1

Endlich wieder offenKölner Agrippabad feiert Comeback

Nach der Schließung feiert das Agrippabad seine Wiedereröffung.

Copyright: Arton Krasniqi

Nach der Schließung feiert das Agrippabad seine Wiedereröffung.

Nach über sechs Monaten Zwangspause ist das Kölner Agrippabad wieder offen. Die Freude ist riesig, doch die Zukunft ungewiss.

Monatelang waren die Türen zu, jetzt spritzt das Wasser wieder! Das Agrippabad in der Kölner City ist zurück. Aber ein großes Fragezeichen schwebt über der Zukunft des beliebten Bades.

„Wir haben es sehr vermisst und sind froh, wieder hier zu sein“, äußert Wilfried Sternecker seine Freude am Solebeckenrand. „Seit der Kindheit komme ich her. Es ist wie ein zweites Wohnzimmer.“

Agrippabad: Besucher und Besucherinnen froh über Wiedereröffnung

Sternecker war am Freitag zusammen mit Brigitte Ciringione, die zu seinem Freundeskreis zählt, ins Agrippabad gekommen, das an diesem Morgen seine Wiedereröffnung feierte. Sie fügte hinzu: „Wir sind sehr dankbar.“

Über sechs Monate lang mussten die beiden auf ihr Lieblingsbad verzichten, da es nicht geöffnet war. Er nutzte die Zwischenzeit für einen Türkei-Urlaub, während sie ab und zu ins Ossendorfbad auswich, was ihr aber nicht annähernd so gut gefiel: „Kein Vergleich!“

Zu den treuen Besuchern gehören auch Hubert Felder und Kurt Offizier aus Deutz, die seit Jahren für gewöhnlich donnerstags mit vier weiteren Männern das Agrippabad aufsuchen. „Endlich ist es wieder offen“, zeigte sich Felder erleichtert. Zuvor hatte die Freundesgruppe mit dem Calevornia in Leverkusen vorliebgenommen. Dort sei es aber „ziemlich voll“ gewesen, merkte Offizier an.

Von Überfüllung war an diesem Vormittag im Agrippabad, kurz vor Schulschluss zum Ferienbeginn, nichts zu spüren, obwohl in allen Becken drinnen und draußen Betrieb herrschte. Schichtleiter Thomas Meyer berichtete, dass der Zulauf am frühen Morgen enorm war. Bereits um sechs Uhr, eine halbe Stunde vor der offiziellen Öffnung, hätten zahlreiche Frühschwimmer vor dem Eingang gewartet.

Brigitte Ciringione und Wilfried Sternecker freuen sich sehr über die Wiedereröffnung.

Copyright: Arton Krasniqi

Brigitte Ciringione und Wilfried Sternecker freuen sich sehr über die Wiedereröffnung.

Bad wegen massiver Schäden monatelang dicht

Im sich rasch füllenden Foyer empfing Badleiterin Denise Hamböcker die Besucher. Die gute Nachricht für alle Wasserratten: Das gesamte Angebot ist wieder verfügbar. Dazu zählen das 25-Meter-Sportbecken, das Vier-Jahreszeiten-Außenbecken mit seinem Strömungskanal, der Sprungturm, die 130 Meter lange Röhren-Wasserrutsche, das Solebecken sowie die Saunalandschaft und der AquaFit-Fitnessbereich.

Am 1. Januar dieses Jahres musste das traditionsreiche Bad aus den 50er-Jahren dichtmachen, da es massive Schäden gab. Besonders betroffen waren die Bereiche, die erst bei der Modernisierung von 1998 bis 2000 neu errichtet wurden, wie zum Beispiel die gläserne Schrägfassade. Bei der genauen Sanierungsplanung im Vorjahr wurde klar: Die Probleme waren viel gravierender als zunächst gedacht. Für eine komplette Bestandsaufnahme wurde das Bad daher geschlossen.

Die wichtigsten Reparaturen sind geschafft

In den folgenden sechs Monaten wurden die schlimmsten Schäden repariert. Dazu zählte, die Haltepunkte der Schrägfassade zum Schutz vor Korrosion zu verkleben und Dachstreben zu erneuern. Bäder-Sprecherin Judith Jussenhofen erklärte, dies sei die Grundvoraussetzung für eine neue Betriebserlaubnis gewesen. Auch die Schulen und Vereine werden wieder ins Agrippabad zurückkehren.

Aktuell sind alle Anlagen des Bades wieder nutzbar.

Copyright: Arton Krasniqi

Aktuell sind alle Anlagen des Bades wieder nutzbar.

Eigentlich war geplant, dass die Einrichtung, die mit rund 420.000 Gästen jährlich das meistbesuchte Schwimmbad in Köln ist, bereits am 1. Juli wieder aufmacht. Aber im Laufe der Arbeiten kam es zu Verzögerungen, wie die Kölnbäder mitteilen. Als eine Ursache wird die „angespannte Situation“ bei auf Schwimmbadbau spezialisierten Unternehmen genannt. „Teilweise konnten zugesagte Leistungen nicht wie geplant umgesetzt werden.“

Den verspäteten Eröffnungstermin „bedauern wir sehr“, sagt Claudia Heckmann, die Geschäftsführerin der Kölnbäder. „Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir den Kölnerinnen und Kölnern das Bad nun noch im Sommer wieder zur Verfügung stellen können.“

Zukunft ungewiss: Wie geht es weiter mit dem Agrippabad?

Doch der Betrieb läuft quasi auf Bewährung. Wegen weiterer erheblicher Schäden, zum Beispiel am Beton, ist eine komplette Generalsanierung notwendig. Wann diese losgeht, steht noch in den Sternen. „Wir schätzen in zwei bis drei Jahren“, erklärte Jussenhofen am Freitag. Den Kölnbädern liegen Gutachten mit verschiedenen Sanierungskonzepten vor.

Ein Abriss mit anschließendem Neubau ist dem Vernehmen nach vom Tisch. Zum einen stehen Teile des Baus unter Denkmalschutz. Zum anderen gilt es als fraglich, ob man für ein Schwimmbad in der Innenstadt heute überhaupt noch eine Baugenehmigung erhalten würde.

Seitens der Kölnbäder wird erklärt: „Wie die langfristige Zukunft des Standorts konkret aussehen wird, ist derzeit noch offen. Ebenso, wie eine umfassende Sanierung umgesetzt wird, ist derzeit Gegenstand weiterer Abstimmungen mit den Gesellschaftern. Eine abschließende Entscheidung liegt aktuell nicht vor.“ Um die Instandsetzung zu finanzieren, möchte sich die Stadt auf Fördermittel des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder 2026“ bewerben.

Eine dafür erstellte Skizze geht von Projektkosten von rund 20 Millionen Euro aus. Die Kölnbäder würden sich mit 16,4 Millionen beteiligen, wodurch sich die „zuwendungsfähigen Gesamtkosten“ auf 3,6 Mio. Euro reduzieren. Von dieser Summe sollen 1,62 Millionen Euro (45 Prozent) vom Bund kommen, den Rest würde die Stadt tragen.

Auch Sebastian Zimmermann war am Freitag mit seiner kleinen Tochter vor Ort, die er im Babybecken spielen ließ. Er hatte von der Neueröffnung gehört und wollte sich das Bad, das er zum ersten Mal besuchte, anschauen. Sein Fazit: „Ein tolles Angebot.“ Die Schwimmhalle war endlich wieder vom Geräusch plätschernden Wassers erfüllt. „Ein schönes Geräusch“, fand Judith Jussenhofen. Die Stille in dem halben Jahr davor sei „befremdlich“ gewesen. Schichtleiter Meyer meinte sogar: „Es war wie ein Lost Place.“ (red)

An der Kreuzung Luxemburger Straße/Militärringstraße soll die Stadtbahn in einen Tunnel unter der Kreuzung verlegt werden.
Tunnel soll alles ändern
Findet das Chaos in Köln endlich ein Ende?