans zu dem Stück gesiegt. „Danke, dass ihr den Song nicht aufgegeben habt“, sagt die Sängerin und hüpft verzückt über den langen Bühnensteg.
Natürlich gehören auch Hits wie „Shake It Out“ oder „Spectrum“ zum Programm. Einen Höhepunkt stellt auch die feministische Hymne „King“ dar. Ein Teil der Lautsprecher, die die Crew der Engländerin aufgehängt hatte, versagt zwischenzeitlich den Dienst und sorgt in einigen Bereichen der Halle für Frust. Doch die Mehrheit der Gäste fühlt sich verzaubert.
Nach „Sympathy Magic“ schreitet die 39-Jährige an ihren (fast ausschließlich weiblichen) Fans in der ersten Reihe vorbei, bewundert deren Outfits und die Blumenkränze im Haar. Vor einem Mädchen bleibt sie stehen, umarmt sie fest und sorgt für viele Tränen. Mit dem zigfach wiederholten Wunsch „Peace is coming“ aus dem Song „And Love“ geht es hinaus in die Nacht – und zurück in die graue Realität.


