Der Eintritt für den Kölner Dom erhitzt die Gemüter auch knapp einen Monat nach der Einführung. Ein Ex-Chorsänger kämpft gegen die neue Gebühr und erhält von der Kirche eine eiskalte Abfuhr.
Eintritt für den Kölner DomTrotz persönlichem Engagements – Abfuhr für Chorsänger

Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Ein Domschweizer kontrolliert ein Ticket vor dem Haupteingang des Kölner Doms. Der Eintritt in den Kölner Dom kostet seit dem 1. Juli zwölf Euro für Besucher und Besucherinnen.
Aktualisiert:
Gregor Josten (60) ist Kölner durch und durch. Und der Dom? Für ihn ist das Gotteshaus eine zweite Heimat. Josten hat dort einen großen Teil seiner Jugend verbracht, seine Stimme für die Kathedrale erhoben.
Doch diese Verbundenheit scheint nun nichts mehr wert zu sein. Seit dem 1. Juli werden für den Besuch im Dom zwölf Euro fällig. Eine Regel, die auch für ihn gilt und ihn tief verletzt.
Kein Entgegenkommen für frühere Helfer: „Fühlt sich nicht richtig an“
„Jetzt für einen Rundgang im Dom ein reguläres Ticket lösen zu müssen, fühlt sich nicht richtig an“, erklärt der Kölner. Für ihn und andere Ehemalige sei der Dom „kein touristisches Ausflugsziel, sondern Teil unserer Biografie.“
Er schildert: Drei Nachmittage pro Woche proben, dazu die Gestaltung aller Hochämter. Die Entlohnung war symbolisch, die Leidenschaft echt. Deshalb bat er Dompropst Guido Assmann um eine faire Lösung: einen kostenlosen Zugang für ehemalige Messdiener und Chorsänger.
Die Reaktion des Metropolitankapitels der Hohen Domkirche kam prompt – und sie war ein Schlag ins Gesicht. Eine unmissverständliche Absage. Dompropst Assmann lehnte den Vorschlag kategorisch ab, ebenso wie die Idee eines kostenlosen Eintritts für Bürger und Bürgerinnen aus NRW an Samstagen.
Die offizielle Erklärung von Domsprecher Markus Frädrich klingt nüchtern: Würde man Sonderkonditionen gewähren, wäre die „finanzielle Grundlage unseres neuen Besuchskonzeptes sehr schnell ausgehöhlt.“ Man bittet daher „um Verständnis dafür, dass wir keine Ausnahmen ermöglichen können“.

Copyright: Arton Krasniqi
Der Kölner Gregor Josten hat viele Jahre im Domchor gesungen. Seine Bitte nach freiem Eintritt für ehemalige Messdiener und Domchorsänger wurde abgelehnt.
Einzig ausgenommen von den neuen Eintrittsgeldregeln im Kölner Dom sind Kinder unter 14 Jahren, Schwerbehinderte und ZDV-Mitglieder.
Auch Domdechant Robert Kleine argumentiert, die Einnahmen seien für den Erhalt des Doms unverzichtbar. Man schätze das Engagement, aber eine „konsequente und für alle nachvollziehbare Anwendung“ der Regel sei entscheidend. Das solle aber nicht „unsere Wertschätzung für alles persönliche Engagement an unserem Dom schmälern“.
Mit seinem Unmut steht Josten nicht allein da. Die neue Gebührenordnung führt zu massivem Frust am Westportal. Insbesondere am späten Sonntagnachmittag ist die Stimmung oft aufgeheizt.
Die Domschweizer führen endlose Debatten mit Leuten, die in die Kathedrale möchten. Um 17.30 Uhr startet das Musikalische Abendgebet, doch zahlreiche Menschen werden einfach weggeschickt. Viele Touristen und Touristinnen haben keine Ahnung, dass der letzte Einlass mit einem Ticket bereits um 16.15 Uhr endet. Danach geht nichts mehr.

Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Vor dem Haupteingang des Kölner Doms hat sich eine lange Schlange gebildet.
Das Sicherheitspersonal wirkt sichtlich überfordert mit der Situation. Verständigungsprobleme wegen unterschiedlicher Sprachen verschärfen die angespannte Lage zusätzlich.
„Für die Aufsichtskräfte am Dom ist der Übergang zwischen Besichtigungszeit und liturgischer Zeit regelmäßig eine besonders anspruchsvolle Phase“, teilte Markus Frädrich, Medienreferent des Kölner Doms, auf Anfrage unserer Redaktion schriftlich mit.
Mit diesem Trick kommt man doch noch in den Dom
Wer darf passieren, wer muss draußen warten? Das Nordportal, normalerweise der Zugang für Betende und Gottesdienstbesucher, bleibt verschlossen. Vermutlich, um Personalkosten zu sparen. Ein Besucher verrät den Trick im Flüsterton: „Sie müssen Gottesdienst oder Beten angeben, dann dürfen Sie eintreten.“
Wer diesen „Code“ benutzt, wird aber sofort zurechtgewiesen: „Keine Fotos, keine Fotos!“ Im Inneren der Kathedrale empfängt die Besucher eine wohltuende Ruhe, die in starkem Kontrast zum Chaos vor der Tür steht.
Markus Frädrich gesteht, dass der Wechsel zwischen Besichtigungszeit und Gottesdienst eine „besonders anspruchsvolle Phase“ sei. Man befinde sich noch in einer „Erprobungsphase“, und die Prozesse würden „kontinuierlich überprüft und verbessert“.
Kölner Dom: Besucherzahlen seit Ticketeinführung eingebrochen
Seit die Dom-Gebühr am 1. Juli eingeführt wurde, sind die Besucherzahlen eingebrochen. Statt der früheren mehr als 16.000 Menschen täglich, wurden am ersten Tag nur etwa 2900 Tickets verkauft. Zuvor zählte man über sechs Millionen Besucher pro Jahr.
Das Domkapitel zeigt sich dennoch zufrieden. Man nehme nun etwa die Hälfte der täglichen Unterhaltskosten von 44.000 Euro ein. Der andere Teil wird durch Zuschüsse gedeckt. Eine offizielle Bilanz zu den Besucherzahlen soll es erst Anfang 2027 geben.
Für Gregor Josten ist die Argumentation der Kirchenoberen ein Schlag ins Gesicht. Die Behauptung, man könne keine Ausnahmen gewähren, weil sonst jeder eine wolle, nennt er ein „Totschlagargument“. Auch die Aussage, der Dom sei nun ruhiger und würdevoller, kann er nicht nachvollziehen. Enttäuscht und wütend stellt er die Frage: „Ist die neue Stille im Dom gefährdet, wenn wir wenigen Ehrenamtler vereinzelt alle paar Tage oder Wochen kurz zur inneren Einkehr in unseren Dom gehen?“ (red)

